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05. Februar 2013, 16:50 Uhr

BVB-Stürmer

Lewandowski vor Einigung mit Bayern München

Von Rafael Buschmann

Freude in München, Frust in Dortmund: Topstürmer Robert Lewandowski wird die Borussia aller Voraussicht nach schon im Sommer verlassen und zum Erzrivalen nach München wechseln. Spieler und Club sollen sich einig sein, nun geht es um eine Ablösesumme in Millionenhöhe.

Robert Lewandowski reagiert, wie sonst vor dem gegnerischen Tor: Gefragt zu seinem bevorstehenden Wechsel zum FC Bayern München sagt er ohne einen Hauch von Aufregung: "Ich werde dazu nichts sagen. Ich bin nur Spieler und habe noch einen laufenden Vertrag." Während sich der Ausnahmestürmer bedeckt hält, sickern hinter den Kulissen immer mehr Details des vielleicht größten Transfers dieses Sommers durch.

"Wir sind uns mit dem Spieler so gut wie einig. Jetzt beginnen aber erst die Verhandlungen mit dem BVB", sagt einer, der beste Drähte in die Vorstandsetage des FC Bayern München besitzt. Demnach soll eine grundsätzliche Einigung zwischen dem Spieler, dessen Vertrag beim BVB im Sommer 2014 ausläuft, und dem Rekordmeister bereits im vergangenen Jahr stattgefunden haben. SPIEGEL ONLINE hatte damals über ein Interesse der Münchner an Lewandowksi berichtet.

Aus München ist nun zu hören, dass Lewandowski ein Wunschspieler des neuen Bayern-Trainers Pep Guardiola sein soll. Dieser schätze an dem polnischen Nationalspieler vor allem seine Übersicht und Ballbehandlung. In einem passstarken Spielsystem sei es für Guardiola wichtig, einen Stürmer zu haben, der die Bälle, die aus dem Mittelfeld kommen, halten und auch verteilen kann. Dies beherrscht Lewandowski wie kaum ein anderer Stürmer. Selbst in den beiden Champions-League-Gruppenspielen gegen Real Madrid behauptete er sich mit Bravour gegen das knallharte Innenverteidiger-Duo der Königlichen, Sergio Ramos und Pepe.

Doch dass der Stürmer tatsächlich schon im kommenden Sommer aus dem Ruhrpott an die Isar wechseln könnte, ist entgegen eines Berichtes des spanischen Sportportals todomercadoweb.es noch keineswegs fix: Vielmehr sieht BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke einem möglichen Verkauf Lewandowskis gelassen entgegen, denn bislang habe er mit keinem Bayern-Verantwortlichen über einen Transfer von Lewandowski gesprochen.

Dortmunder Führung will über Verkauf beraten

Dass die Münchner den Stürmer aber verpflichten wollen, kann sich Watzke sehr gut vorstellen. Dafür spreche schon allein die konstant gute Leistung des Angreifers. Sollten die Bayern tatsächlich ein Angebot für den Stürmer abgeben, würde Watzke gemeinsam mit BVB-Manager Michael Zorc und Borussias Trainer Jürgen Klopp beraten. Dabei gilt es zu klären, ob man noch eine hohe Ablösesumme für den Polen kassieren möchte oder mit ihm gemeinsam die kommende Champions-League-Saison bestreitet und ihn danach ablösefrei ziehen lässt.

Lewandowski gilt für den BVB als einer der wichtigsten Faktoren für das diesjährige Erreichen der Champions-League-Hauptrunde, das der Borussia einen zweistelligen Millionenbetrag bescherte. Sollte das dem BVB mit Lewandowski in der kommenden Spielzeit erneut gelingen, wäre der mögliche Verlust einer Ablösesumme relativiert. Doch dafür muss die Borussia den finanziellen Verlockungen aus München erst einmal widerstehen.

Die Münchner Bemühungen um Robert Lewandowski begannen nach Informationen von SPIEGEL ONLINE bereits vor knapp einem Jahr. Im Januar 2011 sagte Präsident Uli Hoeneß in einem Interview mit der "Süddeutschen Zeitung", sein Verein werde sich um eine "richtige Bombe" für den Sturm bemühen. Der damalige Sportchef Christian Nerlinger soll demnach den Auftrag erhalten haben, Lewandowski aus Dortmund wegzulocken. Der BVB soll damals allerdings mit einem unmissverständlichen Veto jegliche Form von Verhandlungen unterbunden haben, so dass Nerlinger erfolglos blieb.

Dementi von allen Seiten

Bayern-Präsident Uli Hoeneß, der in seiner Zeit als Manager einer der aggressivsten Verhandlungspartner war und die direkte Konkurrenz gerne mit dem Abwerben von Leistungsträgern schwächte, soll sich darüber sehr geärgert haben. Die aktuellen Verhandlungen, die federführend Karl-Heinz Rummenigge geleitet haben soll, verliefen nicht nur aufgrund Lewandowskis verkürzter Vertragslaufzeit deutlich unproblematischer.

Auch die Protagonisten der beiden Seiten sollen sich von vornherein bestens verstanden haben. Was nicht zuletzt daran gelegen haben soll, dass Lewandowski sowie dessen Berater Cesary Kucharski und Maik Barthel im Verhältnis zu den für Lewandowski eingegangenen Angeboten aus England und Italien auf sehr viel Gehalt verzichtet haben sollen, um den Wechsel nach München zu forcieren.

"Wir kommentieren keine Spekulationen. So haben wir es auch in den vergangenen Monaten gehandhabt. Zudem sind wir ja gar nicht berechtigt, irgendetwas zu entscheiden. Robert hat noch fast eineinhalb Jahre Vertrag in Dortmund", erklärt Eurosportsmanagement, Lewandowskis Berateragentur, auf Anfrage von SPIEGEL ONLINE.

Auch der BVB erklärt in einer offiziellen Stellungnahme, es gäbe "keinen neuen Stand bezüglich der Personalie Robert Lewandowski. Außerdem kommentieren wir keine Gerüchte egal welcher Art." Der FC Bayern München äußerte sich auf Anfrage von SPIEGEL ONLINE nicht.

Das Ablösegerangel zwischen den beiden wichtigsten deutschen Vereinen um einen der begehrtesten Stürmer der Welt ist noch lange nicht beendet. Aber nun wohl offiziell eröffnet.

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