Länderspiel gegen Ukraine Experiment gescheitert, Remis gerettet

Mesut Özil und Mario Götze sollten die deutsche Fußball-Nationalmannschaft zum Sieg in Kiew zaubern - doch die beiden Offensivspieler gerieten zu Nebendarstellern. Die neue Defensiv-Taktik von Bundestrainer Joachim Löw floppte. Am Ende rettete Thomas Müller das Unentschieden gegen die Ukraine.

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Dass Joachim Löw gegen die Ukraine experimentieren würde, war klar. Risiko wolle er gehen, hatte der Bundestrainer angekündigt. Gemeint war, das offensive Mittelfeld-Duo Mesut Özil und Mario Götze erstmals gemeinsam aufzustellen. Doch von den beiden Dribbelkünstlern war nach dem Spiel kaum die Rede.

Als wesentlich riskanter entpuppte sich eine taktische Premiere unter Löw: In der Abwehr ließ der 51-Jährige eine Dreierkette in einem 3-5-2-System spielen - und das ging gründlich schief. Am Ende mühte sich die deutsche Fußball-Nationalmannschaft zu einem 3:3 (1:3)-Unentschieden. Die Tore für die Ukraine erzielten Andrej Jarmolenko (28. Minute), Jewgeni Konopljanka (36.) und Sergej Nasarenko (45.). Für die DFB-Auswahl trafen Toni Kroos (38.), Simon Rolfes (65.) und Thomas Müller (77.).

"Ich habe die Dreierkette deswegen getestet, um den Ernstfall vor dem Ernstfall zu proben. Ich habe gesehen, dass die junge Mannschaft das Spiel drehen wollte und mit Selbstvertrauen aus der Kabine kam", sagte Löw nach dem Spiel. Verteidiger Mats Hummels wollte nicht alle Schuld für das enttäuschende Auftreten auf das Experiment schieben: "Wenn man zwei Kontertore und einen Treffer aus 28 Metern kassiert, hat das nichts mit der Taktik zu tun."

Ein Debütant pflichtete ihm bei: "Es war sicherlich sehr schade, dass die erste Halbzeit so gelaufen ist, aber so ist Fußball. Die Ukraine hat sehr schnell umgeschaltet, wir weniger", sagte Ron-Robert Zieler von Hannover 96, der erstmals im DFB-Tor stand. In Abwesenheit von Philipp Lahm und Bastian Schweinsteiger übernahm Mario Gomez in seinem 50. Länderspiel die Kapitänsbinde, da auch Lukas Podolski und Per Mertesacker zunächst nur auf der Ersatzbank saßen.

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Zwar bewies der Co-Ausrichter der kommenden Europameisterschaft zunächst Gastgeber-Qualitäten: Bis auf einen Torschuss von Sturm-Legende Andrej Schewtschenko (3.) ans Außennetz begann das Team von Trainer Oleg Blochin sehr zurückhaltend. Deutschland machte das Spiel, Özil und Götze waren ballsicher wie immer, Chancen konnten aber auch sie nicht kreieren.

Doch dann setzte die Ukraine auf Konter - und wurde belohnt. Bei Jarmolenkos Treffer war Zieler chancenlos, der Torhüter hatte bis dahin noch keinen Ball halten müssen. Schewtschenko hatte nach einem Eckball für Deutschland den Gegenangriff eingeleitet. Artem Milevskiy legte von der Grundlinie zurück, und der Stürmer von Dynamo Kiew traf ins lange Eck.

Auch das zweite Tor für die Ukraine legte Milevskiy vor, entscheidend war aber der 70-Meter-Sprint Konopljankas. Und eine desolate Abwehrleistung des deutschen Teams. Hummels passte den Ball über zwei Meter zum Gegner, Träsch konnte dem 22-Jährigen nicht folgen und der tiefstehende Aogo deckte hartnäckig seine linke Seite ab, während Konopljanka über rechts ungestört auf Zieler zustürmen durfte. Der musste sich zunächst umspielen lassen und dann den Ball aus dem Tor holen. Die Bilanz des 22-Jährigen wurde noch bitterer, als auch der dritte Schuss auf sein Tor das Ziel traf. Es war wohl nur ein schwacher Trost, dass er auch bei Nazarenkos Kunstschuss aus 25 Metern chancenlos war (45.).

