Fußballweltmeister Hunderte Fans empfangen Podolski in Japan

Er gab Autogramme, er machte Selfies, er hielt sogar Babys auf dem Arm: Lukas Podolski ist von Hunderten Fans seines neuen Klubs Vissel Kobe begeistert in Empfang genommen worden.

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Nach der Landung auf dem Flughafen der Hafenstadt Kobe warteten bereits Hunderte japanische Fans auf Lukas Podolski. Der Fußballweltmeister wurde begeistert empfangen - teils warteten Anhänger seines neuen Klubs mit ihren Familien entlang eines roten Teppichs und skandierten seinen Namen, als der 32-Jährige aus der Maschine trat.

In der schwülen Morgenhitze schritt Podolski durchs Spalier in kurzer Hose und einer Schirmmütze, auf die vorn in japanischen roten Schriftzeichen sein Spitzname Poldi und auf der Rückseite die japanische Flagge gestickt war. Ein guter Empfang sei das, rief Podolski Reportern zu, während er Autogramme gab, lächelnd Selfies mit den Handys seiner Fans machte und zur großen Begeisterung der Menge mit japanischen Babys im Arm posierte.

Der Ex-Nationalspieler wird künftig für den japanischen Erstligisten Vissel Kobe spielen und dort womöglich seine Karriere beenden. "Auf Japanisch was sagen? Konnichiwa!", sagte er grinsend, nachdem er begleitet von wilden Gitarrenriffs und Applaus den überfüllten Presseraum des japanischen Erstligisten betreten hatte. Die Liveübertragung im Internet verfolgten knapp 100.000 Menschen.

"Fokus liegt nicht nur auf Fußball"

"Wenn man so empfangen wird, ist es immer schön. Da ist man stolz", sagte Podolski: "Ich habe noch nicht viel gesehen, aber ich habe jetzt zweieinhalb Jahre Zeit, sportlich vieles richtig zu machen und die Stadt kennenzulernen. Der Fokus liegt nicht immer nur auf Fußball."

Zuvor lief Podolski für Galatasaray Istanbul auf, beim türkischen Traditionsverein war er Publikumsliebling und erzielte 34 Tore in 75 Pflichtspielen. Begonnen hatte der Stürmer seine Profikarriere bei seinem Jugendklub 1. FC Köln 2003. Drei Jahre später wechselte er zum FC Bayern, konnte sich dort aber nie durchsetzen. Es folgte Anfang 2009 die Rückkehr nach Köln. Von 2012 bis 2015 stand Podolski beim FC Arsenal unter Vertrag, war aber in der Rückrunde der Saison 2014/2015 an Inter Mailand ausgeliehen. Anschließend wechselte er nach Istanbul.

In Kobe hat Podolski einen Vertrag bis Ende 2019 unterschrieben, der ihm angeblich rund 20 Millionen Euro einbringen soll. Er ist auf Anhieb prominentester Spieler in der J-League. Spätestens am Freitag soll Podolski erstmals mit seinen neuen Teamkollegen trainieren. Spielberechtigt ist er allerdings erst ab dem 25. Juli, somit dürfte er erstmals am 29. Juli gegen Omiya Ardija für Kobe auflaufen. Derzeit liegt Vissel in der Tabelle nach 17 von 34 Partien auf Rang elf.

Von Twitter hatte Podolski als Antrittsgeschenk ein eigenes Emoji erhalten. Diese Ehre war zuvor nur einem anderen Fußballer zuteilgeworden - Paul Pogba, nachdem dieser für eine Rekordsumme von Juventus Turin zu Manchester United gewechselt war.

max/dpa



insgesamt 5 Beiträge
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doppelnass 06.07.2017
1.
Das freut mich für Podolski. Wo immer er war, liebten ihn die Fans. Sein einziger Fehler war sicher, zu früh zu Bayern zu gehen. Ansonsten hat er eine wunderbare Karriere hingelegt und sich ein schönes Ausklingen redlich verdient. Wer weiss, wo die NM stehen würde, wenn es ihn nicht gegeben hätte. Und das meine ich mehr menschlich als spielerisch. Alles Gute in Japan, Poldi. Lass Dir die Steaks schmecken.
coolstuff 06.07.2017
2. Zwiespältiges Bild
Ich mochte Poldi immer sehr gerne, da er als Mensch immer sympathisch und natürlich geblieben ist. Seit kurzer Zeit läuft aber einen Werbevideo auf n-tv, in dem die Türkei um Investitionen aus dem Ausland wirbt. Poldi sagt dort strahlend in die Kamera, dass er in der Türkei sein persönliches Glück gefunden hat. Einblendungen rühmen die Stärke der türkischen Wirtschaft. Ich war total entsetzt. Ich hätte das Video noch verstanden, wenn er noch einige Jahre in der Türkei verbringen müsste, und es sich mit dem Regime nicht verscherzen will. Oder wenn er dringend auf das schmutzige Geld aus dem Werbevideo angewiesen wäre. Aber Geldprobleme scheint er nicht zu haben, was ihm gegönnt ist. Die Handlungen eines so prominenten Spielers sind nun einmal automatisch politisch wirksam. Er muss sich also fragen lassen, warum er Werbung für ein menschenverachtendes Regime macht. In meiner Achtung ist Lukas Podolski stark gesunken.
alaba27 06.07.2017
3. Prinz Poldi
war, ist und bleibt eine Blitzbirne mit einem relativ guten linken Fuß. Ich weine dem "Spaßvogel der Nationalmannschaft" keine Träne nach. Für sein "Talent" hat er sagenhaft kassiert, bei Bayern, Arsenal, Istanbul und jetzt in Japan.
mariomeyer 06.07.2017
4. @alaba27
2003 nicht in Köln gelebt - oder wenigstens den Express gelesen? Kann das sein? Die Begeisterung darüber, ein solches Talent aus der eigenen Jugend in die 1. Mannschaft hochziehen zu können, war in der gesamten Stadt zu spüren. Wenn man das im Hinterkopf hat, kann man nur den Hut davor ziehen, was aus dem damals noch sehr jungen Mann geworden ist. Ich verstehe nicht, warum Leute wie Sie kein gutes Haar an Sportlern wie Lukas Podolski lassen - es lässt Sie nicht unbedingt sympathisch auf mich wirken.
micheleyquem 06.07.2017
5. Eine weise Entscheidung
Angesichts der "Qualität" der J-League war es eine weise Entscheidung von Poldi nach Japan zu gehen, und das Angebot aus China abzulehnen. Hat er bei den Bayern also doch was gelernt, zumindest was die Selbsteinschätzung angeht. Allerdings hat er sich die unangenehmste Jahreszeit zur Ankunft ausgesucht. Heisse Tempereaturen, auch Nachts, und eine extreme Luftfeuchtigkeit. Und der erste Taifun der Saison war auch pünktlich in Kobe zur Begrüssung...
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