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20. Juni 2011, 17:06 Uhr

Liga-Übertragung

Kartellamt macht Weg frei für Internet-Zusammenfassung

Die ARD-"Sportschau" steht auf der Kippe: Das Bundeskartellamt hat am Montag im Zuge der Vergabe der Bundesliga-Fernsehrechte den Weg für eine Spieltagszusammenfassung im Internet ab der Saison 2013/2014 freigemacht. Große Internet-Player signalisierten bereits Interesse.

Hamburg - Die Deutsche Fußball Liga (DFL) darf die Bundesliga-Medienrechte wohl auch ab der Spielzeit 2013/14 zentral vermarkten. In einer ersten Bewertung hat das Bundeskartellamt der DFL signalisiert, dass sie ihre Exklusivrechte behält. Es gebe keine grundsätzlichen Bedenken, bestätigte das Kartellamt.

Die DFL will zusätzlich zum aktuellen Modell ein neues Verwertungsszenario ausschreiben, das samstags eine frühe Highlight-Sendung der Bundesliga statt im Fernsehen über das Internet und für mobile Endgeräte vorsieht. Der Weg dorthin scheint nun frei. Die DFL will bis Ende 2011 eine "Ausschreibung mit mindestens zwei wettbewerbsfördernden Verwertungsszenarien" umsetzen.

Ziel ist vor allem, mit dem Alternativmodell einer Zusammenfassung im Internet dem Pay-TV-Partner Sky mehr Exklusivität und der Liga damit mehr Geld als die bislang 412 Millionen Euro pro Jahr zu sichern. Die ARD zahlt aktuell für die "Sportschau" 75 Millionen Euro im Jahr. Um erneut an die Rechte zu kommen, muss die ARD in Zukunft wohl deutlich tiefer in die Tasche greifen.

"Es geht nicht darum, Sendungen abzuschaffen"

Zuletzt hatte der Internet-Konzern Yahoo Interesse an einer Spieltagszusammenfassung im Internet bekundet. Anstelle der Free-TV-Highlight-Verwertung in der ARD samstags um 18.30 Uhr könnte bei diesem Modell ab der Saison 2013/2014 eine Art Web-"Sportschau" um 19 Uhr den frei empfangbaren Markt bedienen. Im Free-TV soll die Zusammenfassung des Spieltags dann erst ab 21.45 Uhr zu sehen sein.

Durch das geplante neue Ausschreibungsmodell ist vor allem die ARD-"Sportschau" am frühen Samstagabend gefährdet, die derzeit die Erstverwertungsrechte im frei empfangbaren Fernsehen hält. Bei der Neu-Ausschreibung "geht es dem Liga-Verband keineswegs darum, bestimmte Sendungen abzuschaffen", sagte Liga-Präsident Reinhard Rauball. "Bei der Rechtevergabe wird die Liga wie schon in den vergangenen Jahren nach einem Weg suchen, wirtschaftliche Notwendigkeiten mit den Interessen von mehr als 30 Millionen Fußball-Fans in Deutschland bestmöglich miteinander zu vereinbaren", so Rauball.

Bei der ARD und den angeschlossenen Funkhäusern stößt die Idee einer späten Highlight-Sendung auf wenig Begeisterung. "Die Bundesliga ist nach 20 Uhr bereits einmal grandios gefloppt, und sie wird wieder floppen. Aber nicht in der ARD, denn daran haben wir kein Interesse", sagte Steffen Simon, als WDR-Chef verantwortlich für die "Sportschau". Ohnehin würde der Zuschauer laut Simon eine Internet-Zusammenfassung nicht annehmen: "Die User haben gelernt, im Internet kleine Video-Schnipsel zu gucken, wann immer sie wollen. Bislang haben sie es aber nicht gelernt, sich zu einer bestimmten Zeit für einen Live-Stream vor den Rechner zu setzen."

"Wir akzeptieren die Entscheidung des Kartellamtes und stellen uns dem Wettbewerb", sagte Sportkoordinator Axel Balkausky. "Wir sind dennoch guter Dinge. Es gibt eine Menge guter Argumente, dass die Zukunft der Bundesliga mit der 'Sportschau' verbunden bleibt."

luk/dapd/sid/dpa

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