Nationalspieler Sané bei Manchester City So frei wie Messi

In seiner zweiten Saison bei Manchester City ist Leroy Sané nicht einfach nur angekommen. Er ist zu einem der besten Außenstürmer der Welt aufgestiegen - und weiß, wem er das zu verdanken hat.

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Von , Manchester


Sollte irgendwann im Rückblick irgendjemand den Moment bestimmen wollen, in dem Leroy Sané in der Riege der besten Außenstürmer der Welt angekommen ist, dann drängt sich die 83. Minute des Heimspiels von Manchester City gegen Newcastle United am 20. Januar dieses noch jungen Jahres auf.

Sané erhielt kurz vor der Mittellinie den Ball von Kevin De Bruyne, lief mit dem Spielgerät am Fuß ein paar Meter durch den freien Raum und erhöhte das Tempo, als sich zwei gegnerische Verteidiger näherten. Sané entkam ihnen ohne Mühe, überquerte die Grenze des Strafraums und wurde von einem Abwehrspieler nach links abgedrängt. Fast sah es aus, als wäre die Aktion vorbei. Doch mit einer Drehung befreite sich Sané, ließ einen zurückeilenden Verteidiger ins Leere laufen, setzte sich gegen zwei weitere Gegner durch, den Ball immer am Fuß, und passte in die Mitte. Sergio Agüero musste nur noch zum 3:1-Endstand vollenden.

Der Torschütze wusste, bei wem er sich zu bedanken hatte: Er lief auf Sané zu, gefolgt von den Mitspielern, und auch das Publikum im City-Stadion im Osten Manchesters hatte ein gutes Gespür dafür, wem die Ehre für diesen Treffer gebührte. "Leroy! Leroy! Leroy", riefen die Zuschauer und huldigten dem 22 Jahre jungen Deutschen für ein Dribbling, das Lionel Messi nicht besser hinbekommen hätte. Die Aktion enthielt alle Elemente, die Sanés Spiel auszeichnen. Schnelligkeit, Ballkontrolle, eine herausragende Technik, Spielwitz und Übersicht.

Nach leichten Startschwierigkeiten ist der ehemalige Schalker in seiner zweiten Saison bei Manchester City angekommen. Nein, mehr noch. Er ist unter Trainer Josep Guardiola zu einem der herausragenden Spieler der Premier League und zu einem der besten Flügelstürmer überhaupt aufgestiegen.

Sané führte zwischenzeitlich die Scorer-Wertung der englischen Luxus-Liga an, hat in dieser Spielzeit in allen Wettbewerben schon elf Tore geschossen und ist mit zehn Vorlagen der zweitbeste Vorbereiter hinter seinem Kollegen De Bruyne und vor prominenten Mitbewerbern wie Paul Pogba von Manchester United, Henrich Mchitarjan vom FC Arsenal oder Dele Alli von Tottenham Hotspur.

"Er hatte es nicht verdient, zu spielen"

Vor knapp einem Monat wurde Sané sein Talent zum Verhängnis. Weil Joe Bennett vom Zweitligisten Cardiff City im Viertrundenspiel des FA-Cups keine Möglichkeit sah, ihn auf fairem Weg zu bremsen, grätschte er ihn von hinten um, der Ball war längst weg. Mit Pech hätte Sané eine schwere Verletzung davon tragen können. Seine Teilnahme an der Weltmeisterschaft in Russland im Sommer mit der deutschen Nationalmannschaft wäre gefährdet gewesen. Doch er hatte Glück.

Sané erlitt eine Bänderverletzung, die sich als weniger dramatisch herausstellte als befürchtet. In der vergangenen Woche gab er in der Champions League gegen den FC Basel (4:0) sein Comeback und steht auch für das Finale des Ligapokals an diesem Sonntag (17.30 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) gegen Arsenal im Wembley-Stadion zur Verfügung. City möchte sich mit dem ersten Titel der Saison für das Aus im FA-Cup unter der Woche beim Drittligisten Wigan Athletic rehabilitieren.

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Bei Sanés Wechsel von Schalke 04 nach Manchester vor anderthalb Jahren war nicht zu erwarten, dass er so schnell so wichtig werden würde für Guardiolas Mannschaft. Auch hochbegabten Spielern gelingt nicht immer auf Anhieb der Durchbruch in der Premier League. De Bruyne zum Beispiel musste einst vom FC Chelsea zum VfL Wolfsburg fliehen, um sein volles Potenzial zur Entfaltung zu bringen, ehe er nach England zurückkehrte. Auch Sané brauchte eine Weile, um sich an das Tempo und das körperbetonte Spiel der englischen Liga zu gewöhnen.

