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Ligaprognose für den Tabellenkeller: Hann-over and out

Kein Geld, keine Chance: Aufsteiger Kaiserslautern wird gleich wieder absteigen - und den zerstrittenen Club aus Hannover mitnehmen. Vier weitere Vereine werden sich im Tabellenkeller drängen, analysiert Christoph Biermann in seiner Bundesliga-Prognose.

Bundesliga-Abstiegszone: Das große Zittern im Keller Fotos
ddp

FSV MAINZ 05

Die wahre Deutsche Meisterschaft ging in der vergangenen Saison bekanntlich an Mainz, weil keine andere Mannschaft ihre wirtschaftlichen Möglichkeiten so weit übertraf wie die von Thomas Tuchel. Der Aufsteiger verfügte über bescheidenere finanzielle Mittel als alle anderen Clubs, dennoch wurden die Mainzer am Ende sogar Neunter. Das war unglaublich und der größte Erfolg der Vereinsgeschichte.

Diesmal war vor der Saison schon etwas mehr Geld in der Kasse, und seit einigen Tagen ist dort sogar sehr viel mehr. Für eine Ablösesumme von mehr als fünf Millionen Euro war plötzlich Torjäger Aristide Bancé weg, der im fernen Morgenland eine neue sportliche Herausforderung suchen und eine neue Kultur kennenlernen wollte. Ganz nebenbei winkt ihm dort ein üppig gefülltes Konto. Nun muss ein neuer Goalgetter her, und wenn der nur halbwegs trifft, ist unter dem größten Trainertalent der Bundesliga auch die Titelverteidigung drin - jedenfalls die der wahren Meisterschaft.

Gefühlte Platzierung: 13


1. FC NÜRNBERG

Liebe Schiedsrichter, Sie müssen sich nicht angesprochen fühlen, wenn bei Spielen des 1. FC Nürnberg "Schieber, Schieber"-Rufe von den Rängen ertönen. Sie könnten auch dem 21-jährigen Stürmer Julian Schieber gelten, auf den sie in Nürnberg so hoffen, wie auf manch anderen Youngster, ob er nun Mehmet Ekici, Jens Hegeler oder natürlich Ilkay Gündogan heißt.

Leider sind sie (abgesehen vom kleinen Deutsch-Türken) nur von anderen Bundesligisten ausgeliehen und das gilt auch für die Zukunft des Clubs. Ihre Halbwertzeit beim 1. FC Rent-A-Kicker ist nämlich leider eine ziemlich geringe, wie man im Sommer sehen konnte, als gleich ein halbes Dutzend Ausgeliehener wieder zu ihren Clubs zurückkehrten. Kommt man so über die Saison? Ja schon, aber immer nur über eine.

Gefühlte Platzierung: 14


FC ST. PAULI

Wer den FC St. Pauli "das Freudenhaus der Liga" nennt, muss sich in die Ecke stellen oder hundertmal schreiben: "Der FC St. Pauli ist nicht das Freudenhaus der Liga." Wobei diese sprachpflegerische Maßnahme auch ein wenig ungerecht ist, weil durchaus Aussicht darauf besteht, dass der Club in dieser Saison einige Freude bereiten wird. Denn wer es immer noch nicht weiß: Die versuchen richtigen Fußball zu spielen.

Das wird noch so manchen Kulturschock auslösen, denn eigentlich schien Fußball als Kampf bei St. Pauli auf immer per Vereinssatzung festgeschrieben zu sein. Die Hamburger verpflichteten früher schließlich Spieler mit dem programmatischen Kampfnamen "Schleudertrauma" (Dieter Schlindwein) oder fanden sogar Brasilianer, die nicht kicken konnten (Leonardo Manzi). Wenn sie auf neue Weise stilvoll drin bleiben sollten, können wir es ja mal versuchen mit: "Der FC St. Pauli ist das Arthouse der Liga."

Gefühlte Platzierung: 15


SC FREIBURG

"Sag mir, wo die Tore sind", ist die Freiburger Cover-Version eines der schönsten Anti-Kriegs-Lieder, das von niemandem so schön interpretiert wurde wie von Marlene Dietrich. Beim zutiefst pazifistischen, solarbetriebenen und auch sonst allem Gutmenschentum zugewandten SC Freiburg machen sie mit der Abrüstung weiter ernst. Nach schon nur 35 Toren in der Vorsaison - dem viertschlechtesten Wert der Liga - haben sie ihr Bedrohungspotential weiter reduziert.

