Reus' Vertragsverlängerung beim BVB Uns Marco

Endlich wieder gute Nachrichten für den BVB: Mit Marco Reus bleibt der wichtigste Spieler an Bord. Auch wenn der Verein vom gesunkenen Marktwert des Stars profitiert - es ist ein positives Signal im Abstiegskampf.

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REUTERS

72-mal hat Marco Reus für Borussia Dortmund in der Bundesliga bisher gespielt. Er hat dabei 34 Tore erzielt, er hat 28 Treffer vorbereitet, seine Passquote liegt bei starken 76 Prozent. Man kann unwidersprochen behaupten, dass Marco Reus der wichtigste Spieler von Borussia Dortmund ist, zumindest was die Offensive angeht. Und er wird es bleiben.

Die Saison war für den BVB bislang eine Spielzeit, in der schiefzugehen schien, was schiefgehen kann. Absturz ans Tabellenende, Zweifel am bislang unantastbaren Trainer, Verletzungen, immer wieder Verletzungen. An Borussia Dortmund klebte die Seuche. Eine Krise, tiefer, als man es je für möglich gehalten hätte.

Aber es gibt Momente, in denen sich alles umkehren kann. Dieser Dienstag kann ein solcher Moment für den BVB sein. Die Vertragsverlängerung von Reus ist weit mehr als der Umstand, dass ein Schlüsselspieler, zudem Deutschlands Fußballer des Jahres 2012, sich zunächst dauerhaft an seinen Klub bindet. Es ist in der aktuellen Dortmunder Situation ein Signal, und es wird von allen auch so verstanden werden. Wenn dies keine Kräfte im Abstiegskampf freisetzt, dann kann wahrscheinlich kein Mittel der Welt mehr helfen.

Reus bestimmt das Tempo des BVB-Spiels

Reus ist der Schlüssel des Dortmunder Tempospiels. Er ist, sofern er gesund und fit ist, in der Lage, jede Geschwindigkeit auf dem Weg nach vorn nicht nur mitzugehen, sondern selbst zu bestimmen. Reus ist torgefährlich, zumindest an seinen vielen guten Tagen. Er ist aber gleichzeitig, und das weist die hohe Zahl seiner Assists aus, ein Teamspieler, einer mit Blick für besser postierte Nebenleute. Nicht vielen Fußballern gelingt es, diese beiden Qualitäten auszubalancieren. Reus gehört zu den wenigen.

Die leidige Führerschein-Geschichte, die wiederholten Verletzungspausen, sie haben möglicherweise dazu geführt, dass das Interesse anderer Top-Vereine an dem 25-Jährigen zuletzt etwas nachgelassen hat. Dass der FC Barcelona, dessen Spielstil Reus so zusagt, in diesem Sommer mit einem Transferverbot belegt ist, kommt hinzu. All das wird die Entscheidung des gebürtigen Dortmunders beeinflusst haben. Es wird nicht nur echte Treue im Spiel gewesen sein, sondern auch reine Pragmatik. Aber dem BVB kann das relativ gleichgültig sein.

Der Verein ist der große Gewinner. Die Ausstiegsklausel, die die Transfersumme für Reus auf für ihn eher niedrige 25 Millionen Euro festgeschrieben hat, ist vom Tisch. Wenn der Spieler künftig Angebote bekommt, werden sie mit großer Wahrscheinlichkeit höher sein. Deutlich höher. Geschadet hat es dem BVB jedenfalls nicht, dass der gefühlte Marktwert seines Edelangreifers zuletzt gesunken war. Ab sofort kann er aus Sicht des Vereins wieder steigen.

Ein monatelanges Hin und Her ist jetzt zu Ende

Und das ist durchaus denkbar. Denn mit der Unterschrift geht eine monatelange Hängepartie zu Ende, die in die gleiche Zeit fiel wie die heftigste Krise des Vereins seit vielen, vielen Jahren. Die Probleme rund um Reus begannen im Juni vergangenen Jahres, als er sich bei der WM-Generalprobe gegen Armenien einen Teilriss der Syndesmose zuzog. Während die deutsche Nationalmannschaft in Brasilien Weltmeister wurde, schuftete der Dortmunder in der Reha-Klinik.

Mitten in die Sommerpause hinein dann der nächste Nackenschlag: Bayern Münchens Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge plauderte in der Öffentlichkeit vertrauliche Vertragsdetails über Reus' Ausstiegsklausel aus, sein Dortmunder Kollege Hans-Joachim Watzke schäumte. Das ohnehin angespannte Verhältnis der beiden Klubs wurde nach dem Abgang von Robert Lewandowski nach München erneut auf eine Belastungsprobe gestellt.

Als man meinte, die Aufregung habe sich gerade wieder ein wenig gelegt, verletzte sich Reus erneut - wieder in einem Länderspiel, diesmal gegen Schottland. Mit seinem Verein ging es sportlich immer weiter bergab, doch der Tiefpunkt war noch längst nicht gekommen. Der sollte erst im Dezember erreicht werden, als herauskam, dass Reus - seit Ende November abermals am Sprunggelenk verletzt - jahrelang ohne Führerschein Auto gefahren war. Die 540.000 Euro Strafe wogen dabei weniger schwer als die öffentliche Häme und der geradezu dramatische Imageverlust.

Doch: Sein Verein stellte sich konsequent hinter Reus. Watzke sicherte dem jungen Spieler die "komplette Solidarität" des Klubs zu: "Wir stehen zu Marco wie eine Eins." Es war wohl auch dieser Rückhalt, der Reus nun dazu bewegt hat, im Gegenzug für seinen Heimatverein da zu sein. Er nimmt dafür sogar in Kauf, dass er in der kommenden Saison - zumindest mit dem Klub - nicht international spielen wird. Watzke ist deshalb der Ansicht, dass Reus Entscheidung "ein Höchstmaß an Identifikation" zeige und dass Reus drauf und dran sei, "der Uwe Seeler" Dortmunds zu werden. Der Vergleich hinkt natürlich, aber ohne große Emotionen geht es in Dortmund nun mal nicht.

Marco Reus hat nun die Chance, sich beim BVB als Führungsspieler, als Retter zu beweisen. Das wird nicht nur seinem Verein, sondern vor allem auch seinem Ansehen einen ordentlichen Schub verleihen. Gehen kann er danach immer noch.

Forum - Diskussion über diesen Artikel
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Seite 1
senta1958 10.02.2015
1.
Gratulation an den BVB. Ich räume gerne ein, dass ich diese Entscheidung nicht erwartet hätte. Sicher ein Signal im Kampf um den Klassenerhalt und ein Zeichen an andere, in Dortmund zu bleiben. Die im Artikel angeführten Spekulationen sollten wir nicht diskutieren. Entscheidend ist das Ergebnis. Hoffentlich bleibt Reus nun gesund, damit er seine Form findet.
VacekKacek 10.02.2015
2. Die
Wahrheit liegt bekanntlich in der Mitte. Ein Reus hat(te) immer nur Luft für 70 Minuten und ist verletztungsanfällig wie kaum ein zweiter. Der Spruch aus Bayern kam nicht ohne Grund. Im Grunde ist er nur ein Dreiviertelspieler.
madra2006 10.02.2015
3. Ein Mensch mit Charakter!
Endlich mal ein Fußballprofi mit Charakter! Herzlichen Glückwunsch an den BVB. Ich freue mich!
florafauna 10.02.2015
4. hm
... wahrscheinlich war das der Grund, warum er solch eine milde Bestrafung bei seinem Führerscheindelikt bekommen hat. Aber wo soll er auch hin, Barcelona darf nicht, Real hat bessere, Bayern will nicht... Hoffen wir mal, das Dortmund noch viel Freude an ihm haben wird und er nicht zum Dauerverletztem wird.
opa klaus 10.02.2015
5. Wat nu?
Na, Meister Rummenigge, ich denke, Sie können alle Spieler kaufen, auch Reus? Haben Sie doch getönt! Es gibt eben noch Leute, die nicht unbedingt nach München wollen!
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