Lienen zu Hitlergruß-Eklat: "Eine wahnsinnige Dummheit"

Hitlergruß-Eklat: Geschmacklose Geste in Athen Fotos
REUTERS

Der griechische Fußballer Giorgos Katidis bejubelte sein Tor mit einem Hitlergruß. Im Interview verurteilt sein Trainer Ewald Lienen die Tat und spricht über die vorherigen Aussetzer des 20-Jährigen, kritisiert aber dessen Verbannung aus dem Nationalteam.

Frage: Herr Lienen, ihr Spieler beim AEK Athen, Giorgos Katidis, hat am Wochenende beim Torjubel den Hitlergruß gezeigt. Was hat ihn geritten?

Lienen: Ich habe das im Spiel nicht gesehen, es ist abseits meines Blickfelds passiert. Als mir das einer unserer Betreuer gesagt hat, war ich entsetzt und schockiert. Ich konnte es kaum glauben, solch eine wahnsinnige Dummheit.

Frage: War die Geste rechtsextrem motiviert?

Lienen: Ich habe ihn geschützt, weil ich glaube, dass er keinen politischen Hintergrund hat. Das finde ich total weit hergeholt. Unser Verein ist antifaschistisch orientiert, die Fans gehen vollkommen auf die Barrikaden.

Frage: Hat Katidis nicht nachgedacht?

Lienen: Giorgos hat schon sehr, sehr viele Fehler gemacht, er lebt völlig in seiner eigenen Welt. Er hatte eine komplizierte Kindheit. Er war hier bereits respektlos, arrogant, anmaßend. Aber so etwas ist noch nicht passiert. Nun zahlt er bitterlich dafür.

Frage: Hat Griechenland ein Problem mit Rechtsextremismus?

Lienen: Die Situation ist supersensibel hier, die Rechtsextremisten haben viele Stimmen bekommen. Die Politik hat versagt, wie überall in Europa. Dass sich ganz Griechenland auf den Jungen stürzt, ist aber überzogen und geht an den wahren Problemen vorbei.

Frage: Wie haben Sie nach dem Spiel reagiert?

Lienen: Auf der Pressekonferenz war fast nur dieser Vorfall das große Thema. Dass ein Spieler, der bewusst rechtsextreme Tendenzen und Gesten zeigt, bei uns im Fußball nichts verloren hat und schon gar nicht bei AEK Athen, steht absolut außer Frage.

Frage: Hat Katidis bei AEK eine Zukunft?

Lienen: Ich glaube, das Thema für ihn ist hier erledigt. Wir kommen nicht drum herum, ihn rauszulassen. Die Tendenz geht klar Richtung Suspendierung für einige Wochen, und dann wird er sich im Sommer voraussichtlich einen neuen Verein suchen müssen.

Frage: Katidis wurde lebenslang für alle Nationalmannschaften gesperrt. Ist das angemessen?

Lienen: Der Junge hat eine ganz große Lektion verdient, aber was da jetzt passiert, geht zu weit. Das war selbstverständlich eine Beleidigung für die Opfer des Nationalsozialismus. Aber ich glaube, er hat es nicht bewusst gemacht.

Das Interview führte der Sportinformationsdienst

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insgesamt 49 Beiträge
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1. Nicht so wichtig nehmen
mundi 17.03.2013
Zitat von sysopDer griechische Fußballer Giorgos Katidis bejubelte sein Tor mit einem Hitlergruß. Im Interview veurteilt sein Trainer Ewald Lienen die Tat und spricht über die vorherigen Aussetzer des 20-Jährigen, kritisiert aber dessen Verbannung aus dem ....
Solche Handlungen, einen dummen Streich so schwer zu bestrafen, spielen eher den Neonazis in die Hände. Man nimmt diese Dinge viel zu wichtig und sorgt unfreiwillig für Aufmerksamkeit. Wenn überhaupt Strafe: Gemeinnützige Arbeit als Buße würde genügen.
2. Geschieht Ihm ganz recht
levy_izhak 17.03.2013
Aber so wie man die Zuverlässigkeit der griechischen Entscheider kennt wird zurückgerudert sobald seine Unterstützung benötigt wird.
3. Ewald Lienen
to5824bo 17.03.2013
Zitat von sysopDer griechische Fußballer Giorgos Katidis bejubelte sein Tor mit einem Hitlergruß. Im Interview veurteilt sein Trainer Ewald Lienen die Tat und spricht über die vorherigen Aussetzer des 20-Jährigen, kritisiert aber dessen Verbannung aus dem Nationalteam. Lienen äußert sich zum Hitlergruß-Eklat - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/sport/fussball/lienen-aeussert-sich-zum-hitlergruss-eklat-a-889383.html)
Ewald Lienen war schon als Spieler ein politisch sensibler und engagierter Mann mit linker Ausrichtung. Kaum einem anderen Fußballtätigen traue ich zu, diesen Vorfall sachgerecht zu beurteilen. Und persönlich meine ich: Einen spürbaren Denkzettel sollte der Spieler kriegen. Aber keinem 20jährigen sollte wegen einer solchen Dummheit (oder wie immer man es nennen mag) die Karriere verhagelt werden.
4.
ole1234560 17.03.2013
geschieht ihm völlig recht...einem professionellen Spieler darf sowas nicht 'passieren'!lebenslange sperre ist vollkommen berechtigt!
5. Wirkliche Reue
Danares 17.03.2013
... könnte er demonstrieren, indem er einer wohltätigen Organisation, die sich um Nazi-Opfer kümmert, eine ordentliche Spende zukommen lässt. Das wäre ein Zeichen, daß er wirklich unwissentlich gehandelt hat.
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