Podolski zur "Kartoffel/Kanaken"-Debatte "Rassismus gab es nicht"

In der Nationalelf gab es zu seiner Zeit keinen Rassismus, sagt Fußballer Lukas Podolski. Zwar hätten sich Spieler als "Kanaken" und "Kartoffeln" bezeichnet. Das seien aber nur "lockere Sprüche" gewesen.

Lukas Podolski (März 2017)
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Lukas Podolski (März 2017)


Der ehemalige Fußballnationalspieler Lukas Podolski hat den Bericht über einen kulturellen Riss in der Nationalmannschaft zurückgewiesen - zugleich aber eingeräumt, dass sich Spieler als "Kanaken" und "Kartoffeln" bezeichnet hätten.

"Deutschland ist ein Multi-Kulti-Land, und wie auf der Straße werden auch in der Nationalmannschaft ein paar lockere Sprüche untereinander gemacht", sagte Podolski der "Bild". Ausdrücke wie "Kanaken" und "Kartoffeln" seien schon bei der EM 2016 gefallen. "Jeder von uns weiß dabei, dass es als Flachs gemeint ist."

Der 33-Jährige bezog sich auf einen SPIEGEL-Bericht. Demnach ging bei der WM in Russland durch das DFB-Team ein kultureller Riss: zwischen Spielern mit Migrationshintergrund und jenen ohne ausländische Vorfahren, zwischen "Kanaken" und "Kartoffeln".

Podolski, der polnische Wurzeln hat, sagte der Zeitung: "Rassismus hat damit nichts zu tun, und den gab es bei uns in all den Jahren nicht, die ich dabei war." Podolski war 2016 aus dem DFB-Team zurückgetreten und spielt seit 2017 in Japan bei Vissel Kobe.

Vor allem seit dem Rücktritt Mesut Özils aus der Nationalmannschaft wird verstärkt über das Thema Rassismus beim DFB diskutiert. Özil hatte entsprechende Vorwürfe gegen DFB-Präsident Reinhard Grindel erhoben, der Verbandsboss wies sie zurück (mehr dazu lesen Sie hier).

Mittelfeldspieler Ilkay Gündogan sagte am Montag, im Zusammenhang mit dem umstrittenen Erdogan-Foto sei "teilweise die Grenze zum Rassismus überschritten" worden. Innerhalb der Nationalmannschaft habe er aber keinen Rassismus erfahren. "Natürlich gab es hier oder da mal einige Witze über gewisse Instagram-Postings", sagte Gündogan. "Das war aber jederzeit immer nur als Spaß zu verstehen und hatte definitiv auch nichts mit Rassismus zu tun."

DFB-Verbandspräsident Reinhard Grindel sagte am Montag, er habe es nicht erlebt, dass es in der Mannschaft verschiedene Gruppen gebe. Den SPIEGEL-Bericht nannte er "übertrieben".

aar/dpa

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dasfred 28.08.2018
1. Wo Menschen gemeinsam am selben Ziel arbeiten,
da nimmt man Unterschiede wahr, aber man setzt sie nicht in Feindseligkeit um. Das schadet dem ganzen Team. Andere Herkunft oder Hautfarbe ist ja nicht wegzudiskutieren, sondern als gleichwertig anzunehmen. Von daher finde ich Podolskis Aussage glaubwürdiger, als Meinungen, die spaßige Sprüche aufgrund etnischer Merkmale zu Rassismus hochkochen. Ich kenne diese Art Umgang persönlich zwischen Schwulen und Heten. Da gehen solche Sprüche unter die Gürtellinie aber nicht gegen die Persönlichkeit. Oder zwischen Hamburgern und Bremern. So what.
stefan.p1 28.08.2018
2. Respekt, Lukas
genau wie bei der "Sackkratz"Affäre um Löw schaft es Podolski mit einem einzigen Satz einen zum Skandal aufgebauschte Rücktritt eines Nationalspielers die richtige Wertigkeit zu geben. Damit sollte jetzt aber auch endlich ein Schlußstrich unter diesen Vorgang gemacht werden.
808tom 28.08.2018
3. Für diese Generation ist dieses Vokabular normal...
In meiner Grundschule Mitte der Neunziger haben wir das erste Mal "Kanaken" gegen "Kartoffeln" Fußball gespielt. Wer mit Kindern mit Migrationshintergrund aufgewachsen ist, wird sowas oder ähnliches schon gehört haben. Das betrifft wohl die meisten Menschen unter 35 in Deutschland, der Rest ist jetzt schockiert. LOL... Dass das Veralbern unter Teamkollegen hier zum großen Thema gemacht wird während Sachsen von Nazis überrannt wird, ist schon bemerkenswert. Als hätte die AFD das Skript dazu geschrieben. Man hat es hier mit (körperlich) Erwachsenen zu tun, die keine Leistung bringen sollen, weil ein Mitspieler Witze über sie macht? Was ein Schwachsinn... Auch wenn man es nicht verstehen will, so haben wir früher übereinander geredet. Und so reden Jugendliche heute immernoch übereinander. Italiener waren Spaghettis, Polen waren Autodiebe, Türken halt Kanaken und Deutsche Kartoffeln, das alles im harmlosesten Fall. Natürlich wird dieses Vokabular dann auch seit Jahren noch von der HipHop Musik kultiviert. Mir persönlich war es recht egal wenn jemand mich Kartoffel nannte, dann muss er allerdings damit rechnen, dass ich ihn ebenfalls auf sein Äußeres reduziert habe. Irgendwann wächst man zum Glück da raus... Es sei denn man ist Profi-Fußballer. Ich habe das Gefühl die meisten sind mental immer noch 16, siehe Ribery mit seinen albernen Gangsta Outfits und seiner einrasierten Rückennummer. BTW, ich kann mir nicht vorstellen, dass es innerhalb der französischen Nationalmannschaft anders zugeht. Übrigens kommt Kanake vom hawaiianischen Kanaka, was einfach "Mensch" heisst.
markus.w77 28.08.2018
4.
Die vernünftigste Einstellung gegenüber vermeintlichen Rassismus. Wenn ich gestern Abend bei Plasberg höre, das sich jemand rassistisch behandelt fühlt, weil Sie in der Schlange beim Bäcker übergangen wurde, dann werde ich (100kg/188cm) jeden 3. Tag diskriminiert, weil sich irgendeine Oma vorgedrängelt hat, oder genau meine Supermarktkasse gerade schliessen möchte. So wichtig nehme ich mich gar nicht, das ich denke es könnte an mir liegen.
waltherheisenberg 28.08.2018
5. Einschätzung
Nun ist Lukas Podolski sicherlich nicht die hellste Kerze auf der DFB-Torte gewesen. Seit der Ohrfeige für Michael Ballack, Dönerbudenaffäre etc. hätte der Spiegel anfangen müssen, seinen Lesern weitere Kapitel von Podolski zum Thema "Klein Lukas und wie er die Welt sieht!" zu ersparen. Eine Erkenntnis wurde meines Erachtens aber vergessen. Der DFB hat über Jahre seine schützende Hand selbst über solche Prols wie Podolski gehalten. Immerhin!
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