Die WM der Torhüter Bravo, Bravo!

Libero Neuer, Rekordmann Howard und ein Brasilien-Schreck: Besonders die Torhüter begeistern bei der WM in Brasilien. Fünf Keeper ragen heraus. Der Blick auf ihre stärksten Leistungen, ihre besten Szenen.

Chiles Torwart Claudio Bravo: Starke Leistungen bei der WM
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Chiles Torwart Claudio Bravo: Starke Leistungen bei der WM

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Hamburg - Es ist kurios: Bei der Fußball-Weltmeisterschaft in Brasilien gibt es so viele Tore wie zuletzt 1994 in den USA - 154 sind es bislang in 56 Spielen, das ist eine Quote von 2,75 Treffern pro Partie. Und doch sind es die Torhüter, die für Furore sorgen. Im Netz werden sie gefeiert, es gibt Fotocollagen, die sie als unüberwindliche Backsteinmauer zeigen oder ihnen überdimensionale Handschuhe verpassen.

Wir stellen fünf herausragende Keeper vor:

Manuel Neuer (Deutschland)

Das fällt auf: Im Achtelfinale gegen Algerien musste Manuel Neuer schon nach wenigen Minuten mit einer Grätsche gegen Islam Slimani klären. Auf 19 Ballkontakte außerhalb des Strafraums kam "Libero" Neuer am Ende - ein herausragender Wert, aber auch ein irgendwie typischer für einen Torwart, der mit dem Prädikat "mitspielend" eigentlich unzureichend beschrieben ist. Beim FC Bayern hat der 28-Jährige seine Rolle als erster Spielmacher im System Guardiola in der vergangenen Saison perfektioniert. Neuer antizipiert sehr früh und ist damit für (hochstehende) Abwehrreihen ein Segen - als Ballverteiler und Abfangjäger.

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Torwart Manuel Neuer: Der erste Spielmacher
Das bleibt hängen: Was die üblichen Torhüter-Statistiken betrifft, spielt Neuer zwar eine überdurchschnittlich gute WM, aber keine herausragende. Im Schnitt 3,5 Schüsse bekommt er pro Spiel auf sein Tor, davon hält er 79 Prozent. In dieser Kategorie sind etwa Costa Ricas Keylor Navas (88 Prozent), Howard (82 Prozent) und Chiles Claudio Bravo (80 Prozent) besser. Herausragend bei Neuer ist ein ganz anderer Wert: 82 Prozent seiner Pässe kommen an. Das zeigt, wie präzise seine Abstöße und Abschläge sind. Auch hier der Vergleich: Navas' Passquote beträgt 48 Prozent, bei Howard sind es 73 Prozent und Bravo kommt auf 53 Prozent.

Guillermo Ochoa (Mexiko)

Das fällt auf: Im zweiten Gruppenspiel machte Gastgeber Brasilien Bekanntschaft mit Señor Ochoa, Guillermo Ochoa. Bisher war der mexikanische Keeper beim französischen Klub AC Ajaccio kaum jemandem aufgefallen. Gegen Neymar und Co. hielt der Mann mit der Carlos-Valderrama-Gedächtnis-Frisur zum Niederknien, wahlweise vor Verzückung oder aus Verzweiflung. Selbst aus kürzester Distanz konnten ihn die brasilianischen Superstars nicht überwinden. Einmal, zweimal, x-mal parierte Ochoa, der mit Ajaccio zuvor in die zweite Liga abgestiegen war. Reflexe auf der Linie, Ruhe im Duell Eins-gegen-eins: Der 28-Jährige sollte keine Mühe haben, nach dem Turnier einen neuen Arbeitgeber zu finden. Das 0:0 gegen Brasilien war sein 0:0.

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WM-Torwart Guillermo Ochoa: Ballfänger mit starken Reflexen
Das bleibt hängen: Ob mit dem Fuß oder per Kopf, aus der Nah- oder Ferndistanz, die Brasilianer konnten den mexikanischen Torwart einfach nicht bezwingen. Sechs Torschüsse gaben die Gastgeber ab, sechsmal parierte Ochoa. Wie kompakt Mexikos Defensive stand, zeigt ein anderer Wert: Ochoa bekam im Schnitt nur 3,3 Schüsse pro Spiel auf sein Tor. Weniger waren es unter den 16 Achtelfinal-Torhütern nur bei Brasiliens Júlio César (2,3 Schüsse), Frankreichs Hugo Lloris (2,3) und Griechenlands Orestis Karnezis (2,8).

Tim Howard (USA)

Das fällt auf: Nach 90 Minuten stand es zwischen Belgien und Tim Howard 0:0. Der Torhüter der USA trieb die Spieler von Marc Wilmots im Achtelfinale fast zur Verzweiflung. Zum Beispiel Kevin Mirallas: Der Stürmer der Belgier lief in der 76. Minute frei auf Howard zu. Doch wie zuvor seine Teamkollegen scheiterte er an einem 35-Jährigen, der eigentlich lieber Feldspieler geworden wäre - mit einer starken Fußabwehr verhinderte Howard den Rückstand. Zu seiner Leistung sagte er: "Ich versuche einfach, das Problem zu lösen."

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Tim Howard: Rekord gegen Belgien
Das bleibt hängen: 15 Torschüsse wehrte der US-Keeper gegen Belgien ab - das ist Rekord in der WM-Geschichte. Der 35-Jährige wurde bei diesem Turnier auch regelrecht warmgeschossen. Im Schnitt bekam Howard 8,3 Schüsse pro Spiel auf sein Tor, der höchste Wert unter den Top-Torhütern. Der Turnier-Durchschnitt liegt bei 4,7 Torschüssen. Pro Spiel wehrte Howard 6,8 Schüsse ab - macht 82 Prozent gehaltener Bälle bei der WM, ein sehr guter Wert (Turnier-Durchschnitt: 71 Prozent).

Claudio Bravo (Chile)

Das fällt auf: Und noch einmal Brasilien. Chiles Torhüter, Claudio Bravo, führte sein Team im Achtelfinale gegen den Gastgeber mit grandiosen Reflexen ins Elfmeterschießen. Dort parierte er einen Schuss von Hulk, musste sich aber schließlich seinem Gegenüber geschlagen geben: Brasiliens Keeper Júlio César hielt gleich zwei Elfer und rettete den Gastgeber vor dem Aus. Bravo hat dennoch eine starke WM gespielt, Marc-André ter Stegen bekommt einen starken Konkurrenten beim FC Barcelona.

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Claudio Bravo: Stark gegen Brasilien
Das bleibt hängen: Mit 80 Prozent gehaltener Bälle gehört Bravo zu den Top-Torhütern dieser WM. Dass er ein moderner, weil mitspielender Keeper ist, verrät aber ein anderer Wert. 212 Ballkontakte hatte Bravo in vier Spielen, nur Howard kommt auf mehr (216). Allerdings hatte der US-Torwart mehr Ballkontakte, weil er pro Spiel auch deutlich mehr Schüsse auf sein Tor bekam (Howard: 8,3; Bravo: 5). Etwas vergleichbarer ist Diego Benaglio, der wie Bravo vier Spiele absolvierte und pro Spiel 6,8 Schüsse auf sein Tor bekam. Die Anzahl der Ballkontakte des Schweizers: 162 und damit 50 weniger als Bravo.

Keylor Navas (Costa Rica)

Das fällt auf: Gigant solle man ihn ab sofort nennen, sagte Trainer Jorge Luis Pinto über seinen Torwart. Unbestritten war Keylor Navas der Held in Costa Ricas WM-Achtelfinale gegen Griechenland (6:4 n.E.). Nach etlichen Paraden in regulärer Spielzeit und Verlängerung hatte er im Elfmeterschießen auch einen Schuss von Theofanis Gekas abgewehrt, die Basis für den Viertelfinaleinzug. Die WM-Sensation aus Mittelamerika überrascht weiter - Navas sei Dank.

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WM-Torhüter Navas: Held der Nation
Das bleibt hängen: Navas ist nicht nur gefühlt ein Garant dafür, dass Costa Rica das Viertelfinale erreicht hat. Diese Tatsache ist statistisch belegbar: Im Schnitt bekommt er vier Schüsse pro Spiel aufs Tor, 3,5 davon hält Navas - ergibt eine Quote von 88 Prozent. Das ist der beste Wert aller 32 WM-Torhüter.



insgesamt 11 Beiträge
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dr.joe.66 02.07.2014
1. und die anderen . . .
Ich hätte es interessant gefunden, auch mal die Werte der schlechteren Torhüter zu sehen: zum Beispiel Iker Casillas, oder der Argentinier...
sportimtv-fan 02.07.2014
2. Als Barça-Fan
freue ich mich auf Bravo!
raber 02.07.2014
3. Torhüter Howard hat viel halten müssen
Die Anzahl der guten Torhüter bei dieser WM überrascht. Sie werden gefordert und es fallen auch viele Tore, aber trotzdem haben sie auch einen Bericht verdient. Howard konnte einem schon fast leid tun wie er sich im Dauereinsatz wehren musste.
rotella 02.07.2014
4.
Zitat von sportimtv-fanfreue ich mich auf Bravo!
Ich dachte ter Stegen wird der neue Torhüter von Barcelona? Doch nicht?
kevinh 02.07.2014
5. Mbolhi
wie viele Torschüsse hat der algerische Keeper gegen Deutschland abgewehrt? Den hat man hier vergessen.
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