Im ersten halben Jahr schlug er sich mit Verletzungen herum, spielte gar nicht oder nur kurz. In der zweiten Hälfte seiner Premierensaison kam er zwar regelmäßig zum Einsatz, ohne dabei allerdings sonderlich zu glänzen. Die Ablösesumme von rund 50 Millionen Euro schien ihn zu belasten. Zum Start seiner zweiten Spielzeit im hellblauen Trikot von Manchester City war er wieder nur Ersatzspieler und kassierte eine öffentliche Rüge von Trainer Guardiola. "Seine Vorbereitung war nicht gut. Er hatte es nicht verdient, zu spielen", sagte der Übungsleiter.

"Er sagte, ich solle so frei spielen wie Messi"

Diese Ehrlichkeit war möglicherweise ein Manöver, um Sané zu provozieren, um ihn dazu anzuhalten, noch härter zu arbeiten. Denn seit diesem Tadel spielt er im Grunde immer, wenn er gesund ist, und hat entscheidenden Anteil daran, dass City Ende Februar schon fast als Meister der Premier League feststeht (mit 16 Punkten Vorsprung auf Manchester United) und auch in der Champions League zum engsten Favoritenkreis gehört.

Pep Guardiola (r.) mit Leroy Sané
imago/Sportimage

Pep Guardiola (r.) mit Leroy Sané

Eine wichtige Rolle bei Sanés erstaunlicher Entwicklung spielt seiner Meinung nach Trainer Guardiola. "Seit meinem ersten Tag hier macht er mich und mein ganzes Spiel besser: wie ich mich bewegen muss, ohne Ball und mit Ball. Es ist beeindruckend, wie er dir dabei helfen kann, besser zu werden", sagte der ehemalige Schalker im Januar im Interview mit dem Guardian. Er verriet auch, dass ihm Guardiola empfahl, sich den vielleicht besten Fußballer des Planeten zum Vorbild zu nehmen. "Er sagte, ich solle so frei spielen wie Messi", berichtete Sané.

Und manchmal erinnern seine Aktionen wirklich an Messi. Zum Beispiel in der 83. Minute des Heimspiels gegen Newcastle am 20. Januar.



insgesamt 10 Beiträge
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Seite 1
Karbonator 25.02.2018
1.
Ich fange mal an, die Wochen zu zählen, bis Sané von einem der besten Außenstürmer der Welt wieder zu einem Durchschnittskicker niedergeschrieben wird. Warum immer diese Superlative? Warum heute in den Himmel loben und morgen dann wieder zum Deppen erklären (was unausweichlich passieren wird, wenn er mal ne Durststrecke zu überwinden hat)?
aurichter 25.02.2018
2. @ Karbonator
Überlege mal wie alt Leroy ist, dies sollte zum Ausdruck gebracht werden. Deshalb ist es eben besonders wichtig, dass Ihm jemand unterstützend zur Seite steht, was bei PG wohl der Fall ist. Wollen, auch mit Blick auf unsere NM, Mal hoffen, dass Pep das dauerhaft durchzieht, denn auch seine Übertreibungen sind bekannt. Mal sehen wie Löw dazu steht und ob Leroy dann zum Stamm gehört, verdient hätte er es sicher.
Karbonator 25.02.2018
3. @aurichter
Ich finde ihn ja auch gut - und hätte ihn nur allzu gerne bei meinen Bayern gesehen. Mich stört die Jagd nach Superlativen - es muß ja nicht immer der neueste beste Spieler der Welt gefunden werden... vor allem nicht, wenn der Betreffende gerade eine sehr gute Saison gespielt hat bzw. noch spielt. Denn wenn irgendwann mal ein Tal kommt, ist die Fallhöhe dann entsprechend größer.
titoandres 25.02.2018
4. @Karbonator
Wenn er einer seit Monaten (nicht etwa seit 2-3 Wochen) fantastisch spielt, darf der Spiegel doch schon mal von einer sehr guten Entwicklung berichten. Oder wo sehen Sie das Problem? Können Sie bitte einen relativ neuen Artikel posten, in dem der Spiegel einen Spieler "zum Deppen" erklärt? Das würde mich interessieren. Ihre "Medienkritik" hat keine rationale Grundlage. Widerstehen Sie einem diffusen Gefühl, "Fake News" durchschaut zu haben.
philipp.zuerich 25.02.2018
5.
Kennt unser reiseunfreudiger Bundestrainer ihn überhaupt? Im Normalfall kann man sich für ihn ja nur bei Spielen in Stuttgart und Freiburg ins Notizbuch spielen... Ich gehe bei Jogi von folgender WM Formation aus Neuer Kimmich-Boateng-Hummels-Höwedes Khedira-Kroos Müller-Özil-Draxler Stindl Wechsel: Schürrle, Götze, Hector
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