Aufschwung bei Manchester United Wie die coolen Typen

Im Schatten des Stadtrivalen spielt Manchester United die beste Saison seit dem Abschied von Sir Alex Ferguson. Der Fußball von Trainer José Mourinho ist nicht schön, führt aber zum Ziel. Es bleiben aber Unwägbarkeiten.

José Mourinho (l.) und Marcus Rashford
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José Mourinho (l.) und Marcus Rashford

Von , Manchester


Auch wenn man ganz genau hingeschaut hat, ließen sich keine Hinweise auf irgendeine Art von Gefühlsregung bei José Mourinho entdecken. Er presste die Lippen aufeinander, den Blick leicht nach unten gerichtet. Nach einem Handschlag mit Jürgen Klopp vergrub er die Hände wieder in den Taschen seiner grauen Allwetterjacke und marschierte in Richtung Spielertunnel des Old Trafford.

Manchester United hatte gerade den Erzfeind FC Liverpool im Kampf um die Vizemeisterschaft 2:1 geschlagen.

Die ungerührte Miene des Trainers passt zu dem Fußball, den seine Mannschaft zeigt. Während Manchester City für das perfekte Ballbesitz-Spiel gepriesen wird und Liverpool viel Zustimmung für die tolle Offensive bekommt, spielt United einen emotionslosen, nicht besonders schönen, sehr pragmatischen Fußball. Das aber zunehmend mit Erfolg.

Mourinho kann zwei Titel gewinnen

Beinahe unbemerkt, im Schatten des herausragenden und in der Meisterschaft enteilten Stadtrivalen, ist Mourinhos Elf auf dem Weg zur besten Saison seit dem Abschied von Trainer-Ikone Sir Alex Ferguson vor fünf Jahren. Mit dem Sieg gegen Liverpool hat sie den Vorsprung auf die Verfolger ausgebaut, nach den Plätzen sieben, vier, fünf und sechs in den vergangenen Spielzeiten. Und zwei Titelchancen hat sie auch noch.

An diesem Dienstag (20.45 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) soll im Old Trafford gegen den FC Sevilla der Einzug ins Viertelfinale der Champions League gelingen. Am Samstag will die Mannschaft gegen Aufsteiger Brighton ins Halbfinale des FA-Cups vorrücken. "Diese Spiele sind wichtiger als das Spiel gegen Liverpool. Es sind Spiele um Leben oder Tod", sagt Mourinho über die beiden K.-o.-Termine.

Es ist nicht ganz einfach, aus United schlau zu werden. Die Partien sind oft nur von geringem Unterhaltungswert, auch gegen kleinere Teams tut sich Mourinhos Elf schwer, das Geschehen zu kontrollieren. Sie hat deshalb viele Punkte verschenkt in dieser Saison, bei drei Unentschieden nacheinander gegen Leicester, Burnley und Southampton um Weihnachten zum Beispiel, oder bei Niederlagen gegen Huddersfield in der Hinrunde und Newcastle vor einem Monat.

Viele Fans wünschen sich eine offensivere, eine selbstbewusstere Ausrichtung. Die Anhänger des Gegners verspotten das Team für die wenig konstruktive Herangehensweise: "Park the bus, Man United!", singen sie. Den Bus parken, das ist die englische Umschreibung dafür, mit voller Mannschaftsstärke das eigene Tor zu verteidigen.

United-Angreifer Romelu Lukaku
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United-Angreifer Romelu Lukaku

Während Citys Trainer Pep Guardiola seinem Team eine Philosophie vermitteln will, die über Jahre Bestand haben soll, coacht Mourinho von Spiel zu Spiel. Er entwirft für jeden Gegner einen neuen Plan. Gegen Liverpool war zu sehen, wie es aussieht, wenn seine Ideen aufgehen.

Beide Tore fielen nach langen Bällen von Torwart David de Gea auf Romelu Lukaku. Der wuchtige Angreifer setzte sich zwei Mal gegen Liverpools Verteidiger Dejan Lovren durch und riss damit ein Loch in die gegnerische Defensive. Der technisch starke Marcus Rashford stieß von der Seite in den freien Raum und vollendete zwei Mal. Danach schaltete die Mannschaft in den Abwehrmodus, sie parkte den Bus, und hatte Liverpools herausragenden Angriff mit Sadio Mané, Roberto Firmino und Mohamed Salah gut im Griff.

