Legendäre Spielerfrauen Angst vor Gaby Schuster und Co.

Fußballprofis wie Bernd Schuster oder Thomas Häßler fanden es anfangs praktisch: Die Gattin war auch Managerin. Später jedoch merkten sie, dass die eigenen Partnerinnen begannen, ihnen den Rang abzulaufen. Eine Spielerfrau legte sich sogar mit dem Bundestrainer an.

Von Christian Ewers


Martina Effenberg

Als sie noch mit Stefan Effenberg liiert war, fürchtete sich in Europa jeder Clubmanager vor ihr. Martina Effenberg war eine Meisterin im Feilschen, Vertragsverhandlungen mit ihr dauerten stets eine kleine Ewigkeit. Stefan Effenberg hingegen war in Geldsachen ganz entspannt. Über die Gespräche mit dem FC Bayern sagte er: "Ich habe auf dem Sofa gelegen, während meine Frau mit dem Vorstand verhandelt hat." Berühmt wurde Martina Effenberg bei der Weltmeisterschaft 1994 in den USA. Während ihr Gatte den eigenen Fans den Mittelfinger zeigte, stänkerte Martina Effenberg auf der Ehrentribüne und versuchte die anderen Spielerfrauen gegen Berti Vogts aufzubringen. Nach dem Rauswurf ihres Mannes bedankte sie sich öffentlich beim Bundestrainer für den vorzeitigen Urlaub.

Fotostrecke

4  Bilder
Doppelrolle: Spielerfrauen als Manager ihrer Ehegatten

Gaby Schuster
Die Ehefrau von Bernd Schuster darf sich rühmen, den Beruf Spielerfrau erfunden zu haben. 1980 sorgte sie dafür, dass der Europameister vom 1. FC Köln zum FC Barcelona wechselte und dort ein sensationelles Gehalt kassierte. 1993 brachte sie den Manager von Bayer Leverkusen, Reiner Calmund, an den Rand der Verzweiflung. "Ich hatte noch nie einen so harten Verhandlungspartner wie Frau Schuster", sagte Calmund nach Schusters Transfer von Atletico Madrid zu Bayer Leverkusen. Schuster selbst litt auch unter seiner mächtigen Frau. In Leverkusen trug er den Spitznamen "Pantoffelheld".

Bianca Illgner
Sie betrieb 1996 den überraschenden Wechsel ihres Ehemannes Bodo Illgner vom 1. FC Köln zu Real Madrid - und ließ dann nicht mehr von seiner Seite. 1997 brachte sie ihren Bodo ins Madrider Trainingslager und bezog nur wenige Kilometer davon entfernt Quartier. 1999 verdoppelte sie durch eine clevere Hinhaltetaktik bei der Vertragsverlängerung das Gehalt des ehemaligen Nationaltorhüters. Der SPIEGEL kommentierte einst: "Er hält Fußbälle, sie hält die Hand auf."

Beatrix Ivanauskas
Stürmer Valdas Ivanauskas durfte nach Lust und Laune Tore schießen, das schon. Nur wo - das bestimmte seine Frau Beatrix. 1997 war sie dafür verantwortlich, dass ihr Mann einen bereits unterzeichneten Vertrag beim VfL Wolfsburg wieder löste. Es war, gestand der Litauer später, die einzige Möglichkeit, seine Ehe zu retten. Denn Beatrix hatte der Anblick der grauen VW-Stadt derart erschüttert, dass sie lieber den Bund fürs Leben gelöst hätte, als dorthin zu ziehen. Ivanauskas sagte, vom Ehestreit erschöpft: "Ich fahre nie, nie, nie mehr nach Wolfsburg."

Angela Häßler
Vertragsverhandlungen im Auftrag ihres Gatten Thomas wusste Angela Häßler auch für sich zu nutzen. So soll sie 1990, beim Wechsel Häßlers zu Juventus Turin, ein eigenes Kosmetikstudio gefordert haben. Auch sonst nicht schüchtern, teilte sie gern aus. Sie nannte Lothar Matthäus eine "Pflaume", und 1999, als Dortmunds Trainer Michael Skibbe sich weigerte, Häßler ablösefrei zu 1860 München ziehen zu lassen, sagte sie: "Was der liebe Herr Skibbe plant, interessiert uns einen Scheißdreck."



© SPIEGEL ONLINE 2006
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.