Interview mit Lothar Matthäus "Fußball ist wie Schach"

Sein letztes Trainer-Engagement liegt zwei Jahre zurück, aber auch als Sky-Experte denkt Lothar Matthäus noch wie ein Coach. Im Interview spricht er über die Weltfußballerwahl, seine Spielphilosophie, taktische Scheininnovationen - und ein DFB-Angebot, das nicht kam.

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Ein Interview von und


Ist Lothar Matthäus ein guter Trainer? Die Frage wird immer dann gestellt, wenn irgendwo ein interessanter Job frei wird und Matthäus als Kandidat gilt. Nur ist bei der Antwort selten jemand objektiv, kaum eine Fußball-Legende polarisiert so wie Matthäus, 52. Für die einen ist er ein Säulenheiliger, den seine Vergangenheit als Rekordnationalspieler auch an der Seitenlinie zu Großem prädestiniert. Die anderen konnten schon mit dem Spieler nicht viel anfangen, weil er sagte, was er dachte, über sich manchmal in der dritten Person sprach, weil er in viele Fettnäpfchen trat und bei Bayern München spielte.

Wer ihn in München zum Interview trifft, lernt einen Mann kennen, der in sich zu ruhen scheint. Die Diskussion, ob Matthäus demnächst hier oder dort anfangen könnte, interessiert den Protagonisten nicht, er habe ja einen Job, bei Sky, als Experte, und ist damit nach eigener Aussage sehr zufrieden. Sein letztes Engagement liegt mehr als zwei Jahre zurück, damals trainierte Matthäus Bulgariens Nationalmannschaft.

Aber Matthäus denkt immer noch wie ein Trainer, und er ist sehr gut informiert. Er kann detailreich über das Spiel der Bayern unter Pep Guardiola sprechen und erklären, warum nicht alles dort eine Innovation ist. Er schätzt Ribérys Chancen bei der Wahl zum Weltfußballer ein, skizziert seine eigene Spielphilosophie, spricht über Lehren aus der eigenen Karriere - und über ein DFB-Angebot, das nicht kam.

SPIEGEL ONLINE: Herr Matthäus, Sie waren 1991 der erste Weltfußballer der Geschichte und sind bis heute der einzige Deutsche, der die Auszeichnung gewonnen hat. Aber Sie spielten damals für Inter Mailand. Warum hat es noch nie ein Spieler eines Bundesliga-Clubs nach ganz oben geschafft?

Matthäus: Über den Weltfußballer entscheiden nicht nur europäische Trainer, sondern auch die aus Ozeanien oder der Karibik. Und denen sind momentan die Primera División oder die Premier League näher.

SPIEGEL ONLINE: Warum?

Matthäus: Die spanische und auch die englische Liga sind weltweit präsenter. Bei der Auslandsvermarktung in Asien und Lateinamerika ist auf Bundesliga-Seite in der Vergangenheit viel versäumt worden. Egal, wo ich bin, englischer Fußball läuft immer im TV, Deutschland holt zwar auf, in Dubai kann man am Wochenende drei Spiele live sehen. Aber es fehlt noch einiges.

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Weltfußballer: Lothar, George und Lionel
SPIEGEL ONLINE: Weltfußballer wird also Cristiano Ronaldo von Real Madrid und nicht Bayern-Profi Franck Ribéry?

Matthäus: Es wäre nur richtig, wenn die Wahl auf Ribéry fiele. Aber ich könnte auch eine Wahl Ronaldos nachvollziehen. Er ist im Moment der stärkste Spieler der Welt. Aber eben "im Moment", das Jahr 2013 gehörte eher Ribéry. Für ihn sprechen der Champions-League-Sieg, der europäische Supercup, die Club-WM, für Ronaldo die Zahlen, seine unglaublich vielen Tore.

SPIEGEL ONLINE: Ihre Wahl zum Weltfußballer liegt 23 Jahre zurück. Gibt es heute einen Spieler, der Sie an den Lothar Matthäus von damals erinnert?

