Frankreich-Star Nécib La Zidane

Louisa Nécib ist der Star des französischen Frauenfußballs. Die 28-Jährige hat im Verein alles gewonnen, nur mit der Nationalelf fehlt die Krönung. Dafür braucht es einen Sieg gegen Deutschland.

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Zu Louisa Nécib gehört das Zitat vom Sonnenstrahl. Der ehemalige französische Nationaltrainer Bruno Bini, ein Mensch mit einer Vorliebe für die blumige Sprache, hat seine Starspielerin einmal damit verglichen. Nécib sei eine Fußballerin, bei der ihm warm werde, hatte Bini gesagt. Das ist Jahre her, aber seitdem hängt ihr das Bild von der Sonne an. Es gibt ja auch schlechtere Komplimente. Am Freitag wird sie ihr Bestes geben, um ihr Team im Viertelfinale gegen Deutschland (22 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) zum Strahlen zu bringen.

Zu Louisa Nécib gehört allerdings noch ein anderer Vergleich. Als Kind algerischer Einwanderer in Marseilles Vorort La Castellane aufgewachsen, als Straßenfußballerin das Kicken erlernt, aufgestiegen zur Mittelfeldregisseurin des Nationalteams - Parallelen zu Zinedine "Zizou" Zidane, dem Chef der Weltmeistermannschaft von 1998, sind da schwerlich zu vermeiden. "Ziza" wird Nécib zuweilen genannt. Sie sagt dazu, höflich, wie sie ist: "Mit ihm verglichen zu werden, ist schön und macht mich stolz." Aber Zizou sei nun einmal einzigartig, und auf ihre Weise ist sie das auch.

Das französische Frauenteam bei dieser WM hat viele herausragende Individualistinnen. Die beiden Stürmerinnen Eugénie Le Sommer und Marie-Laure Delie gehören dazu, die beide schon dreimal in diesem Turnier getroffen haben. Die charismatische Spielführerin Wendie Renard, die elegante Offensivspielerin Élodie Thomis. Aber sie alle erkennen den Führungsanspruch von "Ziza" an.

Schon bei zwei Turnieren im Allstar-Team

Schon bei der WM vor vier Jahren, als Frankreich Vierter wurde, gehörte sie zu den besten Spielerinnen des Turniers, auch bei der EM vor zwei Jahren wurde sie ins Allstar-Team berufen, mit Olympique Lyon hat sie ein Abonnement auf die französische Meisterschaft, zweimal hielt sie die Champions-League-Trophäe in der Hand. 2011 und 2014 war sie als Weltfußballerin nominiert, schaffte es aber nicht unter die besten drei.

Nécib hat vor zehn Jahren ihr erstes Länderspiel bestritten, inzwischen sind es 129 Einsätze, eigentlich ist es schwer zu glauben, dass sie erst 28 Jahre alt ist. Sie ist schon so lange dabei, sie prägt schon so lange den Stil der Équipe Tricolore.

Jubelnde Französinnen: "Technisch brillant"
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Jubelnde Französinnen: "Technisch brillant"

Und dennoch: Der ganz große Wurf mit den Französinnen musste bis heute warten. 2011 verspielten die Französinnen den dritten Platz gegen Schweden, obwohl sie lange in Überzahl waren. Nécib verletzte sich in der Partie zudem früh. Vor zwei Jahren reiste das Team von Bini als Mitfavorit zur EM nach Schweden und scheiterte im Viertelfinale gegen England im Elfmeterschießen an den Nerven.

Bini ging danach frustriert, und Philippe Bergeroo übernahm das Team. Der frühere Nationaltorwart hat das Team seitdem noch reifer gemacht, auf Rang drei der Weltrangliste gebracht. Kein Team qualifizierte sich so souverän für die WM wie die Französinnen.

Das Zusammenspiel von Nécib mit ihren drei Vorderleuten Le Sommer, Thomis und Delie funktioniert so gut wie noch nie. Im Viertelfinale gegen Südkorea hatte die Bergeroo-Elf die Partie schon nach acht Minuten mit zwei schnellen Toren entschieden. Dass man sich in der Vorrunde gegen Kolumbien eine 0:2-Pleite erlaubte, wird als Ausrutscher abgehakt. Da sei man "nicht ganz bei der Sache gewesen", sagte Abwehrchefin Renard.

