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15. August 2016, 16:46 Uhr

Liebeserklärung an Lukas Podolski

Und immer Späßje dabei

Lukas Podolski hat seine DFB-Karriere beendet. Ein kleiner Schnitt für die Menschheit, ein schrecklicher für Katharina Blass. Die Kölnerin hat den Kölner seit der Jahrtausendwende verehrt. Hier nimmt sie Abschied.

Ich kam gerade vom Zahnarzt, als ich es erfuhr. Autoschlüssel in der rechten, Smartphone in der linken Hand. Stillstand. Nicht nur meine Wange, auch mein Herz war betäubt. Es wird sein wie der 11. September - noch in zig Jahren werde ich wissen, wo ich war, als du gingst. Jetzt bist du weg. Du verlässt die Nationalmannschaft. Nach zwölf Jahren machst du Schluss in einem Facebook-Post. Mehr Zeit für die Familie möchtest du haben. Pah! Lukas! Ich bitte dich! Ich hab dich so oft retweetet und jetzt das?! Die Spiele von LaMannschaft sind doch die einzigen Momente, in denen ich heimlich schwärmen kann!

Meinen Schmerz über den Verlust kann ich nur mit deinen eigenen Worten ausdrücken. Du formuliertest sie, als du im Dezember 2003 auswärts bei Hansa Rostock dein erstes Tor für den FC geschossen hast, und ihr trotzdem nur 1:1 gespielt habt. Weißt du noch? "Erst haben wir Elfmeter, dann kriegen wir noch ein Gegentor, das ist natürlich Scheiße." So. Genau so sieht es aus. Damals war ich übrigens auch noch keine 20 Jahre alt. Aber während ich ausprobierte, wie viel Batida de Coco Kirsch in mich reinpasst, standst du auf dem Platz. Da ist ja auch wichtig. Du hast es immer gewusst. Du hast immer geackert, gekämpft und nix geschenkt bekommen. Und immer Späßje dabei. Du bist us em Levve - aus dem Leben - wie man im Rheinland sagt.

Lukas, du warst immer unser Lieblingsthema, als wir in Euskirchen (in der Nähe von Bergheim -> Zeichen!) im Maat Stüffje den Deckel mit Kölsch und Kabänes rundgesoffen haben. "Habt ihr schon gesehen, der Lukas ist in Denkerpose über seinen eigenen Platz geschlendert, turbo lässig", schwärmten wir im November 2010, als du in deiner Heimat Bergheim den Lukas-Podolski-Sportpark eröffnet hast. Lukas. Wir nannten dich nie Poldi, oder gar Prinz Poldi. Dafür warst du zu sehr einer von uns. Unser schnörkelloser Lukas.

Gut, wir haben damals weniger hart an unserer Karriere gearbeitet. Und heute sind wir wohl weniger großherzig als du. Aber wenn jeder Mensch einmal am Tag wenigstens versucht, ein bisschen zu sein wie du, dann ist die Welt doch schon ein Stückchen besser, oder? Und wir haben es oft versucht. Doch ganz so witzig, jeck, herzlich, dankbar und vor allem reich wie du sind wir nie geworden.

Du hast mal gesagt: "Immer wenn ich in Istanbul den FC auf Sky gucke und die Hymne läuft, das ist immer was Besonderes. Das macht sogar am Fernsehen Spaß anzuschauen." Ich wünschte, du würdest mich meinen.

Nachdem du weggingst aus Köln, waren deine Momente mit der DFB Elf meine Lichtblicke. Ich muss es gar nicht alles aufzählen. Unser kollektives Gedächtnis hat eine fette Schublade mit der Aufschrift "Lukas". Wie du dich mit Schweini (ja, ihn nenne ich beim Diminutiv, mein Bester!) neckst, 2014 den WM-Pokal umarmst und du zwei Jahre später einfühlsam das Handspiel deines Trainers erklärst. Ich glaube, ich könnte aus jeder Pressekonferenz einen überragenden Gag erzählen. Ach du, ich weiß, warum du in Gold nicht aufzuwiegen bist. Und die anderen wissen es auch. Die ganze Welt weiß es.

Erst hatte ich dich geflockt auf dem Rücken. Dann im Duplo. Jetzt im Herzen. Für mich bleibst du für immer meine Nummer 10.

Deine Katharina.

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