Bayern-Pleite gegen Real: Löws klammheimliche Freude

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Bundestrainer Löw: Jeder Tag wird gebraucht

Bei allem Jammern über das klare Ausscheiden des FC Bayern in der Champions League: Es gibt einen Gewinner auf deutscher Seite. Bundestrainer Joachim Löw kann jetzt die WM-Vorbereitung früher angehen. Das ist auch nötig.

Der Bundestrainer saß auf der Ehrentribüne der Münchner Arena unter all den Granden und Edelfans des FC Bayern, er sah die Dinge gegen Real Madrid dahingehen auf dem Rasen, und er dürfte viel damit zu tun gehabt haben, das aufkommende Lächeln zu verbergen. Zwar wird es Joachim Löw auch nicht besonders gefallen haben, wie sich seine Nationalspieler von den Gästen aus Spanien düpieren ließen. Aber dennoch kann er sich als einer der wenigen deutschen Gewinner dieses Abends betrachten.

Eine Endspielteilnahme der Bayern am 24. Mai in Lissabon hätte seine WM-Vorbereitung empfindlich gestört. So reisen seine sieben Münchner Kandidaten rechtzeitig zu Beginn des Trainingslagers am 21. Mai in Südtirol an, und der Bundestrainer kann seine WM-Mission ernsthaft angehen.

Anders als vor zwei Jahren, als die Bayern-Spieler nicht nur verspätet zur EM-Vorbereitung in Südfrankreich ankamen und Löw bis dahin ein Trainingslager light veranstalten musste. Sie trafen auch noch frustriert und verkatert vom Finaldrama gegen den FC Chelsea bei der Nationalmannschaft ein.

Niederlage gegen Real kann man schnell abhaken

Diesmal ist genug Zeit, die Halbfinal-Enttäuschung von München zu verarbeiten. Zudem war Madrid einfach zu dominant, die Niederlage zu verdient, als dass es sich lohnte, sich wochenlang deswegen zu grämen. Die Niederlage gegen Chelsea war ja gerade deswegen so schmerzhaft, weil die Bayern das Endspiel im eigenen Stadion damals komplett beherrscht hatten. Dann trotzdem zu verlieren - das erzeugt nachhaltige Schockwirkung. Ein hochverdientes Ausscheiden wie gegen Real kann man dagegen leichter abhaken.

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Zudem bietet das DFB-Pokalendspiel gegen Borussia Dortmund am 17. Mai die Gelegenheit für den Bayern-Block, sich Genugtuung zu verschaffen. Und wenn der Gegner Borussia Dortmund gewinnen sollte, wäre das für die Bayern zwar bitter, Löw hätte dann aber zumindest euphorisierte Nationalspieler des BVB zur Verfügung.

So muss der Bundestrainer durch den Finaleinzug von Madrid in den ersten Tagen von Südtirol lediglich auf den ohnehin rekonvaleszenten Sami Khedira verzichten, eventuell noch auf den beim potentiellen Endspielgegner FC Chelsea unter Vertrag stehenden André Schürrle.

"Bereit wie nie" - so falsch wie nie

Löw braucht vor dieser Weltmeisterschaft, die für den Bundestrainer das schwerste und unkalkulierbarste (und wahrscheinlich letzte) Turnier seiner Amtszeit werden wird, auch jeden Tag, jede Minute, um seine Mannschaft WM-reif zu machen. "Bereit wie nie" ist der Slogan der Nationalmannschaft und einer ihrer Haupt-Werbepartner - aber niemals war ein Motto so unpassend.

Womöglich weiß selbst Löw nicht, wo die Nationalmannschaft derzeit steht, mit welchem Personal er konkret für die Wochen in Brasilien planen kann und wie sich die Formkurve seiner Schlüsselspieler entwickeln wird.

Schafft es Khedira nach seiner schweren Kreuzbandverletzung tatsächlich noch, wieder in eine Verfassung zu kommen, um solch ein Turnier zu bestehen? Was ist mit den zwei Dauerverletzten im Sturm, Miroslav Klose und Mario Gomez? Findet Mesut Özil seine Konstanz? Kommen Sven Bender und Marcel Schmelzer zurück? Gibt es noch Hoffnung auf eine Genesung von Ilkay Gündogan? So viele Fragen und bisher sehr wenige Antworten.

