Frage: Herr Lienen, ihr Spieler beim AEK Athen, Giorgos Katidis, hat am Wochenende beim Torjubel den Hitlergruß gezeigt. Was hat ihn geritten?
Lienen: Ich habe das im Spiel nicht gesehen, es ist abseits meines Blickfelds passiert. Als mir das einer unserer Betreuer gesagt hat, war ich entsetzt und schockiert. Ich konnte es kaum glauben, solch eine wahnsinnige Dummheit.
Frage: War die Geste rechtsextrem motiviert?
Lienen: Ich habe ihn geschützt, weil ich glaube, dass er keinen politischen Hintergrund hat. Das finde ich total weit hergeholt. Unser Verein ist antifaschistisch orientiert, die Fans gehen vollkommen auf die Barrikaden.
Frage: Hat Katidis nicht nachgedacht?
Lienen: Giorgos hat schon sehr, sehr viele Fehler gemacht, er lebt völlig in seiner eigenen Welt. Er hatte eine komplizierte Kindheit. Er war hier bereits respektlos, arrogant, anmaßend. Aber so etwas ist noch nicht passiert. Nun zahlt er bitterlich dafür.
Frage: Hat Griechenland ein Problem mit Rechtsextremismus?
Lienen: Die Situation ist supersensibel hier, die Rechtsextremisten haben viele Stimmen bekommen. Die Politik hat versagt, wie überall in Europa. Dass sich ganz Griechenland auf den Jungen stürzt, ist aber überzogen und geht an den wahren Problemen vorbei.
Frage: Wie haben Sie nach dem Spiel reagiert?
Lienen: Auf der Pressekonferenz war fast nur dieser Vorfall das große Thema. Dass ein Spieler, der bewusst rechtsextreme Tendenzen und Gesten zeigt, bei uns im Fußball nichts verloren hat und schon gar nicht bei AEK Athen, steht absolut außer Frage.
Frage: Hat Katidis bei AEK eine Zukunft?
Lienen: Ich glaube, das Thema für ihn ist hier erledigt. Wir kommen nicht drum herum, ihn rauszulassen. Die Tendenz geht klar Richtung Suspendierung für einige Wochen, und dann wird er sich im Sommer voraussichtlich einen neuen Verein suchen müssen.
Frage: Katidis wurde lebenslang für alle Nationalmannschaften gesperrt. Ist das angemessen?
Lienen: Der Junge hat eine ganz große Lektion verdient, aber was da jetzt passiert, geht zu weit. Das war selbstverständlich eine Beleidigung für die Opfer des Nationalsozialismus. Aber ich glaube, er hat es nicht bewusst gemacht.
Das Interview führte der Sportinformationsdienst
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