Entlassener Trainer Mancini: "Alle Ziele verfehlt"

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Trainer Mancini: Der Nachfolger bei ManCity steht schon bereit

Für den Gewinn der Meisterschaft im vergangenen Jahr wurde Trainer Roberto Mancini bei Manchester City mit einem Fünfjahresvertrag belohnt. Doch nach einer Saison ohne Titel muss der Italiener gehen. Sein Nachfolger steht schon bereit.

Hamburg - Der 13. Mai 2012 war ein großer Tag für Manchester City und Trainer Roberto Mancini. Durch zwei Treffer in der Nachspielzeit gewann die Mannschaft am letzten Spieltag der Saison 3:2 gegen die Queens Park Rangers. City war Meister in England, zum ersten Mal seit 44 Jahren. Es war auch Mancinis Erfolg, denn er hatte die mit vielen Scheich-Millionen zusammengekaufte Mannschaft zu einer funktionierenden Einheit gemacht. Zur Belohnung erhielt er einen Fünfjahresvertrag.

Doch Erfolge aus dem Vorjahr und gültige Arbeitspapiere sind im Fußball keine Garantie, erst recht nicht bei Manchester City. Auf den Tag genau ein Jahr nach dem Triumph am letzten Spieltag hat Mancini die Kündigung erhalten. Der Grund: Die aktuelle Spielzeit wird ohne Titel für den Club zu Ende gehen. "Mit Ausnahme der Qualifikation zur Champions League haben wir in dieser Saison alle Ziele verfehlt", teilte City am Montagabend mit.

Stadtrivale United steht schon vier Spieltage vor Ende der Saison als neuer Meister fest. Für City geht es in den verbleibenden beiden Spielen gegen Reading und Norwich nur noch darum, den zweiten Platz zu verteidigen. In der Champions League war schon in der Vorrunde Schluss. Die Gruppe D mit Dortmund, Real Madrid und Ajax Amsterdam beendete der englische Meister ohne einen Sieg als Tabellenletzter. Und vergangenes Wochenende erlebte City im Finale des FA-Pokals die ultimative Demütigung: 0:1 gegen Wigan, in der kommenden Saison voraussichtlich Zweitligist.

Rodwell und Sinclair statt van Persie

Die Verantwortlichen in Manchester lassen Mancini leichten Herzens gehen, nicht nur wegen der verfehlten Ziele in dieser Saison. In der Mitteilung von Montagabend ist von einem "ganzheitlichen Ansatz" die Rede, den der Verein entwickeln müsse. Manchester City möchte sich neu ausrichten. Und das geht nach Meinung der Clubchefs nur ohne Mancini. Vorgeworfen wird ihm unter anderen: eine verfehlte Transferpolitik. Als Mancini vor der Saison sein mit Spitzenkräften wie Carlos Tevez, Sergio Agüero und Edin Dzeko besetztes Ensemble weiter aufbessern wollte, entschied sich Wunschspieler Robin van Persie vom FC Arsenal gegen einen Wechsel zu City, stattdessen unterschrieb er beim verhassten Stadtrivalen United.

Mancini musste sich mit weniger prominenten Zugängen wie Jack Rodwell und Scott Sinclair begnügen. Solche Namen taugen kaum, um aus City eine stabile Größe im europäischen Vereinsfußball zu machen. Auch innerhalb der Mannschaft wird sich die Trauer über die Entlassung des Trainers in Grenzen halten: Immer wieder gab es Ärger zwischen Mancini und seinen Fußballern. Das Verhältnis zu Kapitän Vincent Kompany galt als belastet, mit Samir Nasri gab es Streit über dessen Arbeitsauffassung. Mancinis Geduld mit dem streitsüchtigen Angreifer Mario Balotelli, mittlerweile zum AC Mailand abgewandert, kam in der Kabine nicht gut an.

Einen Nachfolger für den ehemaligen italienischen Nationalspieler Mancini hat der Verein schon in Stellung gebracht: Künftig wird wohl Manuel Pellegrini für die sportlichen Geschicke in Manchester zuständig sein. Nach fünf Jahren beim FC Villarreal und nur einer Saison bei Real Madrid ist der Chilene seit 2010 beim FC Málaga angestellt. Zum ersten Mal führte er den Club in dieser Saison ins Viertelfinale der Champions League, dort scheiterte Málaga allerdings unter dramatischen Umständen an Borussia Dortmund.

Die Fans singen für Mancini

Nach übereinstimmenden Berichten englischer Medien sind die Gespräche zwischen City und Pellegrini weit vorangeschritten. Umgerechnet rund vier Millionen Euro müsste der Verein nach Spanien überweisen, um Pellegrini per Ausstiegsklausel aus seinem bis 2015 gültigen Vertrag in Málaga auszulösen. Dass Citys Interesse schon vor dem Ende der Saison öffentlich geworden war, hat die Trennung von Mancini vermutlich beschleunigt.

Der Verein wollte ihm die Schmach ersparen, die letzten beiden Saisonspiele im Wissen um sein Ende zu leiten. Dabei nehmen ihm die Fans die titelarme Saison nicht übel. Sie hätten ihn gerne behalten: Beim Finale um den FA-Pokal am Wochenende intonierte das Publikum Pro-Mancini-Gesänge und verwünschte den vermeintlichen Nachfolger Pellegrini.

Der neue Mann hat die Aufgabe, die Mannschaft wiederzubeleben. "Dem Team fehlen Leidenschaft und Hingabe. Ich kann mir nicht erklären, warum alles schief gegangen ist", sagte Verteidiger Pablo Zabaleta nach der Niederlage gegen Wigan. Die Verantwortlichen dagegen haben ihren Schuldigen gefunden.

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1. Überschrift
tvinnefossen 14.05.2013
Nicht zum Thema aber zur Form eine kleine Anmerkung. Sie schreiben: "Entlassener Trainer Mancini: "Alle Ziele verfehlt"" Als jemand, der mal lesen gelernt hat lese ich aus der Überschrift heraus, daß der entlassene Trainer Mancini sagte: "Alle Ziele verfehlt" Aus dem tex lese ich aber, daß das ein Statement des Clubs war. Also wäre die korrekte Überschrift die. Trainer Mancini entlassen - "Alle Ziele verfehlt" Zumindst läßt diese Variante die möglichkeit zu, daß die Aussage zu den Zilen von einem anderen stammt. Ist das Krümelkackerei von mir, vielleicht? Ist es dennoch angebracht? In jedem Falle, immerhin hat SPON ja wohl noch einen Anspruch an sich selbst...
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