"Die Uhr tickt", hat der Bundestrainer schon Anfang März am Rand des Testspiels gegen die Chilenen festgestellt, und er klang dabei durchaus alarmiert. Jetzt, Ende April, tickt die Uhr noch ein bisschen lauter.

In zehn Tagen, am 9. Mai, ist bereits der Termin, an dem der DFB seinen vorläufigen Kader benennen muss. Bislang hält Joachim Löw noch viele Puzzleteile in der Hand. Eine Situation, die er lange nicht gekannt hat. Genauer gesagt, vier Jahre nicht. Vor der WM 2010 in Südafrika waren relativ kurzfristig der gerade zur Nummer eins gekürte Torwart René Adler und der Kapitän Michael Ballack verletzt ausgefallen. Die deutschen Fußballfans sahen den Untergang des Abendlandes nahen. Im Nachhinein stellte sich heraus: Beides war nicht zum Schaden des Teams.

Bis zum 16. Juni hat Joachim Löw Zeit, ein Team zu bilden, das den Titel holen will und vielleicht sogar kann. Im ersten Gruppenspiel in Salvador wartet Portugal - mit den Real-Stars Cristiano Ronaldo, mit Pepe, mit Fabio Coentrao. Eine bessere Gelegenheit zur Revanche werden die Münchner Nationalspieler nicht bekommen.

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insgesamt 63 Beiträge
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1. Loewiola
ofelas 30.04.2014
nur das Loew halt ein aehnliches System spielt, er will den Ball ins Tor tragen lassen, Kurzpassspiel bis zum Umfallen, mag keine Schuesse mit Risiko aus der zweiten Reihe oder in den Raum. Dortmund und Real haben gezeigt das es anders geht
2.
CaptainSubtext 30.04.2014
Dann hat er hoffentlich auch mal genug Zeit, Standardsituationen zu trainieren. Wie wichtig die sind, konnte man gestern wieder einmal beobachten.
3. Ahrens sucht und sucht...
schmusel 30.04.2014
... aber er findet und findet kein Körnchen (Wahrheit & Relevanz) bei seinen Recherchen. Tragische Geschichte.
4. löw wird es wohl ähnlich gehen,
viceman 30.04.2014
Zitat von sysopDPABei allem Jammern über das klare Ausscheiden des FC Bayern in der Champions League: Es gibt einen Gewinner auf deutscher Seite. Bundestrainer Joachim Löw kann jetzt die WM-Vorbereitung früher angehen. Das ist auch nötig. http://www.spiegel.de/sport/fussball/loew-ueber-dfb-team-nach-fc-bayern-pleite-gegen-real-madrid-a-966916.html
wie pep ,wenn er vor dem viertelfinale rausfliegt- wetten!
5. 7 Bayern-Spieler?
wenndannjetzt 30.04.2014
Neuer, Boateng, Kroos und Schweinsteiger kann er doch gleich zuhause lassen. Müller, Götze und Lahm können es mit fleißigem Training vielleicht auf die Ersatzbank schaffen. Er soll sich lieber sorgen, daß Schürrle, Özil, Podolksi und die Dortmunder Weidenfeller, Hummels, Reus, Schmelzer, Großkreutz gesund bleiben. Er kann weiterhin nur hoffen, daß Khedira und Bender fit werden. Und bei Gündogan hilft wohl nur der Wunsch auf Wunderheilung. Aber keine Sorge, bei Freiburg, Schalke, Leverkusen, Dortmund, Gladbach gibt es noch vielversprechenden Nachwuchs. Diese jungen Talente einzusetzen wird sich Löw aber wieder kaum trauen. Lieber setzt er auf ein eingespieltes Katastrophenduo wie Kroos und Schweinsteiger, die mit ihren Spaziergängen im Anstoßkreis jedes Publikum zum Einschlafen bringen und gerne mal in der Lage sind, dem Gegner gute Vorlagen zu liefern, wie bei der EM 2012.
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