Mo Idrissou, der immerhin neun Tore schoss, hat den Verein verlassen, und so gibt es eigentlich nur noch den einsamen und mit vielen Hoffnungen beladenen Stürmer Papiss Demba Cissé, der so schlimme Dinge macht, wie das gegnerische Tor zu bedrohen. Er müsste seine Quote von sechs Treffern allerdings mehrfach multiplizieren, damit die Freiburger am Ende der Saison noch in der Bundesliga sind und dann auch ihn noch abgeben können - damit endlich völliger Frieden im Strafraum herrscht.

Gefühlte Platzierung: 16


1. FC KAISERSLAUTERN

Für jeden Fußballfan ist der Satz ein Graus, der lautet: "Jede Platzierung über dem Tabellenende ist ein Erfolg." Beim 1. FC Kaiserslautern hat ihn auch niemand ausgesprochen, aber mit dem Personaletat des Aufsteigers kann man kaum einen Zweitligisten durchfüttern. Gerade einmal 13 Millionen Euro stehen für diese Saison zur Verfügung und deshalb die drei besten Spieler des Vorjahrs auch nicht mehr.

Vor allem Erik Jendrisek und Sidney Sam vermissen sie in Kaiserslautern bitterlich, und woher soll Hoffnung kommen? Aus der Aussicht auf ewiges Fritz-Walter-Wetter über dem Betzenberg, aus dem Glauben in das Transfergenie von Stefan Kuntz, aus dem Bart von Ministerpräsident Kurt Beck oder dem Oberkiefer von Stürmer Erwin Hoffer? Dort fehlen wie einst beim bösen Engländer Nobby Stiles vier Zähne, was teuflisch genug aussieht, um jeden Gegner zu erschrecken. Zumindest etwas. Aber das wird nicht reichen.

Gefühlte Platzierung: 17


HANNOVER 96

Franz Beckenbauer hat einst so schön gesungen: "Echte Freunde kann niemand trennen." Doch dieses Lied werden sich Mirko Slomka und Jörg Schmadtke auf keinen Fall gemeinsam anhören, denn Trainer und Manager von Hannover 96 sind einander in klarer, gegenseitiger Abneigung verbunden. Beide sind sich nur darin einig, dass es in dieser Saison mit dem Klassenerhalt ganz eng wird.

Das liegt daran, dass die Spieler nicht gut genug sind, meint Slomka. Schmadtke wird ihm zwar neue kaufen, ist aber der Ansicht, dass der Trainer den Spielern auch mal was beibringen sollte: taktisches Verhalten etwa. Ein schöner Streit ist das, saftig und prall. Der Stoff aus dem man Abstiege macht.

Gefühlte Platzierung: 18

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Forum - Bundesliga - was bringt die Saison 2010/2011?
insgesamt 7560 Beiträge
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1.
Kanzla87 05.07.2010
Ich hoffe der BVB wird eine ähnlich couragierte Saison wie letztes Jahr spielen. Spannend werden die Fragen, wie der hochgelobte Neuzugang Robert Lewandowski mit Lucas Barrios harmoniert und wie die junge Mannschaft die dreifachbelastung kompensieren kann. Auf eine spannende Saison! PS: Freue mich schon auf das Duell am 1. Spieltag gegen Bayer Ballackkusen...
2. Hallo?
Klartext007 05.07.2010
Zitat von sysopInteressante Newcomer, versierte Veteranen und hochmotivierte Fans brennen auf den Start: Was bringt die kommende Saison 2010/2011 der Fußball-Bundesliga? Was kann Ihr Lieblingsverein erreichen?
Wir sind noch mitten in der WM! Es lebe die Schnelllebigkeit!
3. Hallo, hallo....
de.nada 05.07.2010
Zitat von Klartext007Wir sind noch mitten in der WM! Es lebe die Schnelllebigkeit!
das ist schon lange so... Die WM wird nicht wegen der Bundesliga unterbrochen, keine Sorge. Sie interessieren sich noch nicht so lange für Fußball ?
4. ++
saul7 05.07.2010
Zitat von sysopInteressante Newcomer, versierte Veteranen und hochmotivierte Fans brennen auf den Start: Was bringt die kommende Saison 2010/2011 der Fußball-Bundesliga? Was kann Ihr Lieblingsverein erreichen?
Ich hoffe nicht, dass die Bayern wieder die Liga dominieren und würde mich freuen, wenn es spannender zuginge!
5. Wie letzte Saison
Balla8872 05.07.2010
Zitat von saul7Ich hoffe nicht, dass die Bayern wieder die Liga dominieren und würde mich freuen, wenn es spannender zuginge!
Also so wie letzte Saison^^
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