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Legendäre Stadionfluchten Fahr schon mal den Leichenwagen vor

Raus, raus, raus! Wenn es im Stadion brenzlig wird, fliehen Fußballer und Schiedsrichter auch mal auf ungewöhnliche Weise. Andere zelebrieren dagegen ihren Abgang. "11FREUNDE"-Autor Alex Raack über die besten Abgänge - in S-Bahn, Unterhose oder Heißluftballon.


1 - Der ostwestfälische Provinzclub FC Gütersloh fuhr vor dem Pokalkracher gegen den VfB Stuttgart am 23. September 1989 ein großes Unterhaltungsprogramm auf. Mit Hilfe eines Caravans wurde ein Heißluftballon in den Mittelkreis gefahren, nach kurzer Aufwärmphase entschwebte die Besatzung unter tosendem Applaus aus dem Stadion. Anschließend herrschte jedoch Ratlosigkeit bei den Zurückgebliebenen im alten Heidewaldstadion. Hatte doch der Ballonführer eiskalt den Autoschlüssel mitgenommen. Die Gäste um Guido Buchwald und Fritz Walter mussten schließlich unter großem Gelächter des Gütersloher Publikums den falsch geparkten Pkw samt Anhänger vom Feld schieben.

2 - 1999 spielte der spätere Weltmeister Gianluigi Buffon noch für den FC Parma. Nach dem Pokaltriumph beim AC Florenz erschien es dem Keeper äußerst kompliziert, das Stadion zu verlassen, ohne von erzürnten Fiorentinern körperlich angegangen zu werden. Bis Buffon plötzlich eine Clownsmaske aus der Sporttasche hervorkramte, sich diese vor das Gesicht klemmte und unerkannt unter die enttäuschten Fans des AC Florenz mischte. Es war nicht das erste Mal, dass der heutige Juventus-Torwart auf ungewöhnliche Art das Stadion in Florenz verlassen musste: Einige Jahre zuvor ließ er sich im Kofferraum eines Freundes aus dem Betonkessel des AC kutschieren. Ebenfalls erfolgreich.

3 - Marios Lamboupulos, Schiedsrichter in der zweiten griechischen Liga, machte im März 2009 Bekanntschaft mit den heißblütigen Fans von Korfu. Weil der Unparteiische in der sechsten Minute der Nachspielzeit einen nicht ganz unberechtigten Elfmeter für den Gastclub Pas Ioannina gepfiffen hatte, wollte das Fanvolk dem guten Mann an den Kragen. Glück für den Schiri: Korfu-Boss Spiros Kallogiannis hatte zuvor bereits einen Leichenwagen in den Katakomben parken lassen. Versteckt hinter dicken Seidenvorhängen gelangte Lamboupulos aus dem Stadion. Die frustrierten Korfu-Fans vermöbelten stattdessen die Gästespieler.

4 - 2005, nach der 1:2-Niederlage im Achtelfinal-Hinspiel gegen den FC Barcelona in der Champions League, spekulierte der damalige Chelsea-Trainer José Mourinho unverblümt über die Parteilichkeit von Schiedsrichter Anders Frisk. Der beendete nach daraufhin folgenden Morddrohungen seine Karriere. Im Viertelfinale gegen die Bayern wurde Mourinho der Kontakt zu seinem Team verboten. Was der Portugiese angeblich listig umging: Obwohl strengstens untersagt, hatte er sich in der Kabine an der heimischen Stamford Bridge aufgehalten und soll, so die Legende, nach der Partie in einem Wäschereiwagen vor den Uefa-Funktionären aus dem Stadion geflohen sein.

5 - "Wann mein letztes Spiel endet, will ich selbst bestimmen", hatte Wolfgang Kleff noch im Frühsommer 1984 gesagt. Doch Präsident Bruno Recht von Fortuna Düsseldorf entschied anders. Der Torwart musste sein Abschiedsspiel am 20. Mai 1984 gegen Waldhof Mannheim absolvieren. Kleff, ganz Profi, täuschte in der 74. Minute eine Zerrung vor, drehte eine Ehrenrunde, warf Trikot und Handschuhe ins Publikum, um schließlich vor der Haupttribüne ganz blank zu ziehen und Clubboss Recht mit dem nackten Hinterteil zu grüßen. Anschließend entschwand Kleff aus dem Stadion. In Unterhose.

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insgesamt 2 Beiträge
jacknife 04.01.2010
Was ist mir Kevin Kuranyi am 11.10.2008 beim Länderspiel gegen Russland? Er floh zwar nicht im Leichenwagen, gab aber einen begehrten Tribünenplatz (zumindest für Fans der Nationalelf) auf. Meiner Meinung nach durchaus [...]
Was ist mir Kevin Kuranyi am 11.10.2008 beim Länderspiel gegen Russland? Er floh zwar nicht im Leichenwagen, gab aber einen begehrten Tribünenplatz (zumindest für Fans der Nationalelf) auf. Meiner Meinung nach durchaus erwähnenswert.
fayence 04.01.2010
Das Problem mit dem ohne Zündschlüssel zurückgelassenen Heißballon-Transporter scheint ein spezifisch ostwestfälisches Phänomen zu sein. Ich selbst erinnere mich an ein Fußballspiel, das Ende der 70er/Anfang der 80er Jahre in [...]
Das Problem mit dem ohne Zündschlüssel zurückgelassenen Heißballon-Transporter scheint ein spezifisch ostwestfälisches Phänomen zu sein. Ich selbst erinnere mich an ein Fußballspiel, das Ende der 70er/Anfang der 80er Jahre in Bielefeld war. Wer spielte? Keine Ahnung mehr, möglichwerweise der HSV. Da jedenfalls blieb nach Ballonstart auch der Wagen zurück. Kommt das häufiger vor? Oder haben die Gütersloher einfach eine gute Idee kopiert?
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Nr. 98 - Januar 2010

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