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Wahl zum Weltfußballer: Darum haben die anderen keine Chance

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Messi, Ronaldo: Top-Kandidaten bei der Weltfußballerwahl Zur Großansicht
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Messi, Ronaldo: Top-Kandidaten bei der Weltfußballerwahl

25 Jahre ist es her, dass mit Lothar Matthäus der einzige deutsche Weltfußballer gekürt wurde. Seit Lionel Messi und Cristiano Ronaldo den Sport dominieren, haben es andere Spieler extrem schwer.

"Solange Cristiano Ronaldo und Lionel Messi auf diesem Niveau weiterspielen, wird es weiterhin schwierig für einen deutschen Spieler, Weltfußballer zu werden." Das sagte Lothar Matthäus, bis heute der einzige deutsche Weltfußballer, der "Sport BILD". Dabei war Manuel Neuer der Auszeichnung 2014 deutlich näher als jeder andere Deutsche in den vergangenen zwölf Jahren. Der Torhüter von Weltmeister Deutschland wurde Dritter - und war doch chancenlos. Denn vor ihm landeten wieder mal Ronaldo und Messi, die nicht nur den internationalen Fußball prägen, sondern auch die Wahl zum Weltfußballer verändert haben.

So wird es auch am Montag höchstwahrscheinlich wieder auf einen der beiden Ausnahmespieler hinauslaufen. Dann wird in Zürich bekannt gegeben, wen die Kapitäne und Trainer der Nationalmannschaften sowie ausgewählte Journalisten zum Weltfußballer 2015 gekürt haben. Unter den ersten drei Plätzen sind Messi und Ronaldo bereits sicher, dazu gesellt sich in diesem Jahr Neymar vom FC Barcelona. Seit 2008 hießen die Gewinner zuletzt immer Messi (2009-2012) oder Ronaldo (2008, 2013, 2014).

Auch wenn es nur für Platz drei reichte, Neuers Auszeichnung im vergangenen Jahr war in vielerlei Hinsicht eine Besonderheit - mit Blick auf seine Position als Spieler und auch auf seine Nationalität. Seit 1991 wird der Preis des Weltfußballers vergeben, 2010 wurde er mit dem Ballon d'Or zusammengelegt und heißt seitdem Fifa Ballon d'Or. Nur einem Verteidiger ist es bei den bisherigen 24 Verleihungen gelungen, die Auszeichnung zu gewinnen, Fabio Cannavaro von Weltmeister Italien im Jahr 2006. Noch keinem Torhüter. Neben Cannavaro schafften es mit Roberto Carlos und Paolo Maldini sogar nur zwei weitere Abwehrspieler jemals unter die besten drei. Gleiches gelang nur zwei Torhütern, neben Neuer war das Oliver Kahn im Jahr 2002.

Lange kam der Weltfußballer vom Weltmeister

Kahn war vor Neuer der letzte Deutsche, der es bei der Wahl aufs Podest geschafft hatte. Elf Jahre war kein deutscher Spieler mehr unter den besten drei der Welt vertreten gewesen. Vor Kahn wurden Thomas Häßler und Jürgen Klinsmann 1992 und 1995 jeweils Dritter. Und eben Lothar Matthäus, der 1991 die erste Wahl überhaupt gewann - ein Jahr nach der gewonnen WM in Italien.

Mit seiner Wahl startete bei der Auszeichnung ein Trend, der sich zunächst fortsetzte. In der Folge hing der Gewinn einer Weltmeisterschaft auch eng mit dem Titel des Weltfußballers zusammen. Das war 1994 (Romário, Brasilien), 1998 ( Zinédine Zidane, Frankreich), 2002 (Ronaldo, Brasilien) und auch 2006 (Cannavaro, Italien) so.

Auch der Gewinn der Champions League war immer eine gute Qualifikation für die ersten Plätze. Káká (Sieger 2007, AC Mailand), Zidane (Sieger 2000, Real Madrid) und David Beckham (Zweiter 1999, Manchester United) sind hier nur einige Beispiele. Auch Ronaldo und Messi passen in diese Reihe. Immer, wenn einer von ihnen die Champions League gewann, wurde er auch Weltfußballer. Aber seit sich diese beiden Spieler an die Weltspitze gesetzt haben, hat sich etwas verändert. Erst kommen die beiden Superstars - und dann folgen die gewohnten Trends.

