Derby gegen ManUnited: City feiert Sieg im "ultimativen Spiel"

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Triumph im Titelkampf: Manchester City hat das Derby gegen Manchester United knapp gewonnen - und damit die erste Meisterschaft seit 1968 vor Augen. Dank des Erfolgs übernahmen die "Citizens" die Tabellenführung vom Rekordmeister, der eine enttäuschende Leistung zeigte.

ManCity vs. ManUnited: Sieg dank Kopf und Kampf Fotos
Getty Images

Hamburg - Von einem Endspiel um die Meisterschaft hatte Alex Ferguson gesprochen. Vom "Derby aller Derbys", vom "ultimativen Spiel". Der Trainer von Manchester United baute vor dem Gastspiel bei Lokalrivale Manchester City großen Druck auf. Doch die "lauten Nachbarn", wie Ferguson die "Citizens" einst genannt hatte, triumphierten 1:0 (1:0) über United. Den Siegtreffer erzielte City-Kapitän Vincent Kompany mit einem Kopfball (45.+1 Minute).

"Wir haben auf diesen Moment gewartet", sagte Ex-HSV-Profi Kompany. "Aber wir wissen, dass es noch lang nicht vorbei ist." Vor drei Wochen hatte City noch acht Punkte Rückstand auf den Rekordmeister, jetzt haben beide Clubs zwei Spieltage vor Saisonende 83 Punkte. Doch dank der besseren Tordifferenz führen die Citizens (+61 Treffer) die Tabelle der englischen Premier League vor dem Rekordmeister an (+53).

650 Millionen TV-Zuschauer aus 203 Ländern hatte die Liga für dieses "Endspiel" erwartet. Die Vorfreude war groß: Wie würde United nach dem 1:6 im Hinspiel reagieren, eine der bittersten Pleiten der Clubgeschichte? "Die Leute sagen sogar, dass es das größte Spiel in der Geschichte der Premier League ist", hatte Citys Mittelfeldspieler Gareth Barry festgestellt.

Den hohen Erwartungen wurde insbesondere die Anfangsviertelstunde nicht gerecht. Die Gastgeber brachten keinen strukturierten Spielaufbau zustande, United schien angesichts der besseren Ausgangsposition in der Tabelle wenig riskieren zu wollen. Nach dem ersten gelungenen Angriff in der 16. Minute - eine Hereingabe von Carlos Tévez klärte Phil Jones im letzten Moment - wurde City besser. Doch obwohl es der Elf von Trainer Roberto Mancini gelang Druck aufzubauen, konnten sich die "Citizens" keine zwingende Chance herausspielen.

Kapitän Kompany köpft den Siegtreffer

Von United kam wenig, vereinzelt wurde Wayne Rooney angespielt. Doch obwohl der 26-Jährige stets Torgefahr ausstrahlte, war er auf sich alleine gestellt, konnte sich deshalb nicht gegen die City-Abwehr durchsetzen.

Und so war es folgerichtig, dass eine Standardsituation zum ersten Treffer führte. Nach einer Ecke von David Silva in der Nachspielzeit der ersten Hälfte stand Kompany im Fünfmeterraum frei und köpfte den Ball wuchtig an United-Keeper David de Gea vorbei ins Tor. Bei den Gästen hatte Innenverteidiger Chris Smalling den City-Kapitän aus den Augen verloren.

Ferguson nutzte die Pause und stellte sein Team neu ein: United verstärkte zu Beginn der zweiten Halbzeit die Offensivbemühungen. Das eröffnete auch City mehr Räume, so dass die Partie immer besser wurde. Zu Möglichkeiten kamen die Gäste allerdings nicht, City war stets einen Schritt schneller, wirkte aggressiver.

City hat erste Meisterschaft seit 1968 in eigener Hand

Torchancen hatten weiterhin Seltenheitswert, dafür wurde es ruppiger. Spielerisch boten beide Teams weiter wenig, die Partie lebte vom Kampf und der Spannung. Das galt auch für die Trainer: Nach einem Foul des eingewechselten City-Mittelfeldspielers Nigel de Jong an Danny Welbeck, lieferten sich Ferguson und Mancini an der Seitenlinie ein hitziges Wortgefecht (76.). Der vierte Schiedsrichter trennte die beiden Coaches schließlich voneinander.

"Sir Alex hat mir etwas nicht so Nettes gesagt", so Mancini später. "Aber ich kann verstehen, dass die Spannung zu dem Zeitpunkt hoch war." Ferguson sagte, er sei erbost darüber gewesen, dass Mancini zu viel mit den Schiedsrichtern diskutiert habe.

Von der Bissigkeit Fergusons ließen sich die United-Profis jedoch nicht anstecken. Im Angriff gelang dem Team auch nach den Einwechslungen der Offensiven Welbeck, Valencia und Young kaum etwas. Stattdessen hatte City mehrere Chancen auf das 2:0. Zweimal vergab Yaya Touré (72./82.), je einmal Gael Clichy (88.) und Samir Nasri (90.).

