Bayer-Spieler Castro: Besser spät als nie

Von Jan Reschke

Die bislang so starke Saison von Leverkusen hat einen Grund: Gonzalo Castro. Der 25-Jährige ruft derzeit konstant sein gewaltiges Leistungspotential ab. Für eine Nominierung bei Joachim Löw wird es wohl trotzdem nicht reichen - obwohl Castro auf der Problemposition im Nationalteam helfen könnte.

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Leverkusener Profi Castro: Konstant auf hohem Niveau

Stefan Kießling hat es nicht leicht. Beinahe an jedem Bundesliga-Wochenende trifft der Stürmer von Bayer Leverkusen in das Tor des Gegners. Doch ebenso regelmäßig bleibt sein Telefon stumm, wenn es um die Nominierungen für den Kader der Nationalmannschaft geht. Selbst wenn gar kein Mittelstürmer zur Verfügung steht wie zuletzt gegen die Niederlande, verzichtet Bundestrainer Joachim Löw auf Kießling, was zunehmend für Verwunderung sorgt. Häufig wird dabei vergessen, dass Kießling einen Leidensgenossen im eigenen Team hat, der diese Situation schon viel länger kennt: Gonzalo Castro.

Wurde Kießling seit 2010 nicht mehr in den Kreis der Nationalmannschaft berufen, so wartet Castro schon seit 2007. Fünf lange Jahre. Fünf Jahre, in denen die Nationalmannschaft mal links, mal rechts in der Viererabwehrkette Probleme plagen - je nachdem, wo Kapitän Philipp Lahm gerade einmal nicht aufläuft. Castro kann wie Lahm beide Positionen spielen und ist in dieser Saison einer der überragenden Spieler bei Bayer. Gegen Schalke (18.30 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) will er dafür sorgen, dass sein so stark in die Saison gestartetes Team noch weiter nach oben kommt als auf den bisherigen fünften Platz.

Castro erzielte bislang drei Tore und gab zwei Assists, doch nicht allein das macht ihn derzeit so wertvoll. Vielmehr ist es die Konstanz, die er gewonnen hat. Hätte er solche Leistungen in den vergangenen Jahren häufiger gezeigt, der DFB hätte wohl einen Stammspieler auf der Außenverteidigerpositionen mehr. Castro galt schon immer als einer mit herausragenden Anlagen - aber auch als einer, der dieses Potential zu selten abruft.

In dieser Saison kam er ausschließlich im Mittelfeld zum Einsatz

Nicht so in dieser Saison, da überzeugte Castro bislang regelmäßig. Löw wird ihn wohl dennoch nicht nominieren, denn der 25-Jährige kommt momentan nicht in der Abwehr zum Einsatz. Weil er so vielseitig ist, dass er beinahe jede Position bis auf die im Tor ausfüllen kann, lief er in dieser Saison ausschließlich im Mittelfeld auf. Mal weiter vorne, mal weiter hinten, nur nicht mehr auf den Außenverteidigerpositionen. Auch gegen Schalke wird er wohl im Mittelfeld zum Einsatz kommen. Und da ist die Nationalmannschaft gut besetzt. Zu gut besetzt.

Vielleicht bereut es Castro mittlerweile, sich seinerzeit für den DFB entschieden zu haben. Seine Mutter stammt aus dem katalanischen Gerona, er hätte also auch für die spanische Nationalmannschaft spielen können. Die ist in der Zeit, in der Castro stets Urlaub hatte, zweimal Europa- und einmal Weltmeister geworden.

Im November 2005 entschied sich Castro nach der, wie er sagte, "schwierigsten Entscheidung meines bisherigen Lebens", für Deutschland. Nicht zuletzt, weil es damals für ihn schien, dass es "schwerer wäre, von Deutschland aus in die spanische Nationalmannschaft zu kommen". Der deutsche Fußball genoss zu dieser Zeit international nicht mehr viel Respekt und brauchte junge, talentierte Kräfte wie Castro, um das Image des Rumpelfußballs abzuschütteln.

Seine Entscheidung machte sich zunächst bezahlt, Castro wurde nominiert. Zunächst für die U21. Später für die A-Nationalmannschaft. Doch dort bekam er nach fünf Länderspieleinsätzen bis heute keine Bewährungschance mehr.

Auch in diesem Punkt hat Kießling ihm etwas voraus - er wurde sechsmal berufen.