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Weltfußballer: Lothar, George und Lionel
So wurde 2010 erstmals ein Spieler in einem WM-Jahr Weltfußballer, der mit der Nationalmannschaft den Titel nicht geholt hat. Argentinien unterlag Deutschland im Viertelfinale chancenlos. Messi spielte eine mäßige WM, wurde aber trotzdem Weltfußballer. Immerhin ist es das einzige Jahr, in dem Messi und Ronaldo nicht die ersten beiden Plätze belegten. Denn diesmal folgten auf Messi Andrés Iniesta und Xavi - beide vom Weltmeister Spanien. 2014 holte sich Deutschland den ersten Weltmeistertitel seit 1990 - Neuer, mit großem Anteil am Erfolg in Brasilien, wurde Dritter. Ronaldo, der mit Portugal bei der WM bereits in der Vorrunde ausgeschieden war, gewann. Zuvor erreichte Franck Ribéry nach einem überragenden Jahr und dem Champions-League-Gewinn als Krönung 2013 genau wie Neuer nur den dritten Platz.

Kein Ende der Dominanz in Sicht

Messi und Ronaldo bleiben bei dieser Wahl einfach unantastbar, wohl auch durch den Hype, der um sie schon lange existiert. Daneben sind aber auch ihre konstanten Leistungen zu beeindruckend und der Anteil, den sie am Erfolg ihrer Mannschaften haben, zu groß. Somit gilt trotz der Einseitigkeit: Die Frage, ob sich die Superstars ihre Auszeichnungen Jahr für Jahr verdient haben, stellt sich nur selten.

Deshalb ist Matthäus' Einschätzung auch treffend: Solange Messi und Ronaldo ihr Niveau halten, ist es höchst unwahrscheinlich, dass es einen anderen Weltfußballer neben ihnen geben wird. 2015 waren die Weltmeister Toni Kroos, Thomas Müller und Manuel Neuer zumindest auf der 23-köpfigen Shortlist. Aber ohne einen WM-Titel reicht es für einen Deutschen aktuell nicht für eine Top-Drei-Platzierung.

Auch dieses Jahr geht es für alle Spieler außer Messi und Ronaldo wieder nur um Platz drei - gerade in einem Jahr ohne WM. 2015 gewann Barcelona die Champions League. Messi scheint wieder an der Reihe zu sein.

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insgesamt 56 Beiträge
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1.
fd2fd 11.01.2016
Messi und Ronaldo sind weltweit bekannt. In jeder Ecke der Welt werden ihre Trikots getragen. Sie sind Marken, die über dem Fußball stehen. Dabei geht es eben auch um Skandale, Frauengeschichten, Auftritte, Unfälle, ... Und genau hier versuchen andere ihr Privatleben zu schützen, während diese beiden den Dingen ihren Lauf lassen. Ihre Leistung (oft super, immer öfter mäßig) zählt meist nur noch zweitrangig. 5 Tore gegen einen Zweitligist sind zwar schön, aber in bei WM und CL zeigen sich die wahren Qualitäten. Vor allem deutsche Stars wollen mit Leistung auf dem Platz überzeugen und nicht mit Geschichten in Boulevard abseits des Platzes. Und genau das fehlt aber zu weltweiten Bekanntheit und Beliebtheit.
2. Matthäus war vor 25, nicht vor 15 Jahren Weltfußballer!
freemen.23 11.01.2016
Es ist nicht 15 Jahre, sondern 25 Jahre her, seit Lothar Matthäus zum Weltfußballer des Jahres gekürt wurde. Der Spiegel ist mittlerweile in seinen Sport-Beiträgen genauso schlecht, wie bei seinen Beiträgen zur deutschen Innenpolitik!
3. Objektivität?
HH-Hamburger-HH 11.01.2016
Es gibt in jedem Jahr Shootingstars und Newcomer, die die Auszeichnung verdient hätten. Die Verdienste von Messi und Ronaldo sind unbestritten, aber auch hier würde Konkurrenz das Geschäft beleben. Es sollte wirklich nur das aktuelle Jahr und nicht der Nimbus der Vergangenheit zählen.
4. Hype, der um sie schon lange existiert.
mistermoe 11.01.2016
Das, und nur das ist der Grund warum Messi und Ronaldo jedes Jahr unter den Top 3 stehen. Wie man sehr gut an den Jahren 2010, 2013, 2014 gesehen hat, zählt leider nicht mehr unbedingt die Leistung als Fussballer und welchen Anteil man am Erfolg des Teams hatte, sondern es zählt nur noch das Marketing. Ein weiteres Beispiel ist die Wahl zum besten Spieler der WM 2014...auch da ging es für jeden ersichtlich nicht noch Leistung auf dem Platz. Messi und Ronaldo sind ohne Zweifel sehr gute Spieler mit Ausnahmefähigkeiten, leider werden die beiden auch in sportlich schwachen Jahren aus nicht sportlichen Gründen (Hype) gewählt.
5. Da steht es ja im dritten Teil der Nachricht
jhea 11.01.2016
Kein Ende in Sicht, wohl auch aufgrund des Hypes. Wenn ich sehe, wie lustlos diese Kameraden spielen wenn man ihnen konsequent den Ball wegnimmt, haben sie eher den Titel Heulsuse des Jahres verdient statt Weltfußballer :)
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