Löw wechselt Torschützen Rolfes und Müller ein

Sieben Minuten zuvor hatte Kroos ähnlich sehenswert zum zwischenzeitlichen Anschluss getroffen. Bezeichnend, dass er mit dem Gegner unfreiwillig Doppelpass spielen musste, um am Strafraum zum Schuss zu kommen. Der Mittelfeldspieler vom FC Bayern konnte auch sonst überzeugen, mit viel Einsatz und Kreativität stopfte er nach Kräften Lücken in der Defensive und kurbelte das Spiel nach vorne an.

Nach Wiederanpfiff begann die deutsche Nationalmannschaft stark. Götze prüfte bereits nach wenigen Sekunden Torhüter Alexander Rybka, kurz darauf verzog der eingewechselte André Schürrle nur knapp. Danach aber hieß es wie in der ersten Hälfte: Deutschland dominiert das Spiel, die Ukraine kommt zu Großchancen. Doch Zielers erste Parade war gleich eine sehr gute: Schewtschenko war Aogo enteilt, mit den Fingerspitzen lenkte der Torhüter den Schuss des Angreifers um den Pfosten (50.). Nach einem weiteren Konter schob Nazarenko den Ball freistehend am Tor vorbei (63.).

Dann kam die Zeit der Einwechselspieler. Neben Schürrle war Rolfes nach der Pause in die Partie gekommen. Nach einem Eckball staubte der Mittelfeldspieler von Bayer Leverkusen zum 2:3 ab (65.). Danach wurde Müller eingewechselt und bewies einmal mehr seine Klasse: Drei Gegenspieler ließ er an der Strafraumgrenze stehen, bei seinem nicht sonderlich platzierten Schuss sah Rybka im ukrainischen Tor dann aber nicht gut aus (77.).

In einer turbulenten Schlussphase drängte Löws Mannschaft sogar noch auf den Sieg, bekam aber ihre Abwehrprobleme nicht in den Griff. Zieler rettete in der 90. Minute per Fußabwehr gegen Marko Devics Kopfball, erneut war Aogo unaufmerksam.

Ukraine - Deutschland 3:3 (3:1)
1:0 Jarmolenko (28.)
2:0 Konopljanka (36.)
2:1 T. Kroos (38.)
3:1 Nasarenko (45.)
3:2 Rolfes (65.)
3:3 T. Müller (77.)
Ukraine: Rybka - Butko, Rakyzkij, Kucher, Selin - Konopljanka, Timoschtschuk, Jarmolenko (82. Alijew) - Besus (41. Nasarenko) - Schewtschenko (67. Gai), Milewskij (66. Devic)
Deutschland: Zieler - J. Boateng, Hummels, Badstuber, Aogo - Träsch (46. Schürrle), Khedira (46. Rolfes) - T. Kroos (87. L. Bender), Götze (66. T. Müller), Özil (66. Podolski) - M. Gomez (83. Cacau)
Zuschauer: 69.720
Schiedsrichter: Carballo (Spanien)
Gelbe Karten: Konopljanka, Besus -

