Von Maximilian Rau
Hamburg - Von einem Endspiel um die Meisterschaft hatte Alex Ferguson gesprochen. Vom "Derby aller Derbys", vom "ultimativen Spiel". Der Trainer von Manchester United baute vor dem Gastspiel bei Lokalrivale Manchester City großen Druck auf. Doch die "lauten Nachbarn", wie Ferguson die "Citizens" einst genannt hatte, triumphierten 1:0 (1:0) über United. Den Siegtreffer erzielte City-Kapitän Vincent Kompany mit einem Kopfball (45.+1 Minute).
"Wir haben auf diesen Moment gewartet", sagte Ex-HSV-Profi Kompany. "Aber wir wissen, dass es noch lang nicht vorbei ist." Vor drei Wochen hatte City noch acht Punkte Rückstand auf den Rekordmeister, jetzt haben beide Clubs zwei Spieltage vor Saisonende 83 Punkte. Doch dank der besseren Tordifferenz führen die Citizens (+61 Treffer) die Tabelle der englischen Premier League vor dem Rekordmeister an (+53).
650 Millionen TV-Zuschauer aus 203 Ländern hatte die Liga für dieses "Endspiel" erwartet. Die Vorfreude war groß: Wie würde United nach dem 1:6 im Hinspiel reagieren, eine der bittersten Pleiten der Clubgeschichte? "Die Leute sagen sogar, dass es das größte Spiel in der Geschichte der Premier League ist", hatte Citys Mittelfeldspieler Gareth Barry festgestellt.
Den hohen Erwartungen wurde insbesondere die Anfangsviertelstunde nicht gerecht. Die Gastgeber brachten keinen strukturierten Spielaufbau zustande, United schien angesichts der besseren Ausgangsposition in der Tabelle wenig riskieren zu wollen. Nach dem ersten gelungenen Angriff in der 16. Minute - eine Hereingabe von Carlos Tévez klärte Phil Jones im letzten Moment - wurde City besser. Doch obwohl es der Elf von Trainer Roberto Mancini gelang Druck aufzubauen, konnten sich die "Citizens" keine zwingende Chance herausspielen.
Kapitän Kompany köpft den Siegtreffer
Von United kam wenig, vereinzelt wurde Wayne Rooney angespielt. Doch obwohl der 26-Jährige stets Torgefahr ausstrahlte, war er auf sich alleine gestellt, konnte sich deshalb nicht gegen die City-Abwehr durchsetzen.
Und so war es folgerichtig, dass eine Standardsituation zum ersten Treffer führte. Nach einer Ecke von David Silva in der Nachspielzeit der ersten Hälfte stand Kompany im Fünfmeterraum frei und köpfte den Ball wuchtig an United-Keeper David de Gea vorbei ins Tor. Bei den Gästen hatte Innenverteidiger Chris Smalling den City-Kapitän aus den Augen verloren.
Ferguson nutzte die Pause und stellte sein Team neu ein: United verstärkte zu Beginn der zweiten Halbzeit die Offensivbemühungen. Das eröffnete auch City mehr Räume, so dass die Partie immer besser wurde. Zu Möglichkeiten kamen die Gäste allerdings nicht, City war stets einen Schritt schneller, wirkte aggressiver.
City hat erste Meisterschaft seit 1968 in eigener Hand
Torchancen hatten weiterhin Seltenheitswert, dafür wurde es ruppiger. Spielerisch boten beide Teams weiter wenig, die Partie lebte vom Kampf und der Spannung. Das galt auch für die Trainer: Nach einem Foul des eingewechselten City-Mittelfeldspielers Nigel de Jong an Danny Welbeck, lieferten sich Ferguson und Mancini an der Seitenlinie ein hitziges Wortgefecht (76.). Der vierte Schiedsrichter trennte die beiden Coaches schließlich voneinander.
"Sir Alex hat mir etwas nicht so Nettes gesagt", so Mancini später. "Aber ich kann verstehen, dass die Spannung zu dem Zeitpunkt hoch war." Ferguson sagte, er sei erbost darüber gewesen, dass Mancini zu viel mit den Schiedsrichtern diskutiert habe.
Von der Bissigkeit Fergusons ließen sich die United-Profis jedoch nicht anstecken. Im Angriff gelang dem Team auch nach den Einwechslungen der Offensiven Welbeck, Valencia und Young kaum etwas. Stattdessen hatte City mehrere Chancen auf das 2:0. Zweimal vergab Yaya Touré (72./82.), je einmal Gael Clichy (88.) und Samir Nasri (90.).
"Wir haben den Sieg verdient", sagte Mancini: "Wir hatten Möglichkeiten für einen zweiten Treffer, United gar keine." Ferguson war von der Leistung seiner Mannschaft enttäuscht: "Wir haben die Partie zeitweise kontrolliert, aber es war nicht genug, um Tore zu schießen."
City hat damit die erste Meisterschaft seit 1968 in der eigenen Hand. In den beiden letzten Partien muss der Club beim Tabellenvierten Newcastle United und gegen die abstiegsbedrohten Queens Park Rangers antreten. ManUnited spielt gegen die Mittelfeld-Teams Swansea City und Sunderland.
Manchester City - Manchester United 1:0 (1:0)
1:0 Kompany (45.+1)
ManCity: Hart - Zabaleta, Lescott, Kompany, Clichy - Barry, Yaya Touré - Silva (82. Richards), Tévez (68. de Jong), Nasri (90.+3 Milner) - Agüero
ManUnited: de Gea - Jones, Smalling, Ferdinand, Evra - Carrick, Scholes (78. Valencia) - Nani (83. Young), Giggs, Park (58. Welbeck) - Rooney
Zuschauer: 47.000 (ausverkauft)
Schiedsrichter: Andre Marriner
Gelbe Karten: Kompany (5), Yaya Touré (7), de Jong (5) - Jones (5), Carrick (4)
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