Sexueller Missbrauch ManCity will die Opfer entschädigen

Es ist einer der erschütterndsten Fälle von sexuellem Missbrauch im Fußball: Ein Jugendtrainer von Manchester City hatte sich jahrelang an Kindern vergangen. Der Verein will jetzt an die Opfer zahlen.

Vereinslogo vor Stadion von Manchester City
DPA

Vereinslogo vor Stadion von Manchester City


Der Fußballclub Manchester City hat ein sogenanntes Wiedergutmachungsverfahren für Opfer eines über Jahre währenden sexuellen Missbrauchs an Kindern eingeleitet. Das erklärte der englische Premier-League-Verein auf seiner Website. Manchester City hatte schon im November 2016 eine umfassende und fortlaufende Prüfung mit dem Ziel in Auftrag gegeben, alle Details lückenlos aufzuklären.

Für die schlimmsten Missbrauchsfälle will City den Opfern sechsstellige Summen zahlen. Zudem soll es persönliche Entschuldigungen vonseiten der Klubführung geben. Schon innerhalb der kommenden sechs Wochen sollen erste Gelder fließen. "Die internen Untersuchungen gehen weiter", hieß es in einer City-Stellungnahme: "Der Klub ist in Gedanken bei den Opfern dieser unvorstellbaren und traumatischen Erlebnisse."

Der Klub bekräftigte sein tief empfundenes Mitgefühl für die Opfer und "für die unvorstellbar traumatischen Erlebnisse, die sie durchlebten", hieß es in der Erklärung. Zugleich bat Manchester City weitere Opfer oder Zeugen des sexuellen Missbrauchs um Informationen, die mit "äußerster Sensibilität und Diskretion" behandelt würden.

Hintergrund des Verfahrens ist der langjährige sexuelle Missbrauch an Kindern und Jugendlichen durch den früheren englischen Jugend-Fußballtrainer und Talentscout Barry Bennell. Er war vor gut einem Jahr von einem Gericht wegen sexuellen Missbrauchs in 43 Fällen für schuldig gesprochen und zu 31 Jahren Haft verurteilt worden.

Die Richter sahen es seinerzeit als erwiesen an, dass Bennell sich in den 80er Jahren an Jungen zwischen acht und 15 Jahren vergangen hatte. Sieben weitere Fälle hatte der ehemalige Coach der Vereine Manchester City und Crewe Alexandra selbst zugegeben. Die Richter hatten ihn als "zielstrebigen und rücksichtslosen Pädophilen" bezeichnet. Opfer hatten ausgesagt, sie hätten von einer Profikarriere geträumt, Bennell habe das ausgenutzt.

Bennell war im Herbst 2016 in die Schlagzeilen geraten, nachdem der frühere Fußballprofi Andy Woodward in der britischen Zeitung "Guardian" schwere Vorwürfe gegen ihn erhoben hatte. Dutzende weitere ehemalige Fußballer hatten danach ihr Schweigen gebrochen und Bennell und anderen Jugendtrainern vorgeworfen, sie in ihrer Kindheit sexuell missbraucht zu haben.

