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Messis Elfmeter-Trick: Unsportlich? Meisterhaft!

Ein Kommentar von

REUTERS

Ein kleiner Trick, ein großer Aufschrei im Internet: War die Elfmeter-Aktion von Lionel Messi und Luis Suárez gegen Celta Vigo ein mieser Trick? Das Gegenteil ist der Fall.

Der Elfmeter-Trick von Lionel Messi und Luís Suárez war nicht unsportlich. Er war ein Kunstwerk. Dass den beiden Barcelona-Spielern nun Arroganz und fehlender Sportsgeist vorgeworfen wird, zeigt nur, dass sie ihrer Zeit voraus sind.

Statt den Elfmeter selbst zum 4:1 ins Tor des Gegners Celta Vigo zu schießen, tippte Messi den Ball nur kurz an, Suárez kam herangestürmt und erzielte sein drittes Tor des Abends. Bei Twitter und Facebook überlagerte die Empörung darüber mal wieder die Anerkennung. "Geht gar nicht", hieß es da, unfair sei die Aktion gewesen.

Klar, Messi hätte auch selbst schießen können, es wäre sein 300. Tor für den Klub gewesen. Statt für den eigenen Jubiläumstreffer entschied sich der Weltfußballer dafür, einen Kollegen über den Hattrick jubeln zu lassen. Man könnte sich auch einfach mal über solche Selbstlosigkeit im Milliardengeschäft Profifußball freuen.

Worüber also regen sich die Leute auf? Im Basketball gibt es den Spruch: Wer trifft, hat recht. Der Gegner sei vorgeführt worden, lautete einer der Vorwürfe. Bei allem Respekt vor Celta Vigo: Das war auch ohne den Trick der Fall. Messi hatte das erste Tor der Partie geschossen, Suárez die nächsten beiden. Nach dem Elfmeter erhöhten Ivan Rakitic und Neymar noch auf 6:1.

Barça hatte sich die Tore herausgespielt, nichts geschenkt bekommen. Der Tabellenführer spielte auch danach ohne Gnade weiter nach vorne, schonte den Gegner nicht. Unsportlich wäre das Gegenteil gewesen, hätten die überlegenen Stars bei einer Führung mit drei Toren nicht mehr alles gegeben und sich geschont für die kommenden Wochen, in denen der Verein wieder das Triple gewinnen will.

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Messis Elfmeter-Trick: Historisch oder respektlos?
Auf dem Weg dorthin können genau solche Aktionen entscheidend sein. Messi, Suárez und auch Neymar, der Brasilianer, der den südamerikanischen Traumangriff komplett macht, sind derzeit das Maß der Dinge, die kreativsten Akteure auf ihren Positionen. Jede Generation im Weltfußball hat einen, vielleicht zwei Spieler, die ihren Sport weiterentwickeln. Mit ihrem Instinkt, ihrer Lust am Spiel. Pelé, Beckenbauer, Cruyff, Maradona, van Basten, Zidane, Ronaldo, Ronaldinho, danach übernahm Messi. Neymar steht schon bereit, seinen Teamkollegen zu beerben.

Ein Elfmetertrick allein zeugt nicht davon, dass dort Fußballgenies am Werk waren. Aber er zeugt davon, dass Messi und seine Nebenleute den Fußball immer wieder neu überdenken und neu erfinden. Da geht es eben nicht nur um Übersteiger und Pirouetten, sondern um eine frische Variante bei einem Elfmeter. Wenn solche Meister am Werk sind, ist eben auch bei einer Standardsituation nichts mehr Standard.

Nicht jeder Elfmeter muss nach Art von Johan Neeskens mit 120 Stundenkilometern ins Tor gedroschen werden. Uli Hoeneß hatte genau das 1976 im EM-Finale in Belgrad probiert und seinen Ball fast aus dem Stadion gejagt. Anschließend trat Antonín Panenka als letzter Schütze für die Tschechoslowakei an und löffelte das Leder butterweich in die Mitte, dorthin, wo kurz zuvor noch Sepp Maier gestanden hatte. Panenka hatte eine neue Variante kreiert, die noch kein Standard geworden ist, aber regelmäßig angewandt wird.

Messi und Suárez könnten mit ihrem Trick ähnliches schaffen.

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Zum Autor
Jeannette Corbeau
Lukas Rilke ist Redakteur im Sportressort von SPIEGEL ONLINE.

E-Mail: Lukas.Rilke@spiegel.de

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 97 Beiträge
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1. Der Trick ist nicht neu...
Lankoron 15.02.2016
den gibts schon x mal auf youtube zu sehen. Nur weil Messi und Suarez den jetzt gezeigt haben, ist das doch nix weltbewegendes. 2 Artikel, ne Presseschau und ein Kommentar...wir haben anscheinend wirklich keine anderen Probleme zur Zeit.
2. In erster Linie...
geradsteller 15.02.2016
...war es regelkonform und damit in Ordnung. Varianten machen das Spiel unterhaltsam. Wohl aber nun die unstrittige Partie zu überhöhen; und mit Argumenten wie "Hattrick dem Kollegen" (der hätte ja dann auch selbst schießen dürfen) oder "Genies" ein Tor von Barcelona mehr zu kommentieren, ist sicher (pro oder contra!) Eines: Überflüssig.
3.
alois.hingerl 15.02.2016
die Idee des Elfmeters als Zweikampf zwischen dem Torwart und dem Schützen wird so pervertiert
4. Bravo
imernst2015 15.02.2016
Ein guter Artikel, der den Elfmeter objektiv und ohne Vereinsbrille betrachtet. Der Trick ist wahrlich nicht neu, aber er zeugt von großem Mut und Spaß an der Freude. Das Barca Trio macht einfach nur Freude, das ist Fußball in Perfektion.
5. Alter Hut
mr.brand 15.02.2016
...die Sache ist ein alter Hut...hoffentlich ist es kein Zeichen bezüglich Johann Cruyffs Krebserkrankung...
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