Die voraussichtlichen Aufstellungen:
Leverkusen: Leno - Carvajal, Wollscheid, Toprak, Boenisch - L. Bender, Reinartz, Rolfes - Castro, Schürrle - Kießling
Schalke: Unnerstall - Höwedes, K. Papadopoulos, Matip, Fuchs - Neustädter, J. Jones - Farfan, Holtby, Draxler - Huntelaar

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insgesamt 6 Beiträge
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1. Wäre perfekt
guntalk 17.11.2012
Er kann auf der 6 spielen auf den Flügeln und als Außenverteidiger beide Seiten besetzten.
2. optional
Xangod 17.11.2012
Würde noch Rudi Völler Nationaltrainer sein oder würde er bei den Bayern spielen...und Löw erzählt immer, bei ihm würde nur die Leistung zählen. Das ist natürlich Quatsch...
3. Und?
Taske 17.11.2012
Zitat von sysopDie bislang so starke Saison von Leverkusen hat einen Grund: Gonzalo Castro. Der 25-Jährige ruft derzeit konstant sein gewaltiges Leistungspotential ab. Für eine Nominierung bei Joachim Löw wird es wohl trotzdem nicht reichen - obwohl Castro auf der Problemposition im Nationalteam helfen könnte. Leverkusens Gonzalo Castro in toller Form - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/sport/fussball/leverkusens-gonzalo-castro-in-toller-form-a-867798.html)
Ist doch egal für wenn Herr Castro NICHT spielt. Unterm Strich reicht es eben weder für die spanische, noch die DFB-Auswahl. Ebenso leidig ist die ewige Kiesling-Diskussion. Ja, er trifft, aber nur wenn er angeschossen wird, oder den Ball in die Kiste stolpern kann. Die Auswahl seiner Slapstick-haften Fehlschüsse ist Legion. Fußballerisch ist er nunmal um längen schwächer als ein Klose.
4. Castro!
Bhigr 17.11.2012
Ich habe ja schon vor ein paar Tage in einem Forenbeitrag nach Castro gerufen. Er wäre eine hervorragende Option für die Position des Außenverteidigers. Wir brauchen im Sturm einen richtigen Knipser, das ist Kiesling. Zauberer haben wir genügend im Team. Wenn Klose oder Gomez zur nächsten WM nicht in Form oder verletzt seine sollten, dann haben wir niemanden auf der Position des Mittelstürmers. Und kommt mir nicht mit Poldi, Reus... das sind alles Flügelstürmer oder Konterstürmer. Ich meine jemanden, der sich im Strafraum richtig wohl fühlt; der auch körperlich gut dagegen halten kann; ja auch solche Spieler braucht man, wenn man nicht in Schönheit sterben möchte.
5. immer wieder und überall
Zeittotschläger 18.11.2012
Castro ist kein Außenverteidiger. Für Leverkusen hat er nur sehr wenige Spiele auf dieser Position bestritten, meistens aus der Not heraus. Wirklich überzeugen konnte er dabei nie, sonst hätte sein Club auch nicht so viele Außenverteidiger ausprobiert in den letzten Jahren. Mittlerweile spielt er eine Art Außenstürmer, neben Schürrle und Kießling als einer der wenigen Offensivspieler der Mannschaft. Wieso sollte ihn das befähigen, die wichtigen Defensivaufgaben in der vielleicht zweitbesten Mannschaft der Welt (NM) zu übernehmen? Dass so ein Vorschlag von den etwas weniger informierten Foristen und den ewigen Löw-Nörglern kommt, kann ich verstehen, aber warum müssen die Sportjournalisten dieses Landes diese These immer wieder befeuern? Es würde reichen sich eine der zahlreichen Antworten von Löw zu diesem Thema rauszusuchen. Noch abstruser finde ich dann den Verweis zur spanischen NM. Wen hätte Castro dort verdrängen sollen? Pedro, Xavi, Iniesta? Selbst in den U-Mannschaften hätte er in Spanien wohl keine Chance gehabt. Das alles soll seine Leistungen in letzter Zeit gar nicht schmälern, nur reicht es eben nicht für ganz oben und erst recht nicht auf seiner fünf- oder sechstbsten Position. Ebenso häufig wird Kießling von den Hobbybundestrainer gefordert. Ein Stürmer wird an seinen Toren gemessen, ja, aber dabei geht es nicht nur um die Quantität, sondern auch die Qualität. Kießling schießt zwar viele Tore, viele passieren aber eher zufällig. Gegen die ganz Großen reicht das jedoch nicht (es sei denn sein direkter Gegenspieler heißt Lahm ; ). Eine weitere Parallele zu Gomez ist sein unzureichendes Kombinationsspiel. Eine Rückkehr in die NM ist dennoch nicht ausgeschlossen, wie Löw gerade erst betonte, wäre aber beim Spiel gegen die Niederlande der falsche Zeitpunkt gewesen. Für einen Spieler, der so lange nicht dabei war, reicht eine einzige Trainingseinheit vor dem Spiel keinesfalls aus. Es war viel sinnvoller (sofern man das von diesem Testspiel überhaupt behaupten kann), die taktische Variante des "falschen Neuners" auszuprobieren und zwar mit Spielern, die schon etwas eingespielter sind. Ich hoffe, ich konnte hiermit einige Missverständnisse ausräumen und lese in Zukunft realistischere Vorschläge zur Behebung der Schwachstellen in der NM.
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