Nach Tritt gegen Spieler Schiedsrichter in Frankreich suspendiert

Schwerwiegender Blackout in der Nachspielzeit des Spitzenspiels Nantes gegen PSG: Referee Tony Chapron trat Spieler Diego Carlos und stellte ihn anschließend vom Platz. Nun ist Chapron suspendiert worden.


Am Sonntag hat Paris Saint-Germain im Spitzenspiel der französischen Liga seinen Vorsprung auf den Tabellenzweiten AS Monaco auf elf Punkte ausgebaut. Das PSG-Starensemble bezwang den FC Nantes 1:0. In Nantes trat PSG ohne Star Neymar an, für den Siegtreffer sorgte Ángel Di María. Soweit ein ganz normaler Spieltag in der Ligue 1.

Wäre da nicht in der Nachspielzeit der skurrile und folgenschwere Blackout des Referees Tony Chapron gewesen: Im Lauf kollidierte Nantes-Verteidiger Diego Silva mit dem Unparteiischen. Der Schiedsrichter fiel und trat - auf dem Boden liegend - nach. Doch damit nicht genug: Der mit 216 Ligue 1-Spielen sehr erfahrene Chapron rappelte sich auf und schickte den verdutzten Diego Silva mit Gelb-Rot vom Platz.

Der französische Fußball-Verband FFF reagierte schnell

"Das ist ein Witz. Ich habe über 20 Nachrichten aus ganz Europa bekommen, und alle sagen, dass der Schiedsrichter ein Witz ist", sagte Nantes-Präsident Waldemar Kita im französischen Fernsehen: "Was soll ich sagen? Wenn ich zu viel sage, werde ich vor eine Ethikkommission gestellt. Wir haben kein Recht, irgendwas zu sagen." Nach dem Spiel stellte Kita Chapron zur Rede, dieser beharrte jedoch darauf, dass er den Spieler nicht habe treten wollen, aber "einen Stoß im Rücken gespürt" habe.

Nantes' Mittelfeldspieler Valentin Rongier, der die Szene auf dem Feld gut im Blick hatte, forderte eine längere Sperre für den Schiedsrichter. "Er sagte, er ist ausgerutscht, aber ich weiß, dass er ihn getreten hat", sagte Rongier bei Canalplus: "Ich weiß, es ist sehr schwer, Schiedsrichter zu sein, aber von Zeit zu Zeit muss man sie infrage stellen. Wenn wir das getan hätten, hätten wir eine Zehn-Spiele-Sperre bekommen."

Der französische Fußball-Verband FFF reagierte schnell. Am Montag suspendierte die FFF den 45-jährigen Chapron mit sofortiger Wirkung bis auf Weiteres. Eigentlich hätte er am Mittwoch das Spiel zwischen SCO Angers und ES Troyes AC leiten sollen. Zudem muss er sich vor der Disziplinarkommission der Liga verantworten.

Es geht auch anders

Die Kurzschlussreaktion des Unterparteiischen sorgte nach dem Spiel für Gesprächsstoff und Unverständnis. Chapron hätte sich stattdessen als Alternative Andy Wain zum Vorbild nehmen können: Der englische Schiedsrichter schrieb im Jahr 2005 Geschichte, als er sich beim Sunday-League-Amateurkick zwischen Peterborough North End und Royal Mail AYL selbst vom Platz stellte:

Nach dem 2:1-Treffer der Gäste sah sich der hauptberufliche Lkw-Fahrer damals verbalen Protesten des gegnerischen Torwarts ausgesetzt, die er damit beantwortete, seine Pfeife wegzuschmeißen, sich die Ärmel hochzukrempeln und entschlossenen Schrittes auf den Protestierenden zuzumarschieren. Mitten im Lauf stoppte Wain jedoch abrupt, zückte die Rote Karte und verwies sich selbst des Feldes. "Es war völlig unprofessionell", kommentiert Wain seinen Ausraster damals. "Wenn das ein Spieler gemacht hätte, hätte ich ihn des Feldes verwiesen, also musste ich gehen." Das Spiel wurde abgebrochen.

ngo/dpa/sid



insgesamt 2 Beiträge
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Furchensumpf 15.01.2018
1. Tja...
...so ist das eben im Fußball - Schiedsrichter sind erst mal unantastbar. Und dann wird immer davon gesprochen, dass Fußball ein hochemotionaler Sport wäre - nur wenn man mal seiner Wut oder seinen Frust für einen kurzen Moment Luft lässt (was auch ohne wirkliche Beleidigungen geht), fliegt man vom Platz. So etwas kann den Sport auch kaputt machen... Nur eine Beschreibung stört mich doch ein wenig: "Im Lauf kollidierte Nantes-Verteidiger Diego Silva mit dem Unparteiischen" - sehe ich ein wenig anders - der Schiri läuft Silva vor die Füße - also trägt dieser in meinen Augen auch die "Schuld" (auch wenn das sicherlich nicht beabsichtigt war) für das "Foul".
quark2@mailinator.com 15.01.2018
2.
Wer überwacht die Überwacher - das ist eben immer das Problem. Ein Schiri sollte ohne Rücksprache mit Linienrichtern überhaupt nicht über etwas richten dürfen, was hinter ihm passiert ist. Naja und das Nachtreten ... vielleicht menschlich verständlich als Reaktion auf Schmerz und Erschrecken. Aber dann sollte er sich sofort entschuldigen und nicht noch ne Karte ziehen ... Kann aber jeder mal n schlechten Tag haben.
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