WM-Teilnahme von Manuel Neuer "Eine prekäre Situation"

Manuel Neuer reiste zur Nationalmannschaft - allerdings nur für eine Teambesprechung. Ob der Torhüter zur WM fit wird, ist unklar. Oliver Kahn hat seine Zweifel.

Manuel Neuer
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Seit einem halben Jahr verletzt, eine baldige Rückkehr von Manuel Neuer ins Teamtraining oder gar in den Spielbetrieb ist ungewiss - und in knapp acht Wochen muss Bundestrainer Joachim Löw sich entscheiden, wen er zur WM mitnimmt. "Eine prekäre Situation", sagt Oliver Kahn.

Neuer war zwar im Vorfeld der Testspiele gegen Spanien und Brasilien zum Treffpunkt der Nationalmannschaft nach Düsseldorf angereist und hatte auch an der ersten Teamsitzung teilgenommen. Am Mittwoch kehrte der 31-Jährige aber wieder nach München zurück.

Neuer müsse vor der WM definitiv noch einige Spiele absolvieren, sagte Kahn in einem "Sport1"-Interview. "Der FC Bayern setzt ihn natürlich nicht unter Druck, aber irgendwann fragt sich der Trainer auch, wann kann ich ihn denn überhaupt noch bringen, gerade wenn es in die Endphase der Champions League geht", sagte Kahn. Außerdem könne Marc-Andre ter Stegen "jederzeit eine WM spielen".

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Vor der WM 2014 war Neuer ebenfalls verletzt. "Da hat er gezeigt, dass er nicht viel Spielpraxis, sondern eine gewisse Sicherheit braucht. Dann kann er relativ schnell auch auf hohem Niveau spielen", sagte Kahn. "Diesmal ist es allerdings ein bisschen anders." Neuer sei älter geworden und brauche auch Vertrauen, dass der Fuß wirklich hält.

Thomas Müller wiederum glaubt an eine rechtzeitige Rückkehr des Kapitäns: "Wie ich den Manuel einschätze, ist er nie abzuschreiben." Nationalmannschafts-Manager Oliver Bierhoff sagte vor dem Spiel gegen Spanien (Freitag, 20:45 Uhr; TV: ARD; Liveticker SPIEGEL ONLINE): "Ich hoffe, dass er hundert Prozent belastbar ist, wenn wir nominieren." Notfalls, glaubt er, könne "ein Welttorhüter auch über Training schnell wieder in den Rhythmus kommen".

Medizinische Unterlagen im Fall Neuer sind Geheimakten

Neuer hat seit dem 4:0 gegen den FSV Mainz 05 am 16. September 2017 alleine 39 Bayern-Spiele verpasst. Mehrere Prognosen für ein Rückkehrdatum haben sich als zu optimistisch erwiesen, bis heute ist Neuers Fuß nicht bereit für die Maximalbelastung. Wie fit ist er wirklich? Ärztliche Bulletins sind geheim. Derzeit ist ein Comeback laut Bayern-Coach Jupp Heynckes für April geplant. Löw wird am 15. Mai das vorläufige Aufgebot für die Weltmeisterschaft in Russland bekanntgeben. Am 17. Juni steht in Moskau das erste Gruppenspiel gegen Mexiko an.

Ungeduld kann sich Neuer dennoch nicht erlauben. "Ich muss auf Nummer sicher gehen", sagte er. "Nur keine Fehler machen. Eine weitere Verletzung an dem Knochen wäre suboptimal für mich."

sak/sid/dpa



insgesamt 20 Beiträge
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marenghi 21.03.2018
1. Es kommt, wie immer, auf einige Dinge an
...ob es eine gute Idee ist, Manuel Neuer mitzunehmen: - Zuallererst natürlich die Verfassung von Manuel Neuer. Es ist ein großer Unterschied, ob er vor der WM 10, 5 oder 0 Testspiele machen kann und wie er sich dabei präsentiert. - Dann die überhaupt mögliche Form - wieweit die frisch verheilte Verletzung überhaupt ein Maximum an Training und Leistung zulässt. - Das Risiko, dass bei der WM diese Verletzung wieder Probleme machen kann. - Eng damit verbunden ist die Entscheidung, ob man 3 oder 2 Torhüter nominiert. Bei 3 kann man das Risiko eingehen, Neuer mitzunehmen, bei 2 sicher nicht. - Die Form der Alternativen. terStegen ist kein Vergleich mehr zu vor 4 oder 2 Jahren - er ist heute einer der besten Torhüter der Welt und spielt seit geraumer Zeit mit und gegen die Weltelite des Fußballs (besonders ein gewisser kleiner Argentinier wird ihn öfter im Training prüfen...). Meine Tendenz: Es ist sicher schön, vom Phönix aus der Asche des bis zu der Verletzung besten Torhüters der Welt zu träumen - aber es ist halt nur eine Träumerei. Die Risiko-Chancen-Analyse fällt gnadenlos für terStegen aus: Kleiner Leistungsunterschied zu einem topfitten Neuer - aber unglaublich viel mehr Sicherheit, überhaupt diese Leistung auf Niveau terStegen zu bekommen (eben von terStegen).
bibabuzelmann 21.03.2018
2. Selbst wenn er fit wäre ...
.. würde ihm Spielpraxis fehlen. Wird wohl leider eher nichts, bei ner WM muss man 100% und mehr liefern können.
ray05 21.03.2018
3.
Nun, bei Spielern, von denen er überzeugt ist, schrecken Jogi Löw auch langwierige Verletzungen, ungenügende oder gar keine Spielpraxis und dergleichen Suboptimales überhaupt nicht. Im Falle Khediras ging das gut, im Falle Kloses sogar zweimal, nur mit dem hundemüden Schweinsteiger hat sich Löw mal verzockt. Aber ganz grundsätzlich will sich der Bundestrainer nicht von lästigen Dingen wie Krankenakten und Ärztebulletins die Kaderzusammenstellung durchkreuzen lassen. Einen Mann wie Neuer wird er notfalls per Sanitätshubschrauber nach Russland einfliegen. Coole Socke. Und das Beste: Löw wird recht behalten. Im Finale wird Neuer sein erstes Turnierspiel machen und im Elfmeterschießen gleich drei Versuche der Brasilianer parieren. Hand drauf. :)
sechsundsiebziger 21.03.2018
4. Daheim lassen
wäre nur logisch und konsequent. Vor allem mit einem Ter Stegen in Top-Form bei einem europäischen Top-Club. Schätze aber dass das Jogi nicht fertig bringt. Tja.
Heilewelt 21.03.2018
5. Manuel Neuer
wird wahrscheinlich nicht fit genug um das Tor bei der kommenden WM zu hüten. Wäre wirklich schade, denn er ist einer der Weltbesten Torhüter. Bei der WM 2006 war dies anders. Der beste Torhüter der Welt war absolut fit, überraschend aber nur zweite Wahl. Dies war eine Entscheidung unseres Bundestrainers, welche fatale Folgen für unsere WM hatte. Ein Torwart ist natürlich jederzeit ersetzbar, wie auch jeder Feldspieler, doch wenn es darauf ankommt ist mir persönlich der Beste Spieler lieber, ob verletzt oder nicht. Ein Manuel Neuer ist mit 75 % Fitness immer noch besser, als die derzeit besten Torhüter der Welt. Wir werden es ja sehen.
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