Liga-Übertragung: Kartellamt macht Weg frei für Internet-Zusammenfassung

Die ARD-"Sportschau" steht auf der Kippe: Das Bundeskartellamt hat am Montag im Zuge der Vergabe der Bundesliga-Fernsehrechte den Weg für eine Spieltagszusammenfassung im Internet ab der Saison 2013/2014 freigemacht. Große Internet-Player signalisierten bereits Interesse.

ARD-Kamera im Stadion: Ab der Saison 2013/2014 die Highlights zuerst im Internet? Zur Großansicht
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ARD-Kamera im Stadion: Ab der Saison 2013/2014 die Highlights zuerst im Internet?

Hamburg - Die Deutsche Fußball Liga (DFL) darf die Bundesliga-Medienrechte wohl auch ab der Spielzeit 2013/14 zentral vermarkten. In einer ersten Bewertung hat das Bundeskartellamt der DFL signalisiert, dass sie ihre Exklusivrechte behält. Es gebe keine grundsätzlichen Bedenken, bestätigte das Kartellamt.

Die DFL will zusätzlich zum aktuellen Modell ein neues Verwertungsszenario ausschreiben, das samstags eine frühe Highlight-Sendung der Bundesliga statt im Fernsehen über das Internet und für mobile Endgeräte vorsieht. Der Weg dorthin scheint nun frei. Die DFL will bis Ende 2011 eine "Ausschreibung mit mindestens zwei wettbewerbsfördernden Verwertungsszenarien" umsetzen.

Ziel ist vor allem, mit dem Alternativmodell einer Zusammenfassung im Internet dem Pay-TV-Partner Sky mehr Exklusivität und der Liga damit mehr Geld als die bislang 412 Millionen Euro pro Jahr zu sichern. Die ARD zahlt aktuell für die "Sportschau" 75 Millionen Euro im Jahr. Um erneut an die Rechte zu kommen, muss die ARD in Zukunft wohl deutlich tiefer in die Tasche greifen.

"Es geht nicht darum, Sendungen abzuschaffen"

Zuletzt hatte der Internet-Konzern Yahoo Interesse an einer Spieltagszusammenfassung im Internet bekundet. Anstelle der Free-TV-Highlight-Verwertung in der ARD samstags um 18.30 Uhr könnte bei diesem Modell ab der Saison 2013/2014 eine Art Web-"Sportschau" um 19 Uhr den frei empfangbaren Markt bedienen. Im Free-TV soll die Zusammenfassung des Spieltags dann erst ab 21.45 Uhr zu sehen sein.

Durch das geplante neue Ausschreibungsmodell ist vor allem die ARD-"Sportschau" am frühen Samstagabend gefährdet, die derzeit die Erstverwertungsrechte im frei empfangbaren Fernsehen hält. Bei der Neu-Ausschreibung "geht es dem Liga-Verband keineswegs darum, bestimmte Sendungen abzuschaffen", sagte Liga-Präsident Reinhard Rauball. "Bei der Rechtevergabe wird die Liga wie schon in den vergangenen Jahren nach einem Weg suchen, wirtschaftliche Notwendigkeiten mit den Interessen von mehr als 30 Millionen Fußball-Fans in Deutschland bestmöglich miteinander zu vereinbaren", so Rauball.

Bei der ARD und den angeschlossenen Funkhäusern stößt die Idee einer späten Highlight-Sendung auf wenig Begeisterung. "Die Bundesliga ist nach 20 Uhr bereits einmal grandios gefloppt, und sie wird wieder floppen. Aber nicht in der ARD, denn daran haben wir kein Interesse", sagte Steffen Simon, als WDR-Chef verantwortlich für die "Sportschau". Ohnehin würde der Zuschauer laut Simon eine Internet-Zusammenfassung nicht annehmen: "Die User haben gelernt, im Internet kleine Video-Schnipsel zu gucken, wann immer sie wollen. Bislang haben sie es aber nicht gelernt, sich zu einer bestimmten Zeit für einen Live-Stream vor den Rechner zu setzen."

"Wir akzeptieren die Entscheidung des Kartellamtes und stellen uns dem Wettbewerb", sagte Sportkoordinator Axel Balkausky. "Wir sind dennoch guter Dinge. Es gibt eine Menge guter Argumente, dass die Zukunft der Bundesliga mit der 'Sportschau' verbunden bleibt."

luk/dapd/sid/dpa

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insgesamt 53 Beiträge
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1. die liga kriegt den hals nicht voll ...
hamkon1 20.06.2011
... und das nervt allmählich. freitagsspiele, samstags-"top"-spiele, zwei sonntagsspiele, und jetzt eine internet-sportschau. hauptsache, die kasse quillt über. welcher fan soll diese volten denn noch mitschlagen? ich gehe demnächst nur noch zu meinen ehrlichen zweitligaverein ins stadion und schaue mir liga-fußball gar nicht mehr auf bildschirmen an. dann können sich die herren bei der DFL ihre sky-/yahoo/ARD/ZDF/sport1-stückelei getrost sonstwohin expedieren.
2. Tschüss.
Hans aus Jena 20.06.2011
Die ARD sollte sich von der 1. Bundesliga verabschieden. Zur Erinnerung: Als Kirch mit SAT 1 pleite ging, war es gerade recht, dass die ARD einsprang, um den Vereinen das Geld zu sichern. Danach durfte das öffentlich-rechtliche Fernsehen immer tiefer in die Tasche greifen, und hat es im Quotenwahn auch mitgemacht. Die Liga ist mittlerweile eine rein privatwirtschaftliche Angelegenheit. Soll sie sich das Geld dann auch in der Privatwirtschaft, sprich Privatfernsehen holen und nicht mehr beim Gebührenzahler. Und bei einer Pleite in Zukunft auch nicht mehr auf öffentliche Unterstützung hoffen.
3. eigene Fußballliga gründen!
syracusa 20.06.2011
Zitat von sysopDer ARD-"Sportschau" steht auf der Kippe: Das Bundeskartellamt hat am Montag im Zuge der Vergabe der Bundesliga-Fernsehrechte den Weg für eine*Spieltagszusammenfassung im*Internet ab der Saison 2013/2014*freigemacht. Große Internetplayer signalisierten bereits Interesse. http://www.spiegel.de/sport/fussball/0,1518,769442,00.html
Die ARD sollte zusammen mit dem ZDF ganz einfach eine eigene Liga gründen. DLF & Co übersehen nämlich ein fundamentales Prinzip: Stars und Sensationen entstehen nicht durch Leistung, sondern durch Bildschirmpräsenz. Und die schaffen immer noch die Medien, und sie können sie, wenn sie nur wollen, auch kontrollieren.
4. Na ja
seduro34 20.06.2011
Der Krug geht so lange zum Brunnen bis er bricht. Eine "Web-Sportschau" für den "frei empfangbaren Markt". Wer´s glaubt wird seelig. Da werden sich einige Anbieter die Verwertungsrechte sichern. Aber bitte sollen sie, mir ist es egal. Ich kann mir die Zusammenfassung auch noch später anschauen. So langsam gehen diese Berichterstattungen wirklich ins Bodenlose. Ich fühle mich in der ersten Reihe beim Zuschauen, wann der geneigte Fußballfan aus der Abzocke aussteigt.
5.
Walter Sobchak 20.06.2011
Schluss mit Fussball im ZwangsTV. Dafuer koennen die privaten blechen. Oder gehoert Fussball jetzt schon zur Grundversorgung? Brot und Spiele oder was?
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