Jungstar Götze "Ein bisserl eine Respektsgeschichte"

All die Pfiffe und Anfeindungen: Auf Mario Götze lastete riesiger Druck, als er gegen seinen Ex-Club Dortmund aufs Feld kam. Er schoss das 1:0 für die Bayern - und verschwand wortlos Richtung München.

DPA

Aus Dortmund berichten Sebastian Winter, und


Mario Götze wirkte zwiegespalten im Gang zwischen Umkleidekabine und FC-Bayern-Bus - wie schon den ganzen Abend. Er ging zunächst einen Schritt auf Kameras und Mikrofone zu, dann entfernte er sich wieder. Bis Bayern Münchens Medienchef ein Machtwort sprach und einen kleinen Einblick in die Seele des 21-Jährigen gewährte: "Er möchte heute keine Interviews geben. Das ist für ihn jetzt auch ein bisserl eine Respektsgeschichte. Es hängt wirklich noch viel an ihm", sagte Markus Hörwick. Viel Erinnerung.

Götze verschwand Sekunden später im Bayern-Trainingsanzug, mit dunkler Schlumpfmütze und goldfarbenem Rucksack durch den Ausgang. In der Hand hielt er ein Trikot seines Ex-Vereins. Der Nationalspieler hatte es nach dem 3:0-Erfolg der Bayern in Dortmunds Umkleidekabine mit seinem eigenen Trikot getauscht, er hatte dieses Zeichen für wichtiger befunden, als mit seinen neuen Clubkollegen in der Fankurve zu jubeln. Götze hatte nicht einmal nach seinem wegweisenden Treffer zum 1:0 der Bayern zehn Minuten nach seiner Einwechslung die Arme in die Höhe gerissen. Auch das gehört zur Respektsgeschichte.

Dabei hatten die Borussia-Anhänger ihren einstigen Liebling, den die Bayern in diesem Sommer aus seinem Vertrag bei Dortmund herausgekauft hatten, gnadenlos ausgepfiffen. Bei der Verkündung der Mannschaftsaufstellung, beim Aufwärmen, bei jeder Bewegung. Auf einer Banderole wurde er heftig verunglimpft. Bayern-Trainer Josep Guardiola wies Götze kurz vor seiner Einwechslung an, sich gemeinsam mit den anderen Bayern-Einwechselspielern im Spielertunnel warm zu machen. Er hätte sich ansonsten vor der Südtribüne, dem Kern der Borussia-Fans, einlaufen müssen.

Ein Treffer mitten ins Herz der BVB-Anhänger

Als Götze an der Seitenlinie stand, blickte er noch einmal kurz zur Südtribüne hoch. Wieder: gellende Pfiffe. Was muss das bei einem jungen Mann auslösen, der elf Jahre lang bei der Borussia war? Und der nicht einmal ein halbes Jahr bei den Bayern spielt? Sein Offensivkollege Arjen Robben sagte später: "Ich habe großen Respekt vor ihm. Er hat gewusst, was kommt, trotzdem ist es nicht schön." Respekt war offenbar das Wort des Abends.

Fotostrecke

16  Bilder
Bundesliga-Top-Spiel: Götzes Antwort
Mit seinem Schuss in der 64. Spielminute traf Götze dann mitten ins Herz der Borussen-Fans. Schlagartig war es still, und auch mit den Pfiffen war es danach fast vorbei. Dortmunds Anhänger konnten nicht fassen, dass ausgerechnet Götze sie auf die Verliererstraße gebracht und einen Graben von sieben Punkten Abstand zwischen sie und die Bayern gezogen hatte. Womöglich bringt dieser Schuss Götze seinem neuen Club nun näher, mit dem er bislang doch eher gefremdelt hatte.

Schon seine offizielle Vorstellung im Sommer war schiefgelaufen, Götze kam mit einem T-Shirt seines Privatsponsors Nike und verärgerte damit Bayern-Großsponsor Adidas, die Wogen mussten mühsam geglättet werden. Zudem war der Neuzugang im Sommer als Verletzter gekommen, er hatte einen Muskelbündelriss, reiste vorzeitig aus dem Trainingslager am Gardasee ab. Später zog er sich noch einen Kapselriss zu. Die meiste Zeit verbrachte Götze auf der Tribüne, wo er von Horden weiblicher Fans abgelichtet wurde, was ihn zunehmend nervte.

Richtig Anschluss fand Götze nicht, auch die Bayern-Fans bereiteten ihm einen eher unterkühlten Empfang. Dabei hat er so großartige fußballerische Fähigkeiten, seine Ballmitnahme und Handlungsschnelligkeit sind beeindruckend, auch sein Zug zum Tor. "Es ist schade, dass er da spielt, wo er spielt. Wir hätten ihn lieber bei uns. Er ist ein überragender Spieler", sagt sein ehemaliger Dortmunder Vereinskollege Lukasz Piszczek.

Bayerns Toni Kroos fragte nach dem Dortmund-Spiel dagegen rhetorisch: "Was soll man ihm vorwerfen? Mario wollte den nächsten Schritt in seiner Karriere machen. Mit seiner Qualität gehört er zu Bayern." Zumal die Dortmunder knapp 40 Millionen Euro durch seinen Verkauf erlösten.

