Manipulation im Fußball: Italien droht neuer Wettskandal

Von Rafael Buschmann

Italiens Fußball scheint vor einem neuen Manipulationsskandal zu stehen. Nach Informationen von SPIEGEL ONLINE sollen über 150 Fußballspiele manipuliert worden sein. Eine der weltweit größten Mafiaorganisationen gerät in den Fokus der Ermittlungen.

Italienische Polizisten (Archivbild): Schlag gegen die (Wett-)Mafia? Zur Großansicht
DPA/ ANSA

Italienische Polizisten (Archivbild): Schlag gegen die (Wett-)Mafia?

Hamburg - Das interne Dokument der Staatsanwaltschaft Neapel, das SPIEGEL ONLINE vorliegt, liest sich wie ein schlechtes Hollywood-Drehbuch. Der Sondereinheit "Golden Goal 2" soll demnach am Freitagmorgen mit einer landesweiten Razzia ein großer Schlag gegen das organisierte Verbrechen und die Wettmafia gelungen sein.

In den zahlreichen durchsuchten Häusern und Gebäuden, die allesamt der größten italienischen Mafiaorganisation, der Camorra, zugerechnet werden, soll "ein größerer Millionenbetrag" sichergestellt worden sein. Oberstaatsanwalt Rosario Cantelmodie bestätigte, dass es verdächtige Spiele gibt.

Die Ermittler vermuten, dass die Camorra, der neapolitanische Arm der Mafia, mehrere Spiele in den unteren Ligen manipuliert hat. Im Rahmen der Ermittlungen wurden am Freitag acht Mafiosi festgenommen, zudem wurden zwei Wettbüros im Raum Neapel durchsucht, Unterlagen wurden beschlagnahmt.

Das Geld soll demnach aus verschobenen Spielen stammen. "Etwa 150 Fußballspiele, zumeist aus tieferen Ligen, aber auch einige aus der Serie A wurden dafür manipuliert", heißt es in dem Dokument. Um welche Spiele es sich dabei handelt, welche Spieler darin involviert sind und ob der sichergestellte Geldbetrag tatsächlich ein Euro-Betrag ist, steht zu diesem Zeitpunkt noch nicht fest.

Das polizeiliche Dokument, erstellt von einer Sondereinheit aus Torre Annunziata, die seit 2008 zu Manipulationen im Fußball ermittelt, verweist aber darauf, dass die gefixten Spiele "dem Zwecke der Geldwäsche für die Camorra" gedient haben sollen. Demnach wurden Wettbüros in Neapel, Gragnano, Pimonte und Rimini benutzt, um die hohen Wettsummen in Umlauf zu bringen. Ein prominenter englischer Wettanbieter soll diese Summen dann im asiatischen Wettmarkt eingesetzt haben.

Das Dokument der Ermittler führt an, dass zwei Familienclans im Auftrag der Camorra für die Bestechungen der Fußballmannschaften gesorgt sowie anschließend auch die Geldflüsse in den jeweiligen Wettbüros kontrolliert haben.

Bereits im Mai wurde Italien von einem landesweiten Manipulationsskandal erschüttert. Damals nahm die Staatsanwaltschaft Cremona über 30 Personen fest, darunter auch den ehemaligen italienischen Fußballprofi Giuseppe Signori. Dieser wurde vor einigen Wochen vom italienischen Fußballverband mit einem fünfjährigen Fußballverbot belegt. Es wird erwartet, dass gegen die damals festgenommenen Personen in einigen Wochen Anklage erhoben wird.

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