Matthäus: Zumindest einen, der mich an meine jungen Jahre erinnert: Arturo Vidal.

SPIEGEL ONLINE: Warum ausgerechnet der Spieler von Juventus Turin?

Matthäus: Er wird oft unterschätzt wie ich damals auch. Vidal ist kampf- und laufstark, reißt gern die Mannschaft mit. Außerdem schießt er Tore und auch die Elfmeter.

SPIEGEL ONLINE: Und er ist öfter mal unbeherrscht.

Matthäus: Ja, das auch.

SPIEGEL ONLINE: Aber passt Vidal in diese Zeit? Die sogenannte Polyvalenz, also die Flexibilität der Einsatzmöglichkeiten, und die Technik gelten als entscheidend. Vidal steht für Kampf.

Matthäus: Alle großen Mannschaften dieser Zeit haben so einen, Bayern München mit Martínez, Barcelona mit Busquets, Real Madrid mit Xabi Alonso. Und dem DFB-Team hat im EM-Halbfinale gegen Italien genau dieser Spielertyp gefehlt.

SPIEGEL ONLINE: Was ist mit Khedira? Mit Schweinsteiger? Beide haben damals gespielt.

Matthäus: Schweinsteiger hat eine andere Spielweise, er denkt zu offensiv, deshalb könnte er auch bei Bayern München in Guardiolas System nie allein auf der defensiven Mittelfeldposition spielen, wie es Lahm tut. Khedira hingegen beschränkt sich noch zu sehr auf die defensiven Aufgaben.

SPIEGEL ONLINE: Sie sprechen Guardiolas 4-1-4-1 an. Wie finden Sie grundsätzlich das System mit einem einzigen Sechser hinter vier offensiven Mittelfeldspielern?

Bayern-System 4-1-4-1: "Dominanz des Zentrums"
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Bayern-System 4-1-4-1: "Dominanz des Zentrums"

Matthäus: Es geht ja eigentlich gar nicht um Systeme. Es geht um die Interpretation von Anordnungen auf dem Feld.

SPIEGEL ONLINE: Wie meinen Sie das?

Matthäus: Ein System ist eine starre Vorgabe, aber als Trainer kann man nicht alle Handlungen auf dem Platz festlegen, die Spieler füllen ihre Rollen am Ende doch selbständig aus, innerhalb einer Grundanordnung. Bei Bayern tun sie das sehr flexibel. Für Guardiolas Philosophie der Dominanz des Zentrums ist die 4-1-4-1-Variante perfekt. Wirklich neu ist sie aber nicht.

SPIEGEL ONLINE: Geht das überhaupt, dem Fußball taktisch noch etwas Neues hinzuzufügen?

Matthäus: Ich glaube nicht. Was neu wirkt, sind keine Innovationen, sondern Rückbesinnungen auf Bekanntes oder minimale Abwandlungen, so wie bei der Anordnung des Sechsers im 4-1-4-1 der Bayern. Wir können das gern mal durchrechnen.

SPIEGEL ONLINE: Durchrechnen?

Matthäus: Im 4-1-4-1 haben wir einen Spieler auf der Sechser-Position und zwei nicht ganz so offensive in der Zentrale davor, also Achter. Im am meisten verbreiteten 4-2-3-1 finden sich zwei Sechser und ein deutlich offensiverer Zehner. In beiden Fällen ergeben die Nummern der Positionen zusammen 22.

SPIEGEL ONLINE: Die Mathematik des Fußballzentrums, das klingt ehrlich gesagt etwas konstruiert.

Matthäus: Es ist nur ein Zahlenspiel, aber es soll zeigen: In der Summe sind sich die beiden genannten Systeme ähnlich.

SPIEGEL ONLINE: Es heißt, komplexe taktische Anordnungen brauchen fußballintelligente Spieler, um sie umzusetzen. Was ist eigentlich Fußballintelligenz?