"Wir haben den Sieg verdient", sagte Mancini: "Wir hatten Möglichkeiten für einen zweiten Treffer, United gar keine." Ferguson war von der Leistung seiner Mannschaft enttäuscht: "Wir haben die Partie zeitweise kontrolliert, aber es war nicht genug, um Tore zu schießen."

City hat damit die erste Meisterschaft seit 1968 in der eigenen Hand. In den beiden letzten Partien muss der Club beim Tabellenvierten Newcastle United und gegen die abstiegsbedrohten Queens Park Rangers antreten. ManUnited spielt gegen die Mittelfeld-Teams Swansea City und Sunderland.

Manchester City - Manchester United 1:0 (1:0)
1:0 Kompany (45.+1)
ManCity: Hart - Zabaleta, Lescott, Kompany, Clichy - Barry, Yaya Touré - Silva (82. Richards), Tévez (68. de Jong), Nasri (90.+3 Milner) - Agüero
ManUnited: de Gea - Jones, Smalling, Ferdinand, Evra - Carrick, Scholes (78. Valencia) - Nani (83. Young), Giggs, Park (58. Welbeck) - Rooney
Zuschauer: 47.000 (ausverkauft)
Schiedsrichter: Andre Marriner
Gelbe Karten: Kompany (5), Yaya Touré (7), de Jong (5) - Jones (5), Carrick (4)

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insgesamt 5 Beiträge
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1.
borzensen 30.04.2012
"650 Millionen TV-Zuschauer aus 203 Ländern hatte die Liga für dieses "Endspiel" erwartet." Ich wundere mich immer wieder, wie man auf so absurd hohe Zahlen kommt.....
2. ..
tylerdurdenvolland 01.05.2012
Zitat von sysopTriumph im Titelkampf: Manchester City hat das Derby gegen Manchester United knapp gewonnen - und hat damit die erste Meisterschaft seit 1968 vor Augen. Dank des Erfolges übernahmen die "Citizens" die Tabellenführung von Rekordmeister, der eine enttäuschende Leistung zeigt. Derby gegen ManUnited: City feiert Sieg im "ultimativen Spiel" - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/sport/fussball/0,1518,830718,00.html)
City war um Klassen besser. Wer das Spiel gesehen hat, weiss warum ManU gegen Basel ausgeschieden ist, und City gegen den Finalisten Bayern.... Und ganz nebenbei lernt man auch warum ein Verein, der einen Spieler wie Company ziehen lässt, mittlerweile in der BuLi gegen den Abstieg kämpfen muss. Sehr lehrreich, und auch ein wenig tröstlich fand ich, dass anscheinend Deutschland nicht das einzige Land ist, in dem Woche für Woche serienweise Schiri Fehléntscheidungen an der Tagesordnung sind.
3.
fessi1 01.05.2012
"650 Millionen TV-Zuschauer aus 203 Ländern hatte die Liga für dieses "Endspiel" naklar... Es gibt offiziell 194 Staaten plus 12 "Territorien" - noch Fragen? Wer übernimmt eigentlich diesen Unsinn unüberlegt von wem?
4. ...
tylerdurdenvolland 02.05.2012
Zitat von fessi1"650 Millionen TV-Zuschauer aus 203 Ländern hatte die Liga für dieses "Endspiel" naklar... Es gibt offiziell 194 Staaten plus 12 "Territorien" - noch Fragen? Wer übernimmt eigentlich diesen Unsinn unüberlegt von wem?
Ich weiss, ich weiss, als Fussball Fan hat man Wichtigeres zu tun als zu denken, oder gar zu lernen, aber selbst ihnen sollte aufgefallen sein, dass sie selber von "offiziellen" Staaten geschrieben haben.... Es handelt sich also um die Staaten die auch für ihresgleichen akzeptablel sind.... sie werden schon verzeihen müssen, dass dies nicht ganz der Masstab ist, den alle andere Menschen auch anlegen, von all den Menschen in diesen nicht-offiziellen Staaten mal ganz abgesehen. Und, oh Wunder! die haben auch Fernsehen. Das wär doch was für sie, oder? Kümmern sie sich doch mal drum, dass in Staaten, die in ihren wissenden Augen nicht offiziell sind, das Glotzen ab sofort untersagt wird?
5.
fessi1 02.05.2012
@tylerdurdenvolland ja, so ist das, wenn man einen tread nicht versteht Natürlich sind 203 von 206 möglich. Der Punkt ist aber ein anderer. Glauben sie wirklich, das es realistisch ist, das 10% der Weltbevölkerung sich dieses Spiel im Fernsehen angesehen hat??? 10% der Deutschen ganz sicher nicht, von Fussballuninteressierten US Amerikanern ganz zu schweigen. Aber das wird dann ja sicher durch 100% Samoaner und Grönlandeskimos ausgeglichen...
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