Länderspielabsage Löws Kritik an Dejagah rundet DFB-Blamage ab

Der Fall Dejagah hat mittlerweile einen zweiten Verlierer: den Deutschen Fußball-Bund. Erst sickerten Interna durch, dann ließ eine Stellungnahme zu lange auf sich warten. Heute räumte DFB-Präsident Zwanziger Versäumnisse ein, Bundestrainer Löw machte das Kommunikations-Chaos perfekt.

Von


Hamburg - Seit Gerhard Mayer-Vorfelder nicht mehr Präsident des DFB ist, haben sich öffentlich ausgetragene Streitigkeiten auf ein Minimum reduziert. Doch in den vergangenen Monaten hat die sonst so krisenerprobte Mannschaft um DFB-Präsident Theo Zwanziger einige Rückschläge hinnehmen müssen. Nach dem wochenlangen Streit um den Ausrüstervertrag mit Adidas und dem Flirt mit Konkurrent Nike präsentierte sich der Verband auch in den vergangenen Tagen unglücklich in seiner Außendarstellung.

Bundestrainer Löw: "Hätte mir eine andere Entscheidung erhofft"
DDP

Bundestrainer Löw: "Hätte mir eine andere Entscheidung erhofft"

Das öffentliche Gezerre um Ashkan Dejagah war ebenso peinlich wie unnötig. Vieles spricht dafür, dass Dejagahs mit dem DFB abgesprochene Länderspielabsage, einen ziemlich unkontrollierten Weg an die Öffentlichkeit gefunden hat. Das belegen die unterschiedlichen Aussagen der DFB-Verantwortlichen, die normalerweise mit einer Stimme sprechen.

DFB-Sportdirektor Matthias Sammer sprach gestern davon, dass Dejagah "Trainer Dieter Eilts den Wunsch mitgeteilt hat. Wir haben darüber gesprochen und werden es akzeptieren". Vielleicht hätte Sammer ob der Tragweite der Entscheidung spätestens jetzt den DFB-Präsidenten informieren sollen. Am gestrigen Morgen machte die "Bild"-Zeitung die Absage bekannt. Das dabei verwendete Zitat von Zwanziger spricht aufgrund des Konjunktivs eher dafür, dass der Verbandsboss zu diesem Zeitpunkt noch nicht endgültig über die Entscheidung von Sammer und Eilts informiert war: "Ich würde das bedauern. Wenn wir anfangen, nach politischen Dingen aufzuteilen, wäre der Sport der große Verlierer."

Am Tag der Veröffentlichung passierte lange Zeit gar nichts. Erst um 15 Uhr wurde DFB-Sprecher Jens Grittner bei Reuters zitiert. Grittner sagte, Dejagah habe persönliche Probleme geäußert, die dem DFB plausibel genug für eine Absage erschienen. Zwei Stunden später hatte der DFB dann auch die passende Pressemitteilung fertig. In der kam nun wieder Theo Zwanziger zu Wort, dem die Gründe für die Absage offensichtlich nicht so plausibel erschienen: "Wir werden nicht hinnehmen, dass ein deutscher Nationalspieler aus Gründen der Weltanschauung seine Teilnahme an einem Länderspiel absagt."

Gleichzeitig stellte sich der Präsident schützend vor Sammer und Eilts: "Ich habe die Entscheidung des Trainers respektiert, weil er mir vermitteln konnte, dass der Spieler Gründe angeführt hat, die im privaten Bereich liegen." Heute sah der 62-Jährige das schon wieder anderes: "Wir haben Dejagahs Entschuldigung zu schnell akzeptiert", sagte Zwanziger dem Radiosender hr-info, "wir hätten mehr nachfragen und nachbohren müssen." Auf Nachfrage von SPIEGEL ONLINE blieb Grittner dagegen hart: "An der Haltung des DFB hat sich nichts geändert. Der Spieler hat uns gegenüber nicht von politischen Gründen gesprochen."

Eine andere Haltung als der DFB hat offenbar Bundestrainer Jogi Löw, der das Kommunikations-Chaos heute abrundete: "Ich kenne die politischen Probleme. Grundsätzlich hätte ich vom Spieler aber erhofft und erwartet, dass er aus sportlichen Gründen und als deutscher U21-Nationalspieler eine andere Entscheidung trifft. Das muss ich schon ganz klar sagen", sagte der Bundestrainer in einem Interview mit der "Welt".

Immerhin scheinen sich Löw und Zwanziger in dem Punkt einig zu sein, dass eine Entscheidung her muss. "Heute bin ich Iraner, morgen Deutscher, wie es mir passt, das wird nicht gehen", sagte Zwanziger und betonte, er wolle an das Verantwortungsgefühl des Nationalspielers appellieren. Als junger Mensch habe Dejagah allerdings auch das Recht, Fehler zu machen und hinzuzulernen. Das gilt in diesen Tagen hoffentlich auch für die DFB-Verantwortlichen.



© SPIEGEL ONLINE 2007
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.