Machtkampf in Hamburg HSV droht die Spaltung

Es kann nur einen geben: Beim Hamburger SV liefern sich Sportchef Beiersdorfer und Präsident Hoffmann einen erbitterten Machtkampf. Der Aufsichtsrat versucht zu schlichten - doch die Erfolgschancen sind gering. Ein erstes Treffen der Beteiligten brachte kein Ergebnis.

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Hamburg - Die Bilanz kann sich sehen lassen: Zwei U17- und einen U19-Europameister hat der Hamburger SV in jüngster Zeit hervorgebracht. Mit Jérôme Boateng, Dennis Aogo und Änis Ben-Hatira stellt der HSV drei Spieler der aktuellen U21-Nationalmannschaft, die bei der aktuell stattfindenden EM in Schweden zu den Stammkräften gehören. Doch der erfolgreichen Nachwuchsarbeit droht ein Rückschlag.

HSV-Vorstände Hoffmann, Beiersdorfer: Streit um sportliche Kompetenzen
DDP

HSV-Vorstände Hoffmann, Beiersdorfer: Streit um sportliche Kompetenzen

Im jüngsten Streit zwischen dem HSV-Vorstandsprimus Bernd Hoffmann und dem zweiten Vorsitzenden, Sportchef Dietmar Beiersdorfer, geht es auch um unterschiedliche Auffassungen über die Arbeit des Unterbaus. Einige Mitarbeiter fühlen sich nicht genug gewürdigt, andere beschweren sich über Hoffmanns autoritären Führungsstil. Daher hält ein großer Teil der Nachwuchs- und Scouting-Abteilung im aktuellen Streit zum Sportchef.

"Wenn Beiersdorfer geht, dann nicht alleine", warnt ein Mitarbeiter, der nicht namentlich genannt werden möchte, gegenüber SPIEGEL ONLINE - und fügt hinzu: "Eine weitere konstruktive Zusammenarbeit mit Bernd Hoffmann ist für viele aus dem sportlichen Bereich ohne Dietmar Beiersdorfer schwer bis gar nicht mehr vorstellbar."

Dem HSV droht damit zehn Tage vor dem Trainingsauftakt der Bundesliga-Mannschaft ein Stillstand im sportlichen Bereich.

Bislang hieß es, Auslöser für den Streit zwischen Hoffmann und Beiersdorfer seien unterschiedliche Auffassungen in der Bewertung der vergangenen Saison. Wie SPIEGEL ONLINE aus dem Umfeld der sportlichen Abteilung erfuhr, gab es allerdings einen weiteren Streitpunkt, der entscheidend zur Eskalation und letztendlich zum Einschalten des Aufsichtsrats durch Dietmar Beiersdorfer beigetragen hat.

Kritik an Hoffmanns Mitarbeiterführung

Dem Sportchef soll Hoffmanns Umgang mit den Mitarbeitern seiner Abteilung stark missfallen haben. Beiersdorfer ist laut Satzung nicht nur für den Lizenzspielbetrieb alleinverantwortlich, sondern auch für den "Fußball-Nachwuchsbereich sowie das Nachwuchsleistungszentrum." Hoffmann soll die abgelaufene Saison des HSV-Unterbaus in einer internen E-Mail als enttäuschend bezeichnet haben.

Zudem habe Hoffmann in besagter E-Mail, die bereits am 11. Juni verschickt wurde, einen Mitarbeiter des Nachwuchsbereichs dazu aufgefordert, über Nacht einen umfangreichen Fragenkatalog zu beantworten, wie die Effizienz in den kommenden Jahren gesteigert werden könne. Ursprünglich sollte es in dem seit Längerem feststehenden Termin eigentlich um die Budgetplanung für die neue Saison gehen.

Darüber hinaus soll Hoffmann von den Abteilungsleitern der Scouting- und Nachwuchsbereiche verlangt haben, künftig an seinen Assistenten Stephan Hildebrandt zu berichten. Dieser war vor einem Jahr auf Wunsch von Beiersdorfer als Nachwuchschef abgelöst worden. Beiersdorfer blieb dem Besprechungstermin mit Hoffmann daraufhin aus Protest fern.

Hinzu kam, dass Hoffmann laut Informationen der "Hamburger Morgenpost" einen Termin zur Kaderplanung für die kommende Saison mit dem neuen Trainer Bruno Labaddia und Chef-Scout Michael Schröder hinter Beiersdorfers Rücken vereinbart haben soll. Der Sportchef war zu diesem Zeitpunkt mit Co-Trainer Eddy Sözer in Tirana um den albanischen Nationalspieler Lorik Cana zu beobachten.

Hoffmanns Alleingänge gingen Beiersdorfer offenbar zu weit. Er schaltete den Aufsichtsrat ein, das Verhältnis zwischen den beiden Vorständen ist seither schwer gestört.

Erstes Treffen ohne Ergebnis

Beiersdorfer wollte sich auf Anfrage von SPIEGEL ONLINE ebenso wenig zu dem Disput äußern wie Hoffmann. Nun ist der Aufsichtsrat gefordert. Am Montagabend tagte der vierköpfige Personalausschuss gemeinsam mit Beiersdorfer und Hoffmann. Doch das Treffen brachte kein Ergebnis. Aufsichtsratsboss Horst Becker sagte dem "Kicker": "Wir haben fast drei Stunden sehr offene Gespräche geführt und wir werden weitere Gespräche führen." Wie es weitergeht ist noch nicht abzusehen. "Es waren sehr emotionale Gespräche, jeder soll das jetzt erst einmal sacken lassen", so Becker.

Es wird nicht einfach werden. Seit Jahren gibt es immer wieder Kompetenzgerangel und Streitigkeiten zwischen dem eher introvertierten Beiersdorfer und dem Macher Hoffmann. Die jüngsten Personalentscheidungen sprechen dabei eher gegen Beiersdorfer. Von den sechs Zugängen, die in der Winterpause geholt wurden, schlug kein einziger ein. Im Gegenteil. Für die neue Saison steht bislang kein einziger Einkauf fest.

Dafür kokettieren Stars wie Paolo Guerrero und Mladen Petric öffentlich mit ihrem Wechsel. Stürmer Petric beschwerte sich zuletzt über mangelnde Aufmerksamkeit seitens des HSV, nachdem Meister Wolfsburg starkes Interesse bekundet hatte. Er hätte sich einen Anruf von Sportchef Beiersdorfer gewünscht, so der Angreifer.

Dem Aufsichtsrat bleibt nur die Möglichkeit, den ohnehin schon großen Schaden in Grenzen zu halten. Die Kompetenzen müssen wieder klar voneinander abgegrenzt werden, so, wie es in der Geschäftsordnung des Vorstandes festgeschrieben ist. Demnach ist Hoffmann für den Bereich Finanzen und Verwaltung zuständig, Beiersdorfer obliegen die sportlichen Abteilungen. Dass sich Hoffmann mit dieser Degradierung abfinden wird, darf bezweifelt werden. Wahrscheinlicher ist, dass Beiersdorfer den von ihm initiierten Machtkampf verliert. Am Ende könnte dann der gesamte Verein als der große Verlierer dastehen.

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