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Dortmund-Star Reus: Seine neue Leichtigkeit

Aus Mönchengladbach berichtet

Bundesliga: Gündogan führt BVB zum Sieg über Gladbach Fotos
imago

Trophäen hat Marco Reus in seiner Karriere noch nicht gewonnen. 2016 soll sich das endlich ändern. Über einen Star, der vielleicht sein Glück gefunden hat.

Wenig Zeit? Am Textende gibt's eine Zusammenfassung.


Eine halbe Stunde nach dem Abpfiff staunte Mats Hummels immer noch über den ebenso scharfen wie präzisen Schuss, den Marco Reus mit rechts kurz vor der Halbzeit ins Tor gezaubert hatte. "Ich würde das nie so hinkriegen, den da links unten in die Ecke reinzuzimmern, ehrlich, das ist nicht so dahergesagt", erklärte der Kapitän von Borussia Dortmund nach dem 3:1-Sieg bei Borussia Mönchengladbach anerkennend.

Hummels selbst war ebenfalls mit einer tollen Leistung in die Rückrunde gestartet, der überragende Spieler war Ilkay Gündogan, der ein Tor selbst erzielte und an den anderen beiden Treffern mit einer Vorlage und einem vorletzten Pass beteiligt war. Und dennoch war Reus der Held des Abends.

Zum einen hatte er wettbewerbsübergreifend zum 30. Mal für den BVB das wichtige 1:0 erzielt, bei insgesamt 67 Toren ist das ein ganz erstaunlicher Wert. Vor allem jedoch war sein Spiel von allen Sorgen und all der Schwere des vergangenen Jahrs befreit. Und sein Tor war ein sehr beeindruckendes Indiz für diese Verwandlung.

Trennung von Klopp überwunden

Reus' besondere Mischung aus Tempo und Präzision ist ja eine Rarität im Weltfußball, allerdings war sie in den vergangenen eineinhalb Jahren auch im Spiel des empfindlichen Angreifers selten geworden. Nun glauben die Dortmunder, dass der 26-Jährige nach einer Zeit der Verletzungen, der Rückschläge und der Trennung von Jürgen Klopp endlich wieder der alte Weltklassespieler wird, der er einmal gewesen ist.

Auch Thomas Tuchel hat diese Hoffnung, "es ist greifbar, dass er auf sein höchstes Niveau zurückkommt", sagte der Trainer und berichtete, "wie fokussiert und wie frei Marco trainiert". Nach 70 Minuten nahm der Trainer seinen Tempospieler dann lieber vom Feld, um kein Verletzungsrisiko einzugehen. Die neue sportliche Leitung ist immer noch dabei, zu lernen, wie man am geschicktesten mit Reus umgeht, der nicht nur das 1:0 erzielte, sondern auch noch das 2:0 von Henrich Mchitarjan und weitere Großchancen für den BVB vorbereitete.

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Reus selbst scheint in diesem Jahr allerdings noch viel mehr von sich zu erwarten, jedenfalls machte er sich über einen Reporter lustig, der ihn nach dem Spiel allzu überschwänglich gelobt hatte. "Da macht man ein Tor und eine Vorlage und ist in euren Augen direkt in Topform", spottete er, und natürlich gibt es noch Steigerungspotenzial. Die Dribblings seiner besten Tage erlebten auch in Mönchengladbach keine Renaissance. Aber viele Beobachter haben das Gefühl, dass die Karriere dieses vom Pech verfolgten Hochbegabten, der immer noch keinen Titel gewonnen hat, in diesem Jahr endlich gekrönt werden könnte. Bei der EM mit der Nationalmannschaft und vielleicht mit dem BVB in der Europa League oder im DFB-Pokal.

Statt zu grübeln und zu zögern, handelt Reus nämlich wieder. Womöglich hat er bis jetzt gebraucht, um das Trauma der verpassten Weltmeisterschaft, die er nach einem Foul im letzten Testspiel vor der Abreise nach Brasilien verpasst hatte, wirklich abzuschütteln. "Das war natürlich ein einschneidendes Erlebnis in meinem Leben, diese Zeit bekomme ich nicht mehr zurück - und ich muss es so akzeptieren", hat er in der Winterpause in einem Interview erklärt.

Hinter diesen Worten scheint der Schmerz hervor, den der verpasste Titel wohl bis in alle Ewigkeit hervorrufen wird. Im Jahr nach diesem schlimmen Erlebnis stellte sich auch noch heraus, dass Reus jahrelang ohne Führerschein Auto gefahren war, plötzlich stand er nicht nur als Sportler im Mittelpunkt, sondern als besonders schräger Vertreter eines weltfremden Milieus superreicher, entrückter Fußballspieler. Inzwischen habe er alles "ganz gut verarbeitet", hat er neulich erzählt, und möglicherweise beflügelt ihn auch ein neues privates Glück.

Nach seinem Tor zum 1:0 formte er mit seinen Händen ein Herz, und als er später gefragt wurde, wem das galt, lächelte er und erklärte: "Das ist vielleicht auch mein Geheimnis." In diesem Moment schien der in der Öffentlichkeit sonst so scheue Reus seine Rolle im Mittelpunkt sogar zu genießen. Das ist neu, und vielleicht ist es diese Leichtigkeit, die Thomas Tuchel meint, wenn er sagt, der Angreifer sei "im Moment so selbstbewusst, die Dinge dann auch mit der nötigen Freiheit zu tun". Aber Tuchel weiß natürlich, dass ein dummer Moment, eine Verletzung oder eine schwere Finalniederlage das zerbrechliche Glück auch ganz schnell wieder zerstören kann.

Zusammengefasst: Nach vielen Enttäuschungen und dem Abschied von Jürgen Klopp ist Marco Reus auf dem Weg zurück in die Weltklasse. Beim 3:1-Sieg von Borussia Dortmund in Mönchengladbach erzielte der sensible und verletzungs anfällige Nationalstürmer ein Tor und bereitete ein weiteres vor. Jetzt soll es endlich auch mit dem Gewinn eines Titels klappen.

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insgesamt 97 Beiträge
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1.
taylor26 24.01.2016
Reus muss einfach mal kein verletzungspech haben dann wird er auch noch viel wertvoller für dortmund sein.
2.
artner 24.01.2016
Was ein Spiel so bewirkt... Auffällig war, dass BMG auf sehr junge Innenverteidiger vertraute, daran könnte es doch auch gelegen haben?
3. zu wünschen wäre es ihm ...
basecape-man 24.01.2016
sympathischer typ und er hatte ja wirklich viel wegzustecken.und er kommt auch als mensch besser rüber als die götzes und ko.ein götze kann nochmal ein finaltor schiessen in die herzen der fanswird er kaum mehr schaffen.vielleicht liegt es auch an unser mentalität.aber die jungs sollten mal darauf achten das ihre mädels mit ihren beruf als "spielerfrau "in der öffentlichkeit auch ihren ruf ein stück weit in frage stellen .gleiches gilt für hummels.die beckham story für arme läuft in deutschland nicht.
4.
HaioForler 24.01.2016
Noch. Niedlich, wie Fans immer noch an Glaubensbekenntnissen irgendwelcher Spieler festhalten, um eine alte Vorstellung von Fußballkameradschaft zu retten: beim Klub geboren, im Klub gestorben. Fußball ist nicht "5 Freunde auf neuen Abenteuern".
5. Ich hab da schon so meine Bedenken
verbal_akrobat 24.01.2016
wenn Er gegen "meinen Verein" spielt, reißt ganz alleine fast jedesmal so ein spiel "rum". Prädikat Weltklasse mit den einhergehenden bekannten Malheuren leider halt...
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