aha/dpa/sid



insgesamt 7 Beiträge
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Theya 12.03.2019
1. Wieso der Verein?
Ich kann nicht so ganz nachvollziehen, warum sich der Verein hier in der Verantwortung sieht. Natürlich ist es für die Opfer sehr begrüßenswert, wenn mit Entschädigungen wenigstens der Versuch einer Wiedergutmachung unternommen wird - welche vermutlich sowieso nie geschehen kann. Aber der Mann hat ja nicht im Auftrag des Vereins seine Schandtaten begangen, noch hätte der Verein auch nur eine Kontrollmöglichkeit gehabt. Ist das Argument, dass ein Sportverein grundsätzlich eine Infrastruktur schafft, die es möglichen Tätern prinzipiell vereinfacht, mit späteren Opfern in Kontakt zu kommen?
came66 12.03.2019
2. Obhut ist das Stichwort....
Die Eltern geben ihre Kinder in die Obhut des Vereins und der Trainer ist Angestellter des Vereins. Sie können auch sicher sein, dass der Verein hier nicht zum Weißen Ring mutiert. Die machen schlicht das beste aus der Situation. Die Verantwortlichen werden nicht mal eben ein paar Millionen aus purem Mitgefühl an die Opfer zahlen und dann vielleicht persönlich dafür haften. Die werden intern die Rechtslage geprüft haben. So haben sie die Regulierung in der Hand. Ein Gericht könnte zu einer höheren Entschädigung kommen.
Schartin Mulz 12.03.2019
3. Würden Sie
Zitat von TheyaIch kann nicht so ganz nachvollziehen, warum sich der Verein hier in der Verantwortung sieht. Natürlich ist es für die Opfer sehr begrüßenswert, wenn mit Entschädigungen wenigstens der Versuch einer Wiedergutmachung unternommen wird - welche vermutlich sowieso nie geschehen kann. Aber der Mann hat ja nicht im Auftrag des Vereins seine Schandtaten begangen, noch hätte der Verein auch nur eine Kontrollmöglichkeit gehabt. Ist das Argument, dass ein Sportverein grundsätzlich eine Infrastruktur schafft, die es möglichen Tätern prinzipiell vereinfacht, mit späteren Opfern in Kontakt zu kommen?
diese Frage auch beim Thema Missbrauch in der kath. Kirche stellen? Auch die Priester haben nicht im Auftrag der Kriche ihre Schandtaten begangen. Wenn in einem Verein, einer Kirche, einem Internat Kinder, die dort in Obhut gegegeben wurden, missbraucht werden, hat natürlich die Organisation die Verantwortung. Unabhängig von Schuld.
Theya 12.03.2019
4.
Zitat von Schartin Mulzdiese Frage auch beim Thema Missbrauch in der kath. Kirche stellen? Auch die Priester haben nicht im Auftrag der Kriche ihre Schandtaten begangen. Wenn in einem Verein, einer Kirche, einem Internat Kinder, die dort in Obhut gegegeben wurden, missbraucht werden, hat natürlich die Organisation die Verantwortung. Unabhängig von Schuld.
Selbstverständlich würde ich diese Frage auch bei einer anderen Organisation stellen, ob das nun eine Kirche oder ein anderer Arbeitgeber ist. Denn die Situation wäre ja dieselbe. Ihr "natürlich" haben Sie leider nicht durch ein Argument untermauert. Wenn Sie zum Beispiel als redlicher Fußballtrainer einer Jugendmannschaft bei einer Fahrt zum Auswärtsspiel einige Spieler mitnehmen und dann einen Unfall verursachen, bei dem Kinder verletzt werden, wer steht dann in der Verantwortung: Sie oder der Verein? Ist die Antwort die gleiche, wenn Sie stattdessen Mitarbeiter einer IT-Firma sind, und Ihren Kollegen bei einer Dienstreise mitnehmen? Was, wenn es keine Dienstreise ist, sondern der Unfall nach Dienstschluss passiert? Trägt dann auch der Arbeitgeber die Verantwortung?
Schartin Mulz 12.03.2019
5. Wenn Eltern
Zitat von TheyaSelbstverständlich würde ich diese Frage auch bei einer anderen Organisation stellen, ob das nun eine Kirche oder ein anderer Arbeitgeber ist. Denn die Situation wäre ja dieselbe. Ihr "natürlich" haben Sie leider nicht durch ein Argument untermauert. Wenn Sie zum Beispiel als redlicher Fußballtrainer einer Jugendmannschaft bei einer Fahrt zum Auswärtsspiel einige Spieler mitnehmen und dann einen Unfall verursachen, bei dem Kinder verletzt werden, wer steht dann in der Verantwortung: Sie oder der Verein? Ist die Antwort die gleiche, wenn Sie stattdessen Mitarbeiter einer IT-Firma sind, und Ihren Kollegen bei einer Dienstreise mitnehmen? Was, wenn es keine Dienstreise ist, sondern der Unfall nach Dienstschluss passiert? Trägt dann auch der Arbeitgeber die Verantwortung?
einem Verein, einer Kirche, einer Schule ihr Kind anvertrauen, haben diese Institutionen die Verantwortung für diese Kinder übernommen. Ich weiß nicht, was es da zu diskutieren gibt.
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