DFB-Mittelfeldstar Marco Reus Endlich gesund

Die WM 2014 in Brasilien und die vergangene EM verpasste Marco Reus wegen Verletzungen. Diesmal ist der BVB-Star gesund - und wahrscheinlich gesetzt. Bundestrainer Löw hält größte Stücke auf ihn.

Marco Reus
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Marco Reus

Aus Eppan/Italien berichtet


Normalerweise ärgert man sich, wenn der eigene Geburtstag in die Zeit einer Dienstreise fällt. Kein freier Tag, keine Party, keine Familie, die die Torte ans Bett bringt. Stattdessen Arbeit am Geburtstag.

Marco Reus könnte sich nichts Schöneres wünschen.

Der Dortmunder Nationalspieler ist am Mittwoch 29 Jahre alt geworden. Es gab ein kleines Ständchen der Teamkollegen, danach ging es weiter mit der nächsten Trainingseinheit. Für Reus war sie wahrscheinlich das beste Geschenk. Er ist ausnahmsweise mal gesund, er hat sich (bisher) nicht verletzt, er ist für den endgültigen WM-Kader gesetzt - und es sieht alles so aus, als könnte es diesmal klappen mit der Turnierteilnahme.

"Wir hoffen alle, dass er die Woche übersteht", sagt Bundestrainer Joachim Löw über Reus vor dem DFB-Testspiel am Abend gegen Österreich (18 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE). Es klingt ein bisschen so, als spreche er von einem Schwerkranken. Tatsächlich steht nach dem Österreich-Spiel noch ein Test gegen Saudi-Arabien (8. Juni) vor der Reise zur Endrunde nach Russland an, und verstohlen drücken alle die Daumen, dass dem Dortmunder bloß nichts passiert.

Bundestrainer Löw gratuliert Reus zum Geburtstag
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Bundestrainer Löw gratuliert Reus zum Geburtstag

So wie 2014, als sich Reus im letzten Test vor der WM so schwer verletzte, dass er für das Turnier und die Monate danach ausfiel. Oder wie 2016, als er zwar mit ins Trainingslager vor der EM fuhr, sich aber schnell herausstellte, dass er nicht rechtzeitig für die Europameisterschaft fit werden würde. Seither hat Reus kein Länderspiel mehr bestritten.

Marco Reus wurde vor acht Jahren erstmals für ein Länderspiel berufen, er hat in diesen acht Jahren 29 Länderspiele gemacht. Zum Vergleich: Auch Thomas Müller startete 2010 seine Nationalmannschaftskarriere - und liegt aktuell bei 90 Einsätzen.

Reus, der Pechvogel, der mit der Seuche, der bereits seine ersten drei Länderspielberufungen absagen musste, weil er angeschlagen war - endlich soll das jetzt ein Ende haben. Denn auch wenn Löw mit Julian Draxler und Julian Brandt zwei technisch starke Spieler für die linke Offensive parat hat: Reus ist der Mann für die Startformation. Das ahnt man, wenn man dem Bundestrainer zuhört, der beim BVB-Profi fast ins Schwärmen gerät.

"Marco ist wahnsinnig geschickt, intelligent am Ball, mit unglaublichem Können und außergewöhnlichen Fähigkeiten", sagt Löw und greift ins obere Regal. Er nennt Reus "eine Rakete", und so etwas gehört an sich nicht zum üblichen Löw'schen Sprachgebrauch.

Alles dabei aus dem sportmedizinischen Fachbuch

Reus hat eine Krankenakte wie kein anderer Nationalspieler. 42-mal ist er in seiner Profikarriere bisher wegen Verletzungen oder Krankheiten ausgefallen, mal kürzer, mal länger. Es war fast alles dabei, was ein sportmedizinisches Fachbuch füllt: Adduktoren, Zehenbruch, Außenbandanrisse, Schambein, Kreuzband, Knochenödeme, das berühmte Syndesmoseband durfte natürlich auch nicht fehlen. Eines der größten Talente, die der deutsche Fußball in den vergangenen 20 Jahren hatte, hat einen Gutteil seiner Karriere im Krankenbett oder in der Rehabilitation verbracht.

Jetzt ist Reus fast 30, er ist vielleicht nicht mehr ganz so schnell wie vor sieben, acht Jahren, als er bei Borussia Mönchengladbach eine überragende Zeit hatte. Aber Reus ist immer noch antrittstark. Er hat alle Finessen, er kann dribbeln, er hat den berühmten Zug zum Tor, die leichten Defizite in der Chancenverwertung schleppt er ohnehin schon durch sein ganzes Fußballerleben.

Reus jubelt im Trikot des BVB
DPA

Reus jubelt im Trikot des BVB

Löw sagt, Reus habe im Trainingslager in Eppan erst mal wieder die Abläufe kennenlernen und abspeichern müssen. So wie ein Neuling, so wie Nils Petersen, der erstmals mit dem A-Team Kontakt hat. So lange war Reus nicht mehr mit von der Partie. Als er 2014 noch hoffnungsfroh in die WM-Vorbereitung mit dem DFB startete, war er einer von fünf BVB-Spielern. Jetzt ist er der einzige Dortmunder. Auch in dieser Hinsicht hat sich einiges verändert.

Im Trainingslager ist Reus bisher noch nicht in der Öffentlichkeit groß aufgetreten. Es gibt kaum Interviews von ihm, möglicherweise traut er selbst dem Frieden noch nicht. Es kann noch so viel passieren. Es sind noch 16 Tage bis zum ersten WM-Auftritt der DFB-Elf gegen Mexiko am 17. Juni. Löw würde ihn wohl am liebsten in Watte packen, aber am Abend in Klagenfurt gegen Österreich muss Reus auch erst mal wieder Nationalmannschafts-Atmosphäre aufnehmen, nach mehr als zwei Jahren merken, wie das ist. Und dann einfach heil durchkommen. Es müsste doch schon mit dem Teufel zugehen.



insgesamt 21 Beiträge
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Seite 1
hileute 02.06.2018
1. Vorsicht!
wenn er gesetzt ist sollte er auf keinen Fall in den Testspielen heute und am Freitag spielen, jeder weiß wie das enden würde und das wäre wirklich ärgerlich
Klangstof 02.06.2018
2. Der Rolls Reus...
...kommt hoffentlich ins Rollen bei dieser WM. Ich denke, alle Fußballfans wünschen ihm, dass er fit bleibt. Er hat es sich verdient, endlich einmal ein großes Turnier zu spielen. Er ist ein Unterschiedsspieler, wahnsinnig dynamisch, dribbelstark, kann eine gegnerische Defensive aushebeln im 1:1 oder mit einem tödlichen Pass. Ich wusste gar nicht, dass er in seiner Karriere sage und schreibe 42-mal wegen Verletzungen pausieren musste. Das ist wirklich eine heftige Bilanz. Marco Reus, hau rein!
scooby11568 02.06.2018
3. Hoffentlich bleibt er fit...
Ein toller Spieler, nicht immer konstant genug für Weltspitze, aber bei den vielen Verletzungen kein Wunder. Ich drücke die Daumen.
real men are feminists 02.06.2018
4. Einer, der den Unterschied machen kann
Reus ist ein Spieler, der den Unterschied machen kann, während eines Turniers. Solche Spieler werden dann gerne mal von Gegnern wie Ramos oder Vidal per Foul aus dem Spiel genommen. Hoffentlich passiert es nicht, er hat es absolut verdient, endlich mal dabei sein und bleiben zu dürfen.
lippeck.stefan 02.06.2018
5. Take it
Reus ist einer, der wie Götze 2014 im Finale das Ding machen kann!
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