Taktikanalyse: Bayerns Plan mit Götze

Von Danial Montazeri

Will der FC Bayern mal wieder einen Rivalen schwächen? Darum geht es den Münchnern diesmal nicht. Sie planen offenbar einen Taktikwechsel, ganz nach den Vorstellungen des künftigen Trainers Pep Guardiola.

Wechsel nach München: Götze kassierte Millionen vom BVB Fotos
Getty Images

Im Sturm Mario Mandzukic, Mario Gomez und Claudio Pizarro. Auf den Flügeln Franck Ribéry, Thomas Müller und Arjen Robben. Im Zentrum Toni Kroos und Xherdan Shaqiri. Es bedarf keiner positiven Attribute: Der Kader der Bayern spricht für sich, speziell in der Offensive. Ein weiterer hochklassiger Offensivspieler wie Mario Götze wäre nicht notwendig, sondern Luxus - wollten die Münchner unter ihrem künftigen Trainer Josep Guardiola so weiterspielen wie bisher.

Aber wollen sie das?

Wie sich die Bayern an Guardiola anpassen und umgekehrt, ist nicht endgültig vorherzusagen. Bei näherer Betrachtung von Guardiolas Engagement in Barcelona fällt jedoch auf: Der Trainer setzt auf mitspielende Stürmer statt solcher, die nur für Tore zuständig sind.

Deswegen ersetzte er 2009 Samuel Eto'o durch Zlatan Ibrahimovic, doch selbst der genügte Guardiolas Anforderungen nicht. Ibrahimovic flüchtete nach nur einer Saison nach Mailand. Seitdem spielt Lionel Messi im Sturm - als "falsche Neun". Nach seinem Vorbild dürfte auch Götze in München eingeplant sein. Denn das Profil eines spielmachenden Stürmers und das von Götze sind weitgehend identisch.

Aus dem Stürmer wird ein heimlicher Spielmacher

Das Prinzip, das sich hinter dem Fußballfachbegriff versteckt, ist unkompliziert. Eine "falsche Neun" wird anders als der klassische Mittelstürmer nicht mit Flanken gefüttert oder mit Pässen eingesetzt, um ihm möglichst vor dem Tor zum Abschluss zu verhelfen. Die "falsche Neun" ist herausragend spielstark - gar stärker als seine Mittelfeldspieler. Deshalb weicht sie aus dem Strafraum ins Mittelfeld oder auf die Außen, holt sich Bälle ab und gestaltet das Spiel. Aus dem Neuner, dem Stürmer, wird eine verkappte Zehn, ein heimlicher Spielmacher.

Götze ist für diese Rolle prädestiniert. Zwei Gründe:

  • Er verfügt über eine außergewöhnlich gute Technik, die ihm Ballmitnahmen auf engstem Raum ermöglicht, also auch dann, wenn er im Mittelfeld von mehreren Gegnern unter Druck gesetzt wird.
  • Genauso wichtig ist sein Gespür für Räume: In den Länderspielen gegen Kasachstan, als Götze bereits im Sturm eingesetzt wurde, orientierte er sich immer wieder ins Mittelfeld und postierte sich in solchen Winkeln zu Mit- und Gegenspielern, dass er anspielbar wurde - vor allem im Raum zwischen Abwehr- und Mittelfeldkette des Gegners. Erreichte ihn ein Pass, hatten die Verteidiger ein Problem: Sollten sie ihre Position verlassen, Götze attackieren und damit Räume vor dem Tor freigeben? Oder wäre es das kleinere Übel, Götze den Ball annehmen und Tempo aufnehmen zu lassen?

Immer häufiger treffen auch die Bayern auf destruktive Gegner

Vor allem gegen Gegner wie Kasachstan, die massiv die Abwehr stärken und vom 0:0 träumen, ist die "falsche Neun" ein effektives Mittel. Barcelona trifft seit Jahren auf Mannschaften, die sich im eigenen Strafraum einigeln. Durch Lionel Messis Aktionsradius schafft Barça selbst gegen solche Clubs Überzahl im Mittelfeld und findet bespielbare Räume. Auch der FC Bayern bekommt es immer häufiger mit destruktiven Gegnern zu tun. Solche, die sich zu elft vor dem Tor verschanzen. Einer wie Messi käme Guardiola da gerade recht. Einer, der in solchen Spielen den Unterschied ausmacht, sich zur zentralen Figur aufschwingt. In Mario Götze hat er ihn bekommen.

Gleichwohl könnte Götze, das macht ihn so unglaublich wertvoll, im von Guardiola bevorzugten System mit nur einem zentralen defensiven Mittelfeldspieler und zwei "Achtern" auch eine andere Position spielen: die etwas offensivere der beiden Halbpositionen. Das Bayern-Mittelfeld hieße dann von rechts nach links beispielsweise Schweinsteiger - Martínez - Götze. Der Neue von Borussia Dortmund wäre dann zwar nicht der Bayern-Messi. Aber immerhin der Andrés Iniesta von München.

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insgesamt 80 Beiträge
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1. Toni Kroos
silly2 23.04.2013
muss auf die Bank, Mandzucic bleibt drin
2. Tatsaechlich, ...
tim11q 23.04.2013
... einer hat's geblickt. Und das ist nicht ironisch gemeint. Wenn es einen Spieler der Art Messi gibt, dann Goetze. Damit ist nicht die ultimative Qualitaet gemeint, sondern die Art zu spielen. Danke fuer den Durchblick, das gibt mir Hoffnung, dass nicht nur Boulevard-Redakteure bei Euch im Sport schreiben duerfen!
3. Taktik? Austricksen!
werano 23.04.2013
das ist ein bekanntes, inzwischen durchschautes manöver. alles was tore schießen kann, einkaufen, hauptsach der potentielle gegner hat niemanden mehr. traurig, geld regiert die welt und mit sport hat das nichts mehr zu tun, sondern nur noch mit gier.
4. Man erinnere
teletube 23.04.2013
sich an das (heuchlerische) Gefasel eines U.H. aus M. von wegen die Liga ist nicht ausgeglichen genug - erst ein paar Tage her... Und dann zack: Die direkte Konkurrenz wird geschwächt. Also alles beim alten. Darauf beruht das Geschäftsmodell des FCB!
5. Lächerlich...
harpomarx 23.04.2013
...Götze mit einem mehrfachen Weltfußballer des Jahres wie Messi zu vergleichen. Allein schon weil Götze die Bescheidenheit und Demut eines Messi fehlt, wird er nie dahin kommen, wo Messi jetzt ist.
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