Durchsetzungskraft, Effizienz, Kampfgeist und Disziplin, das sind die Tugenden, die Uniteds Spiel ausmachen. Dazu kommt ein Schuss Glück. In der Schlussphase hätte es Elfmeter gegen das Team geben müssen nach dem ungestümen Einsteigen von Marouane Fellaini gegen Mané. Gab es aber nicht. Mourinhos Mannschaft erinnert in Spielen wie gegen Liverpool an die coolen Typen aus der Raucherecke, die von den jüngeren Schülern auf dem Schulhof gefürchtet werden. Und sie hat noch viel Potenzial, das nicht vollständig genutzt wird.

United-Youngster Scott McTominay
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United-Youngster Scott McTominay

Rashford zum Beispiel spielte in der Liga zum ersten Mal seit Weihnachten wieder von Beginn an und zeigte mit seinen beiden Toren, wozu er imstande ist. Der im Januar mit großem Getöse vom FC Arsenal übernommene Alexis Sánchez muss sich noch steigern. "Er kam im schlechtesten Moment, nämlich im Winter. Seine nächste Saison wird sicher besser", sagt Mourinho.

Doch die Mannschaft bleibt auch von Unwägbarkeiten umgeben. Paul Pogba, im Sommer 2016 für die damalige Rekordsumme von mehr als 100 Millionen Euro verpflichtet, stand zuletzt mehrmals nicht in der Startelf oder wurde wegen schwacher Leistungen ausgewechselt. Gegen Liverpool fehlte er verletzt. Trainer Mourinho lobt zwar Pogbas professionelle Einstellung, verteilt aber auch auffällig viel Lob für den jungen Scott McTominay, der gerade seinen Durchbruch schafft und mit Pogba um einen Platz in der Startelf konkurriert.

Die Ausgangslage für das Rückspiel gegen Sevilla ist tückisch. United ist zum Gewinnen gezwungen nach dem torlosen Unentschieden im Hinspiel. Bei einem 1:1 wäre die Mannschaft raus aus der Champions League.

Dann würden die coolen Typen ziemlich blöd aussehen.

insgesamt 10 Beiträge
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Skakesbier 13.03.2018
1. Mourinhos Stil
mag schon seit den Zeiten beim CF Porto nerven (mich übrigens auch). Erfolgreich war der Mann allemal (siehe z. B. Triple incl. CL-Gewinn mit der individuell keineswegs glanzvollen Truppe von Inter Mailand). Und in Klein-Britannien taktiert er immerhin gegen 100e von Scheich-Millionen.
diewildedreizehn 13.03.2018
2. Ja und?
Zitat von Skakesbiermag schon seit den Zeiten beim CF Porto nerven (mich übrigens auch). Erfolgreich war der Mann allemal (siehe z. B. Triple incl. CL-Gewinn mit der individuell keineswegs glanzvollen Truppe von Inter Mailand). Und in Klein-Britannien taktiert er immerhin gegen 100e von Scheich-Millionen.
Er taktiert jetzt halt mit US-Geld. Schauen sie sich die Transferbilanzen an. Porto und Mailand lasse ich gelten. Aber seither ...?
Francesca F. 13.03.2018
3. Arrogant, sozial inkompetent...
ein Glück dass es diesen Beruf gibt sonst wäre er ganz unten, der Mou!
hnf050659 13.03.2018
4. Was für eine Überraschung...
....dass Mourinho unattraktiven Fußball spielen lässt!
spadoni 13.03.2018
5. Ihr Deutschen
seid wenig objektiv und total voreingenommen was die Premier League anbelangt! Ihr kritisiert ManUnited und Mourinho fortwährend, wohl auch wegen Schweinsteiger. Dabei war United weder für das Alter noch für die altersbedingten Verletzungen Schweinsteigers verantwortlich. Dafür steht diese neureiche Club ManCity mit Pep Guardiola, weil der die Bayern trainierte, und wegen ein paar deutschen Spielern, sowie der Liverpool FC wegen Klopp und deutschen Spielern, hoch im Kurs bei euch. Aber auch wenn es vielen nicht passt, Mourinho ist als Trainer nicht schlechter als Guardiola und Klopp. Er hat international jedenfalls mehr erreicht als Klopp. Ob ihr Deutschen ihn sympathisch findet oder nicht, spielt dabei keine Rolle. Er ist jedenfalls effizient, auch wenn ihr das nicht warhaben wollt und findet dass United unnaktraktiven Fussball spielt.
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