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United-Pleite bei Midtjylland: Manchester umnachtet

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Fotostrecke: Die Wissenschaftler aus Jütland Fotos
Getty Images

Bei Manchester United klappt im Moment aber auch gar nichts. Beim FC Midtjylland in Dänemark blamierte sich das Team von Louis van Gaal in der Europa League. Und die Verletzungsmisere wird immer schlimmer.

Wer die dänische Stadt Herning, 47.000 Einwohner, Heimat des Dopingsünders Bjarne Riis, kennt, weiß, dass es eigentlich ein Ort zum Durchfahren ist. Das neue Kunstmuseum ist relativ renommiert, ansonsten ist Herning vor allem eine Zwischenstation auf dem Weg an die dänischen Bade- und Surferstrände im Norden.

Für Louis van Gaal, den berühmten Trainer von Manchester United, könnte Herning allerdings so eine Art Endstation gewesen sein. Die ebenso peinliche wie verdiente 1:2-Niederlage seiner Red Devils beim FC Midtjylland in Herning ist der bisherige Tiefpunkt einer Saison, die sich für United und seinen Trainer mehr und mehr zum Desaster auswächst.

"Das ist Murphys Law. Alles was schiefgehen kann, geht auch schief", resümierte der Niederländer, der einem Nervenzusammenbruch nah schien. Die Niederlage fiel vom Resultat her noch erträglich aus - schließlich reicht United im Rückspiel in Old Trafford schon ein 1:0 zum Weiterkommen ins Europa-League-Achtelfinale. Aber die Umstände der erneut erfolglosen Dienstreise dieses großen Vereins lassen nur Schlechtes erwarten.

Midtjylland erst 1999 gegründet

"Es hätte eigentlich auch 3:1 oder 4:1 ausgehen können", befand der Sportdirektor der Dänen, Claus Steinlein, anschließend lakonisch und untertrieb damit fast noch. Die Dänen waren das bessere, aggressivere, torgefährlichere Team. Es war nur ein Akt der fußballerischen Gerechtigkeit, dass diese Partie nicht 1:1 ausging, wie es lange stand, sondern Paul Onuachu nach 77 Minuten die Dänen zum Sieg schoss.

Es war erst das 43. Europapokalspiel der Dänen. Oder schon das 43., schließlich gibt es den Verein erst seit 1999, er ist also 100 Jahre jünger als die TSG Hoffenheim. Damals schlossen sich die Klubs Herning Fremad und Ikast FS zusammen. 1999 ist das Jahr, in dem Manchester United die Champions League gewann. Die Bayern-Fans werden sich erinnern.

Die Geschichte des FC Midtjylland ist mithin kurz, aber genauso erfolgreich. Fünfmal hat der Klub seit der Neugründung das Pokalfinale erreicht - auch wenn er es fünfmal verloren hat. 2000 stieg man in die erste dänische Liga auf und wurde gleich Vierter, 2007 erstmals Vizemeister, im Vorjahr dann endlich Meister.

Die Qualifikation zur Champions League verpasste das Team von Trainer Jess Thorup zwar, dafür warfen die Jütländer in den Playoffs zur Europa League den FC Southampton aus dem Wettbewerb. Noch so ein hochgelobter englischer Klub, ebenfalls mit Ronald Koeman mit einem holländischen Coach. In der Gruppenphase ließ man mit dem FC Brügge und Legia Warschau ebenfalls alten europäischen Fußball-Adel hinter sich. Jetzt könnte United das nächste Opfer werden.

Jetzt fallen auch noch Rooney und De Gea aus

Bei den Dänen, in der Liga noch mit allen Chancen, den Titel zu verteidigen, spricht man nach dem Spiel vom Donnerstag von einem "Traum, der wahr geworden ist", wie es der Siegtorschütze formuliert. Bei United hofft man dagegen, aus diesem ewigen Albtraum dieser Wochen endlich zu erwachen. Van Gaal ist längst nur noch Coach auf Abruf, in der Liga sind die Konkurrenten um die Meisterschaft lange enteilt, die Punktebilanz in der Premier League war ewig nicht so schlecht wie in dieser Spielzeit. United liegt derzeit auf Rang fünf, zwölf Punkte hinter Tabellenführer Leicester City, zehn Punkte hinter Arsenal und Tottenham.

Aber das ist offenbar alles noch nicht genug an Negativem. Das Marmeladenbrot fällt bei United weiter zuverlässig auf die Butterseite. Vor dem Spiel in Herning verletzte sich Wayne Rooney am Knie. Der Stürmerstar könnte bis zu zwei Monate ausfallen, heißt es. Torwart David de Gea tat es ihm beim Aufwärmen gleich: Noch eine Knieverletzung. Ein Comeback von Bastian Schweinsteiger ist in weiter Ferne. Möglicherweise wird der DFB-Kapitän ganz froh ein, dass er in diesen unheilvollen United-Wochen nicht auf dem Platz stehen muss.

Als im Vorjahr United immerhin noch Vierter wurde, hielt van Gaal zum Saisonabschluss eine seiner berühmten weinseligen Ansprachen. Darin sprach er davon, dass United in allen wichtigen Spielen die dominierende Mannschaft der Liga gewesen sei und dass es eigentlich nur einer Verkettung unglücklicher Umstände zu verdanken war, dass United nicht Meister wurde. Und überhaupt seien sie in Manchester die Allerbesten. Der beste Verein, die besten Fans, die beste Mannschaft.

Nichts, aber auch gar nichts ist von all dem übrig geblieben. Außer dem Kater.

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insgesamt 8 Beiträge
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1.
Freidenker10 19.02.2016
Erstaunlich wie lange Manu an LvG festhällt. Da geht ja gar nichts mehr!
2. manchmal..
taubenfreund 19.02.2016
..ist ein Trainerwechsel doch anzuraten. Ich bin erstaunt wie lange sich der wirklich gute Trainer mit der jetzigen Erfolgsdelle halten kann.
3. Neue Saison
PeterPaulPius 19.02.2016
Zitat von taubenfreund..ist ein Trainerwechsel doch anzuraten. Ich bin erstaunt wie lange sich der wirklich gute Trainer mit der jetzigen Erfolgsdelle halten kann.
Das lässt darauf schließen, dass zur nächsten Saison ein neuer Trainer kommt, der vorher nicht beschädigt werden soll. Mit siner Hilfe kann man bereits den Umbau vornehmen und van Gaal hat eventuell unzufriedene Spieler zu bespaßen. Das würde aber auch bedeuten, dass the "Special One" nicht kommt. Denn der wollte doch im fliegenden Wechsel übernehmen.
4. Den merk ich mir:
TomCollins1 19.02.2016
"Das Marmeladenbrot fällt bei United weiter zuverlässig auf die Butterseite."
5. Beruhigend zu sehen
bernteone 19.02.2016
das die Premier League auch nur mit Wasser kocht und man sich halt nicht alles für Geld kaufen , trotz der Milliarden . Schade das die Bundesliga Manager sich so glatt bei der internationalen Vermarktung anstellen , denn der deutsche Fußball ist zur Zeit um einiges besser und hat weltweit seine Fans . Da wäre wesentlich mehr draus zu machen denke ich.
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