Magath wieder in Wolfsburg Zurück in die Zukunft

Die Rückkehr von Felix Magath nach Wolfsburg ist folgerichtig: Die Mannschaft ist im Abstiegskampf nun hochmotiviert, der Trainer bekommt die Möglichkeiten, die er für sein Regime braucht. Dazu erhält Magath noch die Chance für eine persönliche Revanche.

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"Irrsinnig", "unglaublich", "wahnwitzig": Das sind die Kommentare, die die Meldung vom Wechsel von Felix Magath zum VfL Wolfsburg begleitet haben. Diese Einschätzungen liegen jedoch im Kern falsch. Die sofortige Rückkehr Magaths zu dem Verein, mit dem er 2009 den Meistertitel errang, mag durch die Schnelligkeit, mit der sie zustande kam, überraschen: Sie ist aber ein logischer Schritt für alle Beteiligten.

Magath bedient sich dabei quasi in seiner eigenen Geschichte. Es ist nicht nur das Comeback des Meistertrainers an alter Wirkungsstätte. Der 57-Jährige ist zudem wieder da angekommen, wo er als Coach anfing: in der Rolle des Feuerwehrmannes, der einen akut abstiegsbedrohten Club innerhalb kurzer Zeit vor der Zweitklassigkeit zu retten hat. Dafür wurde Magath bei seinen ersten Bundesliga-Engagements angeheuert: in Frankfurt, in Nürnberg, in Stuttgart. Erst bei dieser letzten Station wandelte sich Magath zum Mann für Spitzenteams wie den FC Bayern München.

Magath kann beim VfL auf bekannte Strukturen zurückgreifen. Er ist auch nach seinem Abgang 2009 mit der Vorstandsetage des Volkswagen-Konzerns gut vernetzt geblieben, mit VW-Chef Martin Winterkorn ist er freundschaftlich verbunden. Wie Magath auf Schalke vorging, wie er rabiat Widerstände aus dem Weg räumte und jegliche Vereinstradition missachtend seine Linie durchzuziehen suchte, dürften die VW-Manager eher anerkennend beobachtet haben.

Magath denkt wie ein Unternehmer. Auf Schalke war sein Scheitern dadurch vorgezeichnet, in Wolfsburg wird seine Linie dagegen sehr geschätzt. In Magath erkennen die VW-Bosse einen Typ ihresgleichen. Beim VfL gibt es zudem keine Tradition, die der Trainer zerstören könnte.

In Wolfsburg genießt Magath Rückendeckung

Man darf davon ausgehen, dass die Kontakte zwischen dem VfL und Magath schon länger bestanden als erst seit diesem Mittwoch, als Magath in Gelsenkirchen seines Amtes enthoben wurde. Das "System Magath", in dem sich Autorität und Härte mischen, kann möglicherweise nur in einer Umgebung funktionieren, wie Wolfsburg sie bietet. Hier hat der Trainer die Machtfülle und, was noch wichtiger ist, die nötige Rückendeckung der Verantwortlichen, um ein Regime nach seinen Vorstellungen zu errichten. Und die millionenschwere Abfindung auf Schalke nimmt der clevere Coach auch noch mit - wenn die Gerichte sie ihm zusprechen.

Magath hat Wolfsburger Profis wie Marcel Schäfer oder Sascha Riether zu Nationalspielern gemacht, er hat sie zu Höchstleistungen angetrieben. Der brasilianische Stürmer Grafite war nie so gut wie in den zwei Jahren unter Magath. Sie alle sind immer noch da, sie alle sind nach Magaths Abgang in ein Leistungsloch gefallen, konnten ihre Fähigkeiten unter den glücklosen Nachfolgern Armin Veh, Lorenz-Günther Köstner, Steve McClaren und Pierre Littbarski nicht mehr im gewohnten Maß abrufen. Sie werden sich jetzt vermutlich wieder die Seele aus dem Leib rennen. Für die Konkurrenten im Abstiegskampf ist die Personalie Magath keine gute Nachricht.

Verlierer gibt es in einem solchen Spiel selbstverständlich auch immer - in diesem Fall heißen sie Pierre Littbarski, der Wolfsburger Übergangscoach von der traurigen Gestalt, und Dieter Hoeneß. Der Manager hat in Wolfsburg innerhalb kurzer Zeit nicht nur vier Trainer verschlissen, sondern auch die Sündenbockrolle für die sportliche Misere des Vereins aufgedrückt bekommen. Hoeneß hatte mit seinen Transfers kein Glück - die Verpflichtung von Mittelfeldspieler Diego, zunächst als Coup gefeiert, hat sich nicht rentiert. Die Lücke, die Stürmerstar Edin Dzeko aufgerissen hat, ist nicht im Ansatz geschlossen worden.

Zeit von Hoeneß in der Bundesliga scheint vorbei

Dazu hatte er auch in der Trainerfrage keine glückliche Hand. Mit Ralf Rangnick als Coach für die kommende Saison war er sich eigentlich schon einig. Der ehrgeizige Rangnick jedoch düpierte Hoeneß in dieser Woche und ergriff lieber kurzfristig die Chance, bei seinem alten Club auf Schalke einzusteigen und ab sofort einen Viertelfinalisten der Champions League zu trainieren. Auch Hans Meyer ließ sich von Hoeneß nicht überzeugen, aus seinem Rentnerdasein zurückzukehren, um den Verein in den letzten Wochen der Saison zu betreuen.

Hoeneß hatte sich in Wolfsburg einen ähnlichen Status der Allmacht erhofft, wie er ihn lange bei Hertha BSC in Berlin innehatte. Dazu wären aber sportliche Erfolge nötig gewesen. Als die ausblieben, war von der Aura Hoeneß' nicht mehr viel übrig. Der 59-Jährige wird es schwer haben, in der Liga noch einmal einen adäquaten Job zu bekommen.

Der ähnlich glücklose Littbarski hatte noch am Donnerstag Magath eine indirekte Verantwortung für die ungenügende sportliche Situation des VfL zugewiesen. Der Meistertrainer habe die Mannschaft körperlich bis zum Anschlag gefordert, die Profis seien anschließend ausgelaugt und erschöpft gewesen und hätten ihre alte Form nicht mehr wiedergefunden. Magath hat ab sofort jede Gelegenheit, Littbarski zu widerlegen.

Als der FC Bayern München den Trainer Magath 2007 beurlaubt hatte, obwohl der Verein zuvor Meister und Pokalsieger geworden war, war es Antrieb und Genugtuung gleichermaßen für den Coach, mit Wolfsburg einen Club zum Bayern-Rivalen hochzuzüchten. Das 5:1 des VfL gegen die Bayern im April 2009 war zuallererst ein persönlicher Triumph Magaths. Das unrühmliche Ende bei Schalke 04 ist jetzt die neue Motivation für den Coach. Magath wirkt stets als der große Unnahbare, der Kühle, für den Emotionen keine große Rolle spielen. Aber persönliche Verletzungen waren stets eine Triebfeder seines Handelns.

Felix Magath hat drei Wochen Zeit, die Dinge in Wolfsburg nach seinen Vorstellungen zu ordnen. Dann spielt der FC Schalke gegen den VfL Wolfsburg.

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insgesamt 24 Beiträge
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Seite 1
Hador, 18.03.2011
1. Nein, keinen Titel....
Wenn ein Manager eine derart schlechte Bilanz vorzuweisen hat wie Dieter Hoeneß, dann würde ich nicht von einem 'Sündenbock' reden. Hoeneß hat definitiv eine Mitschuld an den Problemen des VfL Wolfsburg.
panzerknacker51, 18.03.2011
2. Ich lach' mich schlapp!
Jetzt überholt Wolfsburg noch Schalke in der Tabelle, und am Ende der Saison lacht die Liga wieder einmal über die Deppen des Reviers.
Klartext007 18.03.2011
3. Geld- und Machtgeil
Zitat von sysopDie Rückkehr von Felix Magath nach Wolfsburg ist folgerichtig: Die Mannschaft ist im Abstiegskampf nun hochmotiviert, der Trainer bekommt die Möglichkeiten, die er für sein Regime braucht. Dazu erhält Magath*noch die Chance für eine persönliche Revanche.* http://www.spiegel.de/sport/fussball/0,1518,751664,00.html
Mehr fällt mir zu Magath nicht ein. Besser kann es doch nicht laufen. Hat er Erfolg, lässt er sich bejubeln, wenn nicht, sind die Spieler schuld, man geht und lässt sich fette Prämien auszahlen. Zudem zeigt das permanente Trainerkarussel, wie austauschbar die Jungs in diesem Millionenzirkus doch sind.
homicide 18.03.2011
4. ...
Zitat von Klartext007Mehr fällt mir zu Magath nicht ein. Besser kann es doch nicht laufen. Hat er Erfolg, lässt er sich bejubeln, wenn nicht, sind die Spieler schuld, man geht und lässt sich fette Prämien auszahlen. Zudem zeigt das permanente Trainerkarussel, wie austauschbar die Jungs in diesem Millionenzirkus doch sind.
Nur dass das Erreichen des DFB-Pokal Finales (und bei Verbleib wahrscheinlich auch der Gewinn) und des Viertelfinales der Championsleague definitiv als Erfolg zu verbuchen ist (Und ganz nebenbei Vizemeister im ersten Jahr). Davon, dass er jetzt die Schuld für spiortliches Versagen auf andere schiebt, kann also nicht die Rede sein, denn es liegt kein Versagen vor.
Jordan Sokoł 18.03.2011
5. Managementwechsel
Zitat von sysopDie Rückkehr von Felix Magath nach Wolfsburg ist folgerichtig: Die Mannschaft ist im Abstiegskampf nun hochmotiviert, der Trainer bekommt die Möglichkeiten, die er für sein Regime braucht. Dazu erhält Magath*noch die Chance für eine persönliche Revanche.* http://www.spiegel.de/sport/fussball/0,1518,751664,00.html
Dazu fällt mir nur ein ein: Der für Werbung und Öffentlichkeitsarbeit zuständige VW-Vor- stand sollte auch das Management von Schalke 04 übernehmen. Schalkes Mitgliedern kann ich nur empfehlen, diesen Tönnies in die Wüste zu schicken.
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