insgesamt 30 Beiträge
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Stauss 11.11.2011
1. Nach 10 Minuten
schaltet ich um. Diese angebliche deutsche Nationalmannschaft brauchte ich mir dann doch nicht antun. Im Sportkanal lief ein interessantes Fußballspiel mit Nationalmannschaften: Türkei gegen Kroatien. Wobei die türkische Mannschaft untereinander Zores hatten. Wie manchmal die multinationale Mannschaft vom FC Köln und deshalb dann mit 0:3 gegen Kroatien unterging. Nicht der FC Köln, nein die Türkei in einem Heimspiel. Die Zuschauer pfiffen und verliessen das Stadion vorzeitig. Die Bundesligaspieler hatten auf dem Spielfeld die Mehrheit.
tanzfloorist 11.11.2011
2. ...
Neuer, Lahm und Schweinsteiger fehlten......Da haben wir die Antwort :-)
mark anton, 11.11.2011
3. Der Feingeist Loew sollte sich vor ueberzogenen Experimenten hueten
Zitat von sysopMesut Özil und Mario Götze sollten die deutsche Fußball-Nationalmannschaft zum Sieg in Kiew zaubern - doch die beiden Offensivspieler gerieten zu Nebendarstellern. Die neue Defensiv-Taktik von*Bundestrainer Joachim Löw*floppte. Am Ende rettete Thomas Müller das Unentschieden gegen die Ukraine. http://www.spiegel.de/sport/fussball/0,1518,797338,00.html
so wie es vorher lief, war nahezu optimal also keine Experimente sonnst faellt man (er) auf die Nase.
TBF 12.11.2011
4. Zuviele Tests auf einmal?
Ich weiß nicht so ganz was sich löw dabei gedacht hat. das fängt damit an, dass man mit ner dreier abwehrreihe anfängt. das mag man ja gerne mal austesten, dann aber bitte mit begabteren mittelfeld Leuten als den heute katastrophalen aogo und träsch. Das Problem setzt sich aber fort. Da testet er dann Götze-Özil. Auch eine Sache die er dringend testen musste. Gleichzeitig unterwirft er ihr Spiel dann aber dem Test "Wie kann ich aufspielen, wenn ich zurückliege?" und stellt Özil als hängende Spitze auf. Wozu testet man, ob die zwei technisch begabtesten Spieler der deutschen Nationalmannschaft miteinander harmonieren und lässt sie dann nicht NEBENEINANDER spielen. Wenn man Götze-Özil anstestet, dann doch bitte so (nach dem was heute zur verfügung stand) Zieler boateng-badstuber-hummels-aogo Khedira Müller-Özil-Götze-Schürle Gomez wenn man offensiver antesten will bsp. so: Zieler boateng-badstuber-hummels khedira-Kroos Schürle-Özil-Podolski Müller Gomez
horstma 12.11.2011
5. Unsinn
Zitat von sysopMesut Özil und Mario Götze sollten die deutsche Fußball-Nationalmannschaft zum Sieg in Kiew zaubern - doch die beiden Offensivspieler gerieten zu Nebendarstellern. Die neue Defensiv-Taktik von*Bundestrainer Joachim Löw*floppte. Am Ende rettete Thomas Müller das Unentschieden gegen die Ukraine. http://www.spiegel.de/sport/fussball/0,1518,797338,00.html
Unsinn. Wie oft hätte Löw denn eigentlich noch sagen sollen, daß er dieses Spiel als Test sieht? Wie sollen zwei Spieler, die noch nie zusammen gespielt haben, irgend jemanden "zum Sieg zaubern"? Auch wenn manche Fans den Eindruck erwecken: Fußball ist kein Spiel für Deppen, wo man einfach mal ein paar Spieler auf den Platz schickt, und die werden's schon richten. Da wird auch nicht gezaubert, sondern es werden Automatismen abgerufen - die in einem Testspiel mit neuer Konfiguration natürlich fehlen. Hätte Löw, vielleicht verletzungsbedingt, diese Kombination zum ersten Mal bei der EM gebracht, hätten alle SPONer geschrien: "Wie kann man so etwas erst bei der EM ausprobieren, und nicht früher?" Wer garantiert denn, daß Schweinsteiger oder Lahm bei der EM fit sein werden? Der große Kader an guten Spielern nützt nichts, wenn man sie nicht einmal zusammen spielen lässt. Gut, es hat nicht immer elegant ausgesehen. Aber man hat immerhin nicht verloren. Die Schwächen wurden klar aufgezeigt, und genau daran kann man jetzt arbeiten.
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