Matthäus: Ich würde es so erklären: Ein fußballintelligenter Spieler erfasst Situationen auf dem Feld schneller als andere. Er kann, ähnlich wie beim Tennis, antizipieren, wohin der Gegner den Ball spielen wird. Er bewegt sich genau dahin, wo es die Spielsituation gerade erfordert. Im Prinzip trifft ein solcher Spieler sehr oft die richtigen Entscheidungen.

SPIEGEL ONLINE: Welche Beispiele fallen Ihnen ein?

Matthäus: Philipp Lahm ist einer, Mats Hummels auch. Auf seiner Position ist Hummels ganz sicher einer der Besten, sowohl defensiv als auch in der Antizipation und Spieleröffnung.

SPIEGEL ONLINE: Hummels steht wie kein anderer für den präzisen, langen Ball. Wir haben gelesen, dass Sie mit dem langen Ball auch so Ihre Erfahrungen gemacht haben, damals bei Inter Mailand unter Trainer Giovanni Trapattoni.

Matthäus: Das stimmt, im Derby gegen den AC Mailand. Milan hatte eine tolle Mannschaft, die mit Donadoni, van Basten, Gullit und Ancelotti ein überragendes Pressing spielte. Das Muster war: Warten, bis der Außenverteidiger angespielt wurde und dann drauf. Van Basten attackierte Torhüter und Libero, Gullit lief Richtung Manndecker und Donadoni machte Druck auf den armen Andi Brehme...

SPIEGEL ONLINE: ...der damals Linksaußen spielte...

Inter-Trainer Trapattoni, Spieler Matthäus (1990): "Hau ihn nach vorn"
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Inter-Trainer Trapattoni, Spieler Matthäus (1990): "Hau ihn nach vorn"

Matthäus: ...und für Brehme gab es dann nur zwei Möglichkeiten: Ball nach vorn oder Ball weg. Trap sagte also zu unserem Torwart Walter Zenga, "Walter, wenn du den Ball hast und der Lothar kommt und will ihn haben, hau ihn nach vorn." Wir standen dann im Mittelfeld und die Bälle flogen über unsere Köpfe. Aber wir haben gewonnen! Das Prinzip kann man in die heutige Zeit übertragen. Gegen Mannschaften mit aggressivem Pressing gilt das Prinzip "langer Ball, zweiter Ball".

SPIEGEL ONLINE: ...also die sofortige Rückeroberung oder die Sicherung des Abprallers.

Matthäus: Genau. Insgesamt ist der lange, präzise Ball in der Spieleröffnung heute eine der wichtigsten Qualifikationen für einen zentralen Abwehrspieler. Aber die wenigsten können ihn. Hummels ist einer.

SPIEGEL ONLINE: Täuscht es, oder erleben wir gerade eine Renaissance der Dreierkette?

Matthäus: Zumindest spielen viele Mannschaften in Italien sie derzeit. Und die italienische Nationalmannschaft hat bei der EM 2012 gezeigt, dass die Dreierkette gegen sehr ballsichere Mannschaften wie Spanien ein hervorragendes Mittel sein kann, wenn der zentrale Verteidiger abkippt und sich die Außen zurückfallen lassen, es also eine Fünferkette wird.

SPIEGEL ONLINE: Italien hat gegen Spanien in der Vorrunde beim 1:1 so gespielt, im Finale dann nicht mehr.

Matthäus: Ich habe mich auch gewundert, warum sie im Endspiel plötzlich wieder mit einer Viererkette aufliefen. Wenn man die Räume im Zentrum eng machen will, um die gegnerischen Pässe in die Schnittstellen der Abwehr zu vermeiden, ist die Dreierkette das Mittel der Wahl. Spanien hat im Endspiel genau in diese Räume gespielt. Dort, wo normalerweise die zurückgerückten Außenspieler der Italiener gestanden hätten, fielen die ersten beiden Gegentore.

SPIEGEL ONLINE: Uns interessiert, wie der Trainer Lothar Matthäus tickt. Ihre Spielphilosophie, gibt es die?

