Neun Saudi-Araber wechseln nach Spanien Bank-Lehre

Was zwischen Deutschland und China nicht funktionierte, soll nun in Spanien klappen: fußballerische Entwicklungshilfe. Sportlich ist der Deal sinnlos, die Gäste dürften kaum zum Einsatz kommen.

Salem Al-Dawsari im Trikot Saudi-Arabiens
AFP

Salem Al-Dawsari im Trikot Saudi-Arabiens


Die Zusammenarbeit des DFB mit dem chinesischen Fußballverband scheiterte krachend: Die Integration einer U20-Auswahl der Volksrepublik in den Spielbetrieb der Regionalliga Südwest überstand im November 2017 nur ein Freundschaftsspiel. Nach Protesten wurde der Deal erst ausgesetzt, dann beendet.

Besser laufen soll nun eine Kooperation in Spanien. Dort haben die Liga, der saudi-arabische Fußballverband und das Sportministerium des Königreichs eine Vereinbarung getroffen, die vorerst neun saudi-arabischen Fußballern Spielpraxis auf hohem Niveau ermöglichen soll. Klar ist aber auch: Sie soll dem spanischen Fußball wirtschaftliche Vorteile in einer finanzstarken Region sichern.

FC Villareal, CD Leganés und UD Levante heißen die neuen Vereine von Salem Al-Dawsari, Yahya Al-Shehri und Fahad Al-Muwallad. Auf Leihbasis wechseln die drei Nationalspieler des WM-Teilnehmers in die höchste spanische Spielklasse. Sechs weitere Kicker haben in zweiten Mannschaften beziehungsweise der zweiten spanischen Liga einen Kaderplatz gefunden.

Bis zur Weltmeisterschaft im Sommer sollen sie sich auf Top-Niveau messen und die Chancen auf ein erfolgreiches WM-Turnier steigern. Saudi-Arabien tritt in einer Vorrundengruppe mit Gastgeber Russland, Uruguay und Ägypten an.

So weit die Theorie. In der Praxis ist der sportliche Nutzen für die aufnehmenden Vereine gering, die zu erwartenden Einsatzzeiten dürften bei knapp über Null liegen. Bislang spielte kein saudi-arabischer Akteur in einer der beiden höchsten spanischen Spielklassen, europaweit sucht man einen Profi aus dem Land vergeblich.

Erweiterung der kommerziellen Möglichkeiten

Dementsprechend nüchtern liest sich das Statement der Primera División: "La Liga ist bereits die populärste internationale Liga in dieser Region, durch die Aufnahme saudi-arabischer Spieler in die erste und zweite Liga stellen wir einen Zuschauerzuwachs sicher und erweitern unsere kommerziellen Möglichkeiten."

Begleitet wird der Deal von den üblichen Nebengeräuschen: In Riad und Umgebung sollen Fußballakademien entstehen, selbstverständlich mit den besten Trainingsmethoden und technischer Unterstützung aus Spanien. Pflichtschuldiges Beiwerk einer Kooperation, bei der es um vieles geht - aber nicht um das Geschehen auf dem Platz.

Auch bei den Vereinen versucht man erst gar nicht, Erwartungen zu wecken, die nicht zu erfüllen sind. Der FC Villareal erklärt die Verpflichtung Al-Dawsaris mit "einer erhöhten Sichtbarkeit in der arabischen Welt". Das ist bemerkenswert ehrlich. Lohnend ist die Vergabe einer der festgelegten 25 Kaderplätze aus einem anderen Grund: Zwischen einer und fünf Millionen Euro sollen die Vereine laut "Süddeutscher Zeitung" pro Spieler erhalten.

Andauernde Expansionsbestrebungen

Vorausgegangen ist der Vereinbarung ein Deal zwischen La Liga und der Agentur Sela Sport, unterzeichnet von La-Liga-Marketingdirektor Adolfo Bara und dem Präsidenten von Sela Sport, Dr. Rakan Al Harthy. Dessen Unternehmen hält unter anderem die Verwertungsrechte an drei der größten saudi-arabischen Fußballvereine und vertritt den ägyptischen Klub Al Ahly. Für die Freundschaftsspiele Ittihad FC gegen Atlético Madrid und Real Madrid gegen Al Nassr FC ist ebenfalls die Agentur Al Harthys verantwortlich.

Schon die Vereinbarung im vergangenen Jahr war ein deutliches Zeichen für die Expansionsbestrebungen der spanischen Liga. In Dubai unterhält man bereits seit 2014 ein Büro, weitere Dependancen gibt es in den USA, Südafrika, Indien, Singapur, Nigeria, Mexiko und China.

"Die gehen jetzt wohl erst mal nach Spanien"

Apropos China: Probleme, wie sie der chinesischen U20 in Deutschland begegneten, wären in Spanien wohl eher nicht zu erwarten. Als die Gäste aus Fernost frustriert aus Deutschland abreisten, zürnte der ehemalige chinesische Nationaltrainer Klaus Schlappner in einem Interview mit der "Welt": "Die werden jetzt wohl erst mal nach Spanien oder England gehen."

Noch sind sie nicht da. Jetzt kommen erst einmal die Werbemittler aus dem Nahen Osten. In Hinblick auf die WM 2022 wird sich aber sicher auch noch das ein oder andere Kaderplätzchen für Fußballer aus Jinan, Guangzhou oder Tianjin finden lassen.



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