Großes Lob kommt auch von Silvia Neid

Mit Lob werden die Französinnen auch vom Viertelfinalgegner überhäuft. Das Team sei "technisch brillant", schwärmt Bergeroos Kollegin Silvia Neid. Ein Erbe Binis, der über Jahre gepredigt hatte, Frankreich könne läuferisch und kämpferisch mit Deutschland, den USA oder Schweden nicht mithalten. Deshalb müsse man technisch und spieltaktisch dagegenhalten.

Trainer-Vorgänger Bini: Team starb in Schönheit
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Trainer-Vorgänger Bini: Team starb in Schönheit

Bergeroo ist als Coach ein sehr anderer Typ als der Trainerpoet Bini. Sein Vorgänger sah sich gerne als Erzieher, als Humanist, er liebte es, Rimbaud oder Camus zu zitieren. Im Trainingscamp gab es ein Literaturcafé für die Spielerinnen. Ob es viel genutzt wurde, ist nicht überliefert. Zumindest spiegelte das Abschneiden seiner Mannschaft das Wesen ihres Trainers wieder: Sie starb bei Turnieren in Schönheit.

Nachfolger Bergeroo ist ein weitaus nüchternerer Typ, er hat es nicht so mit den französischen Klassikern, dafür hat er Bini anderes voraus. Er weiß, wie man Titel holt. Bei der EM 1984 war er als Ersatzkeeper im Aufgebot, als Michel Platini, Alain Giresse und die anderen Ballkünstler die Nation in Entzücken versetzten. 1998 gehörte er als Torwarttrainer dem Stab von Weltmeister-Coach Aimé Jacquet an.

Von daher weiß der Trainer vermutlich am besten, wie nah "Zizou" und "Ziza" sich wirklich sind.

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insgesamt 7 Beiträge
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il_phenomeno 25.06.2015
1. naja
mit zizou zu vergleichen ist ja schön aber diesem Vergleich wird niemand gerecht. das musste auch schon ein überschätzter linksaußen vom FCB erfahren. aber Frauen wm ist echt klasse. bin begeistert, v.a. weil ich vorher nix davon gehalten habe. ist wirklich gut geworden der Fussball
laffleur 25.06.2015
2.
Zitat von il_phenomenomit zizou zu vergleichen ist ja schön aber diesem Vergleich wird niemand gerecht. das musste auch schon ein überschätzter linksaußen vom FCB erfahren. aber Frauen wm ist echt klasse. bin begeistert, v.a. weil ich vorher nix davon gehalten habe. ist wirklich gut geworden der Fussball
Zidane ist einer der besten Spieler aller Zeiten. Dem Vergleich nicht gerecht zu werden ist demnach keine Schande. Warum genau der "Linksaußen vom FCB" überschätzt ist wissen Sie vermutlich exklusiv. Bei der Wahl zum Weltfußballer "nur" Platz 3 hinter zwei weiteren legendären Spielern (vgl. zu Zidane) zu werden ist nun wirklich kein Armutszeugnis.
Malshandir 25.06.2015
3. Topgame
Ich habe Frankreich live bei Olympia in London erlebt. Fuer mich treffen morgen zwei Favouriten aufeinander. ich hoffe, es wird ein megatolles Spiel.
kugelsicher, 25.06.2015
4. Wird auf dem Rasen schwer
Wenn unsere Mädels die raus werfen, können sie tatsächlich den Titel holen. Dann wären da nur noch USA und Japan, auch machbar. Allerdings kommt dieser dämliche Kunstrasen den technisch starken Teams entgegen. Die kleinen, präzisen Japanerinnen z.B. Aber Frankreich eben auch mit ihrem genauen Passspiel. Und D. kommt ja eher über das Pressing, den Kampf und die langen Bälle in den Strafraum. Von daher ist Frankreich wohl eher der Favorit auf dem Geläuf. Aber wenn eine Maroszan einen guten Tag hat, ist alles möglich. auch der WM Titel. Go Jennifer und zeig endlich mal du drauf hast!
fritzyoski 25.06.2015
5. Frankreich technisch brilliant
Vor allem Le Sommer ist filigran Technikerin, was besseres habe ich bei dieser WM nicht gesehen. Wie es um die Abwehr Frankreichs bestellt ist werden wir am Freitag sehen. Die sind bisher kaum gefordert worden. Mein Tip, wer dieses Spiel gewinnt wird Weltmeister.
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