Götze ist im Sommer mit seinem Bruder Fabian, der beim Drittligisten Unterhaching spielt, in eine WG gezogen. An Weihnachten dürften sie die Großeltern aus Ronsberg im Allgäu wiedersehen. Dort, in der Nähe von Memmingen, wuchs Mario Götze, der gebürtige Bayer, bis zu seinem sechsten Lebensjahr auf. Auch das ist etwas, was sein FCB-Kollege Thomas Müller "klassische Fußballgeschichten" nennt: "Und dann kommt er rein und macht das 1:0. Das ist unglaublich." Erfolg verbindet, das war schon immer so beim deutschen Meister.

Fotostrecke

14  Bilder
Einzelkritik FC Bayern: Boateng als "Bruder Leichtfuß", Müller effizient
Fotostrecke

14  Bilder
Einzelkritik BVB: Bollwerk Bender, Reus ohne Glück

insgesamt 98 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
flanke 24.11.2013
1. ...
Was für ein lächerlicher Kindergarten, wenn sich Spieler wie Götze den Torjubel verkneifen, nur weil sie mal für den gegnerischen Verein gespielt haben. Wenn sein Herz noch an Dortmund hängen würde, dann wäre er jetzt nicht in München. Ich wünschte mir mal Spieler mit Eiern, die zu ihren Entscheidungen stehen....
Attila2009 24.11.2013
2.
Zitat von sysopDPAAll die Pfiffe und Anfeindungen: Auf Mario Götze lastete riesiger Druck, als er gegen seinen Ex-Club Dortmund aufs Feld kam. Er schoss das 1:0 für die Bayern - und verschwand wortlos Richtung München. Dieses Spiel dürfte ihn dem neuen Verein näher gebracht haben als die vergangenen Monate. http://www.spiegel.de/sport/fussball/mario-goetze-ist-matchwinner-bei-borussia-dortmund-gegen-bayern-muenchen-a-935337.html
Man hat wieder gesehen dass man sich Erfolg auch einfach kaufen kann. Ich gönne das dem Götze, das war sicher nicht leicht für ihn aber ob es notwendig war nach München zu gehen würde ich so nicht einschätzen. Erfolge hätte er auch gemeinsam mit dem BVB feiern könne , diese wären sogar ehrlicher und härter erkämpft als das leichte Glück und die seichte Feude. Aber toll wie er nach seinem Tor reagiert hat mit Rücksicht auf das Publikum keine Jubelshow abgezogen hat. Er hatte sich in Griff und war professionell durch und durch. Die Dortmunder dagegen sollten langsam mal die Rezeptur für das Schießpulver ändern, das war wohl nix. Den Chancen nach hätten die längst die Führung haben können, aber wer keine Tore schießt bekommt selbst welche. Wenn die gegen Neapel auch alles vergeigen wird schnell Essig mit CL.
Byrdy100 24.11.2013
3. ich kann den ganzen
Scheiß nicht mehr hören und lesen. Götze hier Götze da und Götze überall. Kann man nicht über etwas besseres schreiben liebe Spon Redaktion.
Kauzboi 24.11.2013
4.
Zitat von Attila2009Man hat wieder gesehen dass man sich Erfolg auch einfach kaufen kann. Ich gönne das dem Götze, das war sicher nicht leicht für ihn aber ob es notwendig war nach München zu gehen würde ich so nicht einschätzen. Erfolge hätte er auch gemeinsam mit dem BVB feiern könne , diese wären sogar ehrlicher und härter erkämpft als das leichte Glück und die seichte Feude. Aber toll wie er nach seinem Tor reagiert hat mit Rücksicht auf das Publikum keine Jubelshow abgezogen hat. Er hatte sich in Griff und war professionell durch und durch. Die Dortmunder dagegen sollten langsam mal die Rezeptur für das Schießpulver ändern, das war wohl nix. Den Chancen nach hätten die längst die Führung haben können, aber wer keine Tore schießt bekommt selbst welche. Wenn die gegen Neapel auch alles vergeigen wird schnell Essig mit CL.
Er hatte wohl u.a. auch genug von diesem peinlichen Neidgesabbel vonwegen "ehrlich und hart erarbeitet" - wenn sich ein Verein in der Bundesliga den Erfolg lang und hart erarbeitet hat, dann der FC Bayern und nicht das.von Grossmannssucht beinahe in die Pleite getriebene und u.a. von den Bayern mitgerettete Dortmund. Die Geschichte zwischen den Erfolgen solltet ihr tunlichst nicht ausblenden.... Und das nicht-jubeln ist nur Heuchelei. Nicht nur bei Götze.
Kauzboi 24.11.2013
5.
Zitat von Byrdy100Scheiß nicht mehr hören und lesen. Götze hier Götze da und Götze überall. Kann man nicht über etwas besseres schreiben liebe Spon Redaktion.
Geh doch weg, wenn du es nicht mehr lesen willst. Die Welt dreht sich nicht um