Matthäus: Ich will das, was viele Kollegen wollen: So spielen wie die Bayern in dieser Saison oder davor der FC Barcelona. Erfolgreich, attraktiv, mit viel Ballbesitz. Aber seien wir doch mal ehrlich: Wie viele Trainer bekommen die Möglichkeit, solche Mannschaften zu trainieren? Also macht man Kompromisse, denkt um, um am Ende vielleicht so nahe wie möglich an das Ideal heranzukommen. Entsprechend der Qualität, die einem zur Verfügung steht. Oder den äußeren Bedingungen. Ich erzähle Ihnen kurz mal was aus meiner Zeit in Wien.

Rapid-Trainer Matthäus (2007): "Laufen in Schönbrunn"
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Rapid-Trainer Matthäus (2007): "Laufen in Schönbrunn"

SPIEGEL ONLINE: Bitte.

Matthäus: Bei Rapid hatten wir einen Trainingsplatz, der vorher ein Parkplatz gewesen war. Auf den hatte man 30 Zentimeter Erde gekippt, und wenn es regnete, stand er unter Wasser und wir mussten unsere Laufeinheiten im Schloss Schönbrunn machen. Bei Auswärtsspielen musste ich als Trainer die Zimmerschlüssel verteilen. Krafträume? Medizinische Unterstützung? Gab es nur begrenzt. Bei den Bedingungen kann man nicht von Tiki-Taka träumen.

SPIEGEL ONLINE: Im Rückblick auf Ihre bisherige Trainerkarriere: Welche von Ihren Mannschaften kam Ihrer Traumvorstellung vom Fußball am nächsten?

Matthäus: Ganz klar Partizan Belgrad. Das war das erste Mal, dass ich wirkliche Qualität vorgefunden habe und nicht etwas komplett neu aufbauen musste. Ich musste die Mannschaft nur taktisch und charakterlich verändern.

SPIEGEL ONLINE: Charakterlich?

Matthäus: Ich hatte das Glück, ein Jahr zuvor mit Rapid Wien gegen Partizan im Uefa Cup zu spielen, wir gewannen 5:1. Nach dem Spiel habe ich mir überlegt: Wenn ich mir eine Mannschaft aus beiden Teams zusammenstellen könnte, würde ich den Torhüter von Rapid nehmen und die zehn Feldspieler von Partizan. Was für eine Truppe! Enorm talentiert, aber eitel, jeder für sich, keiner für die Mannschaft. Als ich dann in Belgrad anfing, sagte ich zu den Spielern: "Gegen Rapid wart ihr individuell alle besser, aber wir haben als Mannschaft gespielt." Plötzlich waren alle ehrgeizig, wir schafften es bis in die Champions League.

SPIEGEL ONLINE: Mit Taribo West als zentralem Abwehrspieler, der sich mit Knieproblemen plagte.

Matthäus: Meine Innenverteidiger waren dünn wie Handtücher und langsam, in der Viererkette kamen ihre Schwächen extrem zum Tragen. In der Dreierkette mit Taribo hatten sie jemanden mit Auge neben sich, der klare Ansagen machte. Er wurde zwar nach jedem Spiel drei Tage mit Eisbeuteln behandelt, was noch mal einige Kosten verursachte. Aber es lohnte sich.

SPIEGEL ONLINE: Sind Sie ein Freund von klaren Hierarchien?

Matthäus: Warum fragen Sie? Nicht nur in Fußballmannschaften, im Grunde in jedem Berufszweig gibt es Menschen, die ein bisschen mehr zu sagen haben als andere.

SPIEGEL ONLINE: Wir haben den Eindruck, die Hierarchien im Fußball sind flacher geworden.

Matthäus: Das sehe ich anders. Oder würden Sie sagen, Philipp Lahm steht in München nicht über den anderen?

SPIEGEL ONLINE: Er tritt zumindest nach außen nicht so auf.

