Hamburg - Am Samstag hatten Fans der deutschen Fußball-Nationalmannschaft gespannt auf das ZDF-Sportstudio gewartet. Joachim Löw war als Gast angekündigt. Der Bundestrainer, so hofften viele, würde sich erklären, nach dem peinlichen 4:4 in der WM-Qualifikation gegen Schweden. Am Samstagvormittag dann kam die Absage. Löw sei an einer Grippe erkrankt, hieß es, ein Fernsehauftritt unmöglich.
Nun ist Löw wieder fit - und es gibt sie tatsächlich, die mit etwas Abstand vorgenommene Analyse für einen denkwürdigen Auftritt der DFB-Auswahl. Die hatte vor einer Woche in Berlin eine 4:0-Führung noch verspielt.
Unmittelbar nach der Partie hatte Löw noch gesagt, er könne von der Seitenlinie kaum Einfluss nehmen. Nun räumte der Trainer Fehler ein. "Ich konnte auch nicht glauben, dass das Spiel kippt. Ich hätte in der Schlussphase mit einer Auswechslung ein Signal an die Mannschaft senden und noch etwas stoppen können. So etwas habe ich in 20 Jahren auch noch nicht erlebt. Daraus lerne auch ich", sagte er dem Sport-Informations-Dienst.
"Hervorragend entwickelt"
Er könne die Diskussionen deshalb "absolut" nachvollziehen. Dennoch habe die Situation auch "etwas Positives", wie er der Nachrichtenagentur dpa sagte. Sie helfe, die Weichen jetzt nochmals richtig zu stellen: "Das ist mir lieber, als wenn wir im Herbst 2013 feststellen müssen, dass wir in so eine negative Situation rutschen."
Seinen Führungsstil wird der Bundestrainer aber auch in Zukunft nicht ändern. "Ich halte nichts von einem Ton wie auf dem Kasernenhof. Wir setzen auf Kommunikation, natürlich geben wir die Richtung vor. Das haben wir die letzten Jahre auch kompromisslos gemacht, wenn es um die sportlichen Dinge ging. Festzuhalten bleibt: Diese Mannschaft hat sich trotz allem hervorragend entwickelt."
Seine Spieler nahm er bei aller Kritik in Schutz, auch wenn sich Löw in den letzten 30 Minuten des Schweden-Spiels gewünscht hätte, "dass wir genau dann, wenn die spielerische Ausrichtung nicht mehr so stimmt, auch ein positives, aggressives, dominantes Auftreten unter Druck zeigen. Wir hätten diesem Druck standhalten können. Wir alle".
chp/sid/dpa
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