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25. Februar 2012, 21:31 Uhr

Mainzer Aufschwung

Zidan, wie er singt und lacht

Von Jan Reschke

Der Mainzer Erfolg in der Rückrunde der Bundesliga trägt einen Namen: Mohammed Zidan. In vier Spielen erzielte er bereits vier Tore. Auch andere blühen seit dem Wechsel des eigenwilligen Stürmers an den Bruchweg auf. Erinnerungen an ein magisches Triumvirat werden wach.

Man sagt, es gäbe Spieler, die funktionieren nur unter einem bestimmten Trainer. Hanno Balitsch ist so einer. In Kombination mit seinem neuen alten Coach beim 1. FC Nürnberg, Dieter Hecking. Oder Zvjezdan Misimovic, der eigentlich nur unter Felix Magath beständig überzeugte. Bei Mohamed Zidan wurde immer behauptet, er könne nur in Kombination mit Dortmunds Trainer Jürgen Klopp gute Leistungen bringen. Aber das ist nur die halbe Wahrheit. Es gibt auch Spieler, die funktionieren nur bei einem bestimmten Verein. Wie Zidan. Bei Mainz 05.

Vier Tore hat Zidan seit seinem Wechsel von Borussia Dortmund zum FSV nun bereits erzielt. In vier Spielen wohlgemerkt, eines davon beim grandiosen 4:0-(3:0)-Erfolg gegen den 1. FC Kaiserslautern am 23. Spieltag.

Dabei wäre der Wechsel des 30-Jährigen nach Mainz fast nicht zustande gekommen. Eigentlich war beim BVB Lucas Barrios dafür vorgesehen, in der Winterpause zu gehen. Zwei Stürmer auf einmal abzugeben, war für Dortmund nicht in Frage gekommen. Erst in letzter Minute zerschlug sich der Transfer Barrios' - und ermöglichte Zidan seine Rückkehr an den Bruchweg, wo er bereits in der Saison 2005/2006 und in der Rückrunde der Saison 2006/2007, jeweils unter Klopp, spielte.

Nachdem er bei Werder Bremen nicht zurechtgekommen war (5 Einsätze/1 Tor). Ebenso wenig wie im Anschluss an seine zweite Mainzer Zeit beim Hamburger SV (21/2). Und in dieser Saison beim BVB (2/0).

Warum ist das so? Warum funktioniert ein Zidan nur bei Mainz 05? "Wir lassen Zidan einfach Zidan sein. Er ist ein lebendiger Charakter", sagt der Mainzer Manager Christian Heidel. Zidan genießt auf dem Platz Freiheiten, die er mit Toren zurückzahlt. Ihm wird eine missachtete Anweisung eher verziehen als anderen. Weil er durch sein Auftreten das bringt, was dem Club zuvor abhanden gekommen war - das Überraschungsmoment.

Aus seiner besonderen Beziehung zum FSV hat Zidan nie einen Hehl gemacht. Bei seinem Wechsel sagte Zidan: "Ich hatte zwar viele Anfragen aus dem Ausland, aber die kamen für mich nicht in Frage." An den FSV habe er "schöne Erinnerungen, und der Kontakt zu Manager Heidel ist nie abgerissen."

Seine Erinnerungen, das sind 41 Bundesligaspiele für die 05er, garniert mit 22 Toren, mit denen er den Abstieg des Clubs 2007 in die zweite Liga aber nicht verhindern konnte.

Die drei Offensivkräfte wecken Erinnerungen an die Bruchweg-Boys

Dieses Schicksal wird sich in dieser Saison wohl nicht wiederholen. Mainz ist seit fünf Partien ungeschlagen, das Team von Trainer Thomas Tuchel ist aus der Krise der Hinrunde mit Platz 15 am 18. Spieltag gestärkt hervorgegangen. Es wird wieder der Fußball gezeigt, für den die Mannschaft in der vergangenen Saison, als sogar die Qualifikation für die Europa League gelang, so gelobt wurde.

Ein Grund für den gravierenden Unterschied zwischen Hin- und Rückrunde ist sicherlich Zidan. Doch im Zuge seiner Topleistungen spielen auch andere Profis groß auf. Adam Szalai zum Beispiel, dem gegen Kaiserslautern sein erster Treffer nach seiner langen Verletzungspause (Außenband- und Kreuzbandriss) gelang. Oder Eric Maxim Choupo-Moting, der ebenfalls traf.

Die drei Offensivkräfte wecken Erinnerungen an die Mainzer Bruchweg-Boys aus der vergangenen Saison: Lewis Holtby, André Schürrle, und eben jener Szalai. Lange wirkte es so, als könne der Club den Weggang der beiden Leistungsträger und die Verletzung Szalais nicht kompensieren.

Doch auch das ist nur die halbe Wahrheit.

FSV Mainz 05 - 1. FC Kaiserslautern 4:0 (3:0)
1:0 Zidan (2.)
2:0 Szalai (17.)
3:0 Nicolai Müller (30.)
4:0 Choupo-Moting (74.)
Mainz: Wetklo - Marco Caligiuri, Bungert, Kirchhoff, Zabavnik - Polanski (84. Malli), Soto - Nicolai Müller, Zidan (76. Ivanschitz), Choupo-Moting - Szalai (71. Allagui).
Kaiserslautern: Trapp - Dick, Simunek, Abel, Yahia - Borysiuk, De Wit - Derstroff (79. Sukuta-Pasu), Tiffert (46. Fortounis) - Kouemaha (46. Jörgensen), Wagner
Schiedsrichter: Kircher
Zuschauer: 34.000 (ausverkauft)
Gelbe Karten: Kirchhoff (5) - Dick (9), Derstroff, Jörgensen (2)

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