Matthäus: Die Rangordnungen sind nach wie vor die gleichen, sie werden nur nicht mehr so offen zur Schau getragen. Die Zeiten haben sich geändert, Spieler finden seltener deutliche Worte, weil sie Angst vor den Folgen haben. Die Clubs geben heute häufiger auch mal den Tipp, am Journalisten vorbeizugehen. Und die Kontrolle der veröffentlichten Meinung ist ja auch eine andere, Interviews werden vom Verein autorisiert, der Manager liest drüber. Die Konsequenz ist doch nur logisch: Am Ende ist alles weichgespült.

SPIEGEL ONLINE: Also hat sich nur die Wahrnehmung geändert?

Matthäus: Ja, es ist ruhiger geworden. Lahm ist sehr wohl der Häuptling bei Bayern, aber er verkauft die Rolle nach außen viel cleverer.

SPIEGEL ONLINE: Stimmt es, dass Sie immer sofort aufschreiben, wenn Ihnen bei Fußballspielen etwas auffällt?

Matthäus: Ich versuche es.

SPIEGEL ONLINE: Was ist das letzte, das Sie notiert haben?

Matthäus: Eine Freistoßvariante des FC Bayern. Ribéry und Robben taten so, als ob sie sich nicht einigen könnten, die Abwehrspieler verloren die Konzentration, und plötzlich spielte Ribéry den Ball und Mandzukic macht das Tor.

SPIEGEL ONLINE: Ein überraschender Moment. Aber kann man den Gegner heute überhaupt noch überraschen? Man hat den Eindruck, dass nicht mal mehr Geheimtrainings ihren Namen verdienen.

Matthäus: Fußballtaktik ist wie Schach. Man plant viele Züge im Voraus und stellt dann fest, dass der Gegner sich schon darauf eingestellt hat. Also plant man Züge, die eine Reaktion auf die Reaktion sind. Das Er-weiß-dass-ich-weiß-dass-er-weiß-Prinzip.

SPIEGEL ONLINE: Barcelona hat unter Guardiola angeblich in bestimmten Räumen des Feldes absichtlich den Ball verloren oder es zumindest in Kauf genommen, um den Defensivverbund des Gegners kurz in die Offensive zu zwingen...

Milan-System Ende der Achtziger: "Den Außenverteidiger freistehen lassen"
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Milan-System Ende der Achtziger: "Den Außenverteidiger freistehen lassen"

Matthäus: ...und dann den Ball sofort zurückzuerobern, ich weiß. Es ist ein Prinzip, das so ähnlich schon Milan in den Achtzigern praktiziert hat, ich habe es vorhin beschrieben: Lass die Außenverteidiger freistehen, lass sie Brehme anspielen, dann Attacke. Das habe ich auch in der bulgarischen Nationalmannschaft trainieren lassen. Den bewussten Fehlpass spielen, so, dass er nicht ins Aus läuft. Dem Gegner ganz kurz das Gefühl geben, dass er den Ball hat und dann draufstürzen.

SPIEGEL ONLINE: Ein Beispiel, wie man Erfahrungen aus der eigenen Karriere nutzt.

Matthäus: Genau. Ich denke häufiger an meine Laufbahn zurück, was war gut, schlecht, wo hatte der Gegner Probleme? Ein anderes Beispiel ist die Verteidigung gegen Standardsituationen. Ist Ihnen aufgefallen, was Bayer Leverkusen unter Sami Hyypiä macht?

SPIEGEL ONLINE: Sagen Sie es uns.

Matthäus: Normalerweise stehen bei einem Freistoß 15 Spieler 16 Meter vor dem Tor. Dann wird der Ball reingespielt - und keiner erwischt ihn. Die Folge ist oft ein Tor am langen Pfosten. Bayer steht viel tiefer. Warum? So sind die Leverkusener nicht in der Rückwärtsbewegung, sondern können gegen den Ball arbeiten. Ich mache das auch seit fünf Jahren so, weil ich viele gefährliche Situationen genau in dieser Konstellation gesehen habe. Ein Spieler erwischt den Ball nicht richtig, köpft ihn ins eigene Tor oder irritiert den Torwart. Da positioniere ich mich doch gleich dort, wo der Ball hinkommt und habe ihn vor mir.

SPIEGEL ONLINE: Wir haben uns gefragt: Wofür stehen Sie eigentlich als Trainer? Wir kamen vor allem auf Improvisation und die Förderung junger Spieler.

Matthäus: Ich arbeite sehr gern mit jungen Spielern, vor allem, wenn ich merke, dass diese auch wollen. Mir fallen Andreas Ivanschitz oder Szabolcz Huszti ein, die wollten sich unbedingt verbessern. Beide waren damals 17, 18 Jahre alt, Nachwuchsspieler in Österreich und Ungarn, sie haben nach dem Training noch spezifisch mit mir gearbeitet, so wie mit mir als junger Profi auch gearbeitet wurde. Jupp Heynckes hat meine Schusstechnik trainiert, Trapattoni meinen linken Fuß.

SPIEGEL ONLINE: Wären Sie nicht prädestiniert für eine Stellenausschreibung "Trainer einer DFB-Jugendnationalmannschaft"?

Matthäus: An mich ist niemand vom Verband herangetreten. Angehört hätte ich mir eine Anfrage ganz sicher.

SPIEGEL ONLINE: Sie hätten ernsthaft überlegt?

Matthäus: Natürlich. Ob ich es dann gemacht hätte, ist eine andere Frage. Es kommt ja auch auf die aktuell Verantwortlichen beim Verband an, auf die Planungen und Kompetenzen. Es ist aber kein Problem, dass niemand auf die Idee gekommen ist. Derzeit macht mir mein Leben viel Spaß, das ist wichtiger als ein Trainerjob. Es passt einfach alles.

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insgesamt 93 Beiträge
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Seite 1
m.ertl 13.01.2014
1. Lothar mach es
Lothar sollte sich endlich outen...als Homo oder Bisexueller,vielleicht auh als Sadomasochist oder Nekrophiler.... dann ist er wieder rund um die Uhr im Gespräch Den unsere Medien lieben den Schlafzimmerblick und schnüffeln auch gerne in der Unterwäsche prominenter ZUeitgenossen
zahltag 13.01.2014
2. Schöner Artikel, aber
Endlich mal ein Text über Matthäus der nicht was mit einer Boulevard Geschichte zu tun hat, dankeschön dafür. Man merkt schon das er, dass er einen großen fussballerischen Sachverstand hat, nur mit der Beschreibung eines Khediras bin ich nicht zufrieden, er ist absolut kein defensiv denkender Spieler, damit ist wohl er einer von den Bender Brüdern gemeint.
almansur 13.01.2014
3. Loddar und Schach?
Wenn ich an all' das denke, was er schon so von sich gegeben hat und dabei kaum ein Fettnäpfchen ausgelassen hat, kann ich mir nur schwer vorstellen, daß Lothar Matthäus jemals Schach gespielt hat.
caone 13.01.2014
4. es wäre so schön
ich würd lodda so gerne mal bei nem ruhigen deutschen zweitligaverein sehen. dann soll er mal 2 jahre arbeiten und dann sehen wir weiter. falls dies ein zweitligamnager sieht: versuchen sies bitte. sie können nur gewinnen. wenns schief geht, stürzen sich die medien eh auf lodda umd nicht auf sie. ich glaub einfach, dass er es kann, aber keiner ihm traut. schade
pr8kerl 13.01.2014
5. Gutes Wissen, aber unseriöser Auftritt
Loddar hat offenbar eine Menge Fachwissen und ist ein guter Trainer. Warum darf er dann nicht in Deutschland ran? Weil er eine grottenschlechte Außendarstellung hat. Diese ganzen Frauengeschichten, diese Selbstinszenierung lassen es nicht zu, dass Bundesligaklubs in Matthäus einen seriösen Trainer sehen. Schade eigentlich. Aber das muss Loddar selbst entscheiden.
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