Legendäre Fußballtrikots Schnaps, Kondome und Elefanten

In der Bundesliga war es 1973 ein Skandal, als Eintracht Braunschweig für Alkohol auf dem Trikot werben wollte. Ärger gab es auch wegen Kondomen. Das Magazin "11 FREUNDE" liefert weitere Beispiele für Streitereien um Fußballjerseys.


Als der Wolfenbütteler Likörfabrikant Günter Mast 1973 auf die bis dato blanke Brust der Kicker von Eintracht Braunschweig das Hirschgeweih seines Kräuterschnapses "Jägermeister" platzierte, sahen Kulturpessimisten den Untergang des fußballerischen Abendlandes gekommen. Die Trikotwerbung setzte sich jedoch in der merkantil gesinnten Bundesliga schnell als willkommene zusätzliche Einnahmequelle durch.

Braunschweiger Breitner: Alkoholwerbung im Fußball
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Braunschweiger Breitner: Alkoholwerbung im Fußball

Da der inzwischen sehr geschäftstüchtige DFB damals jedoch Trikotwerbung verbot, hatte Mast einen Trick anwenden müssen. Er machte sein Firmenlogo zum Vereinsenblem. Die Umbenennung des Clubs in "Jägermeister Braunschweig" gelang dem umtriebigen Spirituosen-Kaufmann jedoch nicht. 1987 untersagte der auf Anstand bedachte DFB dem saarländischen Bundesligisten FC Homburg die Kondomfirma "London" als Trikotsponsor. Die Werbung musste überdeckt werden. Der Club setzte sich jedoch später vor Gericht durch - fortan durften die Spieler unzensiert auftreten.

Als Rächer seiner im Zweiten Weltkrieg gedemütigten Landsleute war Ronald Koeman angeblich nach dem 2:1 gewonnenen Halbfinalspiel der EM 1988 gegen Deutschland unterwegs. "Das ist die Rache für mein von den Deutschen gestohlenes Fahrrad im Krieg", zitierten niederländische Journalisten eine offenbar schon etwas verwirrte alte Frau, nachdem Koeman mit dem von Olaf Thon ertauschten Trikot eine Stelle feucht durchgewischt hatte, an die sich sonst kein Sonnenlicht wagt.

Eine ähnliche Aktion wird auch dem Berliner Andreas "Zecke" Neuendorf nachgesagt. Er habe, so die Kolportage, ein Stuttgart-Trikot auf dem Platz zur symbolischen Intimhygiene benutzt und es anschließend "zerfetzt". Vor lauter Begeisterung japste der Berliner Mob nach Luft. Neuendorf dementiert: "Pfff, das ist doch absoluter Schwachsinn."

Einen überraschenden Sieger hatte die Expertise studierter Modedesigner. Die kürten nämlich Bayer Leverkusen zum diesjährigen Trikotmeister. "Szenig mit männlich-diabolischer Wirkung" sei das Bayer-Trikot, referierten die Experten. Rekordmeister Bayern dagegen steigt mit seinen in rot und weiß breit gestreiften "Zigarettenschachteln aus den achtziger Jahren" ins Unterhaus ab. Dahinter platziert sich lediglich noch Hertha BSC, die "brave Marinegruppe in Ausgehuniform".



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