Neuer-Comeback bei Testspielniederlage Er hält

Joachim Löw wird wohl mit Manuel Neuer als Nummer eins für die WM in Russland planen. Ein Debütant blieb nahezu unsichtbar und nach dem fünften sieglosen Länderspiel in Folge gab sich der Bundestrainer knurrig.

Bongarts/Getty Images

Die Akte Neuer: In seinem vierten Länderspiel seit der Europameisterschaft 2016 zeigte Manuel Neuer hervorragende Paraden gegen den Hoffenheimer Florian Grillitsch (32. Minute) und den Ex-Bremer Marko Arnautovic (55.). Diese dürften den Bundestrainer darin bestärken, den Weltmeistertorhüter von 2014 auch beim Turnier in Russland mit dem Status als Nummer eins auszustatten. Die Wackler im Passspiel sollten bis zum Gruppenauftakt gegen Mexiko am 17. Juni durch weitere Trainingseinheiten zu minimieren sein.

Das Ergebnis: Deutschland verpatzt den vorletzten WM-Test und verliert 1:2 (1:0) in Österreich. Hier geht's zur Meldung.

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Testspiel in Klagenfurt: Österreichs historischer Sieg

Pfiffe gegen Gündogan und Özil: Der DFB hatte in den vergangenen Wochen das ganz große Besteck (Demutsfotos mit DFB-Präsident Reinhard Grindel, Abbitte beim Bundespräsidenten) aufgefahren, um die Aufregung um das sehr freundliche Treffen von Mesut Özil und Ilkay Gündogan mit dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan möglichst klein zu halten. In Klagenfurt gab es dennoch wahrnehmbare Pfiffe gegen Özil (weniger) und Gündogan (mehr). Das Thema wird die Verantwortlichen anscheinend noch länger beschäftigen als erhofft.

Die erste Hälfte: In der 11. Minute spielte Österreichs Torhüter Jörg Siebenhandl den Ball in Bedrängnis direkt in die Füße von Özil, der mit einem Schlenzer ins lange Eck traf. Da hätte Siebenhandl schon Achthandl heißen müssen, um den zu halten. Die deutsche Mannschaft kam durch Özil (15.), Leroy Sané (25.) und zweimal Julian Brandt (20. und 39.) zu weiteren Gelegenheiten. Die beste Chance der Gastgeber vergab Grillitsch.

Regen am Wörthersee: Es regnete, dann hagelte es, bevor es noch mehr regnete. Die ursprünglich für 18 Uhr angesetzte Begegnung musste um gut 100 Minuten nach hinten verschoben werden. Der Platz zeigte sich danach in überraschend gutem Zustand, womit man bei den slapstickartig wirkenden Platzbegehungen in den anderthalb Stunden zuvor nicht rechnen durfte. Der ZDF-Samstagskrimi "Friesland - Irrfeuer" musste wegen des verspäteten Beginns entfallen. Schade, der Titel ließ Großes erwarten.

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Testspiel der Nationalmannschaft: Wasserball in Klagenfurt

Die zweite Hälfte: Die deutsche Elf agierte ohne Aggressivität und Passgenauigkeit. Nach einem Standard fiel das 1:1: Martin Hinteregger tauchte im Anschluss an eine Ecke frei hinter Jonas Hector auf und vollendete spektakulär (53.). In der 69. Minute flankte Julian Baumgartlinger gefühlvoll auf Stefan Lainer, der erneut Hector entwischt war. Dessen scharfe Hereingabe konnte in der Mitte von Alessandro Schöpf (69.) zum 2:1 veredelt werden.

Debütant Petersen: Der überraschend in den 27er-Kader gerückte Nils Petersen feierte im hohen Fußballalter von 29 Jahren sein Länderspieldebüt. Petersens Bilanz: eine schöne Torschussvorbereitung für Brandt, 19 Ballaktionen, drei Zweikämpfe, davon keiner gewonnen. In der 76. Minute wurde er durch Mario Gomez ersetzt.

Franco Foda: Die ersten vier Länderspiele als Trainer der österreichischen Auswahl hatte Franco Foda allesamt gewonnen, gegen Deutschland folgte nun Sieg Nummer fünf. Der nächste Test folgt gegen Brasilien. "Von den Großen lernen" durfte Foda ja auch als zweimaliger deutscher Nationalspieler. Seine beiden Partien im DFB-Dress absolvierte er gegen Argentinien und… Brasilien. Illustrer geht's nicht.

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Deutschland in der Einzelkritik: Brandt empfiehlt sich, Petersen nicht

Wie einst in Wien: Knapp 32 Jahre lag der bislang letzte Sieg einer ÖFB-Elf gegen den großen Nachbarn zurück. Damals verwandelte der junge Toni Polster zwei Strafstöße, der aufgebrachte Lothar Matthäus sah Rot wegen Meckerns und ein erzürnter Teamchef Franz Beckenbauer bezeichnete den Schiedsrichter als "Stinker" und "gemeingefährlich". So etwas würde Joachim Löw natürlich nie sagen. Redebedarf dürfte aber auch gegenüber seinem Team nach einer blutleeren und unkonzentrierten zweiten Hälfte bestehen. "Vieles war heute schlecht", knurrte der Bundestrainer nach dem Schlusspfiff ins Mikro.

Gesetz der schlechten Serie: 0:0 in England, 2:2 gegen Frankreich, 1:1 gegen Spanien, 0:1 gegen Brasilien, 1:2 in Österreich - fünf sieglose Spiele in Folge gab es für die DFB-Elf zuletzt zwischen Oktober 1987 und März 1988.

Österreich - Deutschland 2:1 (0:1)
0:1 Özil (11.)
1:1 Hinteregger (53.)
2:1 Schöpf (69.)
Österreich: Siebenhandl - Prödl, Dragovic, Hinteregger - Lainer, Baumgartlinger, Zulj (88. Kainz), Alaba - Schöpf (76. Bauer), Grillitsch (79. Ilsanker) - Arnautovic (84. Burgstaller)
Deutschland: Neuer - Kimmich, Rüdiger, Süle, Hector - Khedira (46. Rudy), Gündogan (56. Goretzka) - Brandt (67. Werner), Özil (76. Draxler), Sané (67. Reus) - Petersen (76. Gomez)
Schiedsrichter: Kralovec
Zuschauer: 29.200

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version des Textes wurde der österreichische Spieler Konrad Laimer erwähnt, der aber gar nicht zum ÖFB-Aufgebot gehörte. Gemeint war Stefan Lainer. Wir haben den Fehler korrigiert.



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navysailor 02.06.2018
1.
Neuer zeigte allerdings ungewohnte Schwächen beim Herauskommen und stsnd extrem tief in viel Situationen. Und gensu da fehlt die Praxis - Reflexe verlernt man nicht aber die Übersicht im Spielgeschehen kann sich zurückentwickeln.
sibbi78 02.06.2018
2. Neuer - Klasse!
Ansonsten: Die 4 Streichkandidaten dürften feststehen. Und wir werden Weltmeister...so gegen 2046 vielleicht...
jamesb007 02.06.2018
3. Soviel zum Abwehrbollwerk
War schon klar das die Rentnertruppe nicht mehr spielerisch brillieren wird, leider ist jetzt selbst Team Austria besser als wir. Die Abwehr ist der ultimative Schwachpunkt beide AVs sind international nicht zu gebrauchen und die Oldie/Lehrling Combi hat Null Geschwindigkeit...das lässt sich nicht reparieren in ein paar Trainingseinheiten die FcB Abwehr macht da weiter wo Sie aufgehört haben und Hector ist jetzt in der 2ten Liga zu Hause...
homosapjens 03.06.2018
4. Neuer alleine...
...wird die WM nicht gewinnen können. Der Rest der Mannschaft zeigt Defizite, die man mit Training alleine nicht wegbekommt und sie ist ein Spiegelbild des Abrutschens des Bundesliga-Niveaus in CL und Europa-League . Die goldene Generation Schweinsteiger-Podolski-Klose ist endgültig Geschichte. Das was jetzt aufläuft, sind talentierte Mitläufer aber keine hungrige Weltklasse. Es wird eine ganze Weile dauern, bis wieder eine goldene Generation kommt, hoffentlich nicht wieder 24 Jahre bis zum nächsten Titel.
hansfrans79 03.06.2018
5. Hohes Fußballeralter
Mit 29 also in hohen Fußballeralter. „Relativ spät“ hätte wohl nicht gereicht. Man sagt eigentlich, im Schnitt habe ein Spieler mit ca 28 Jahren seine beste Zeit, von vielen Ausnahmen nach oben einmal abgesehen. Wenn er nominiert wird, was ich hoffe, kann er mindestens noch zwei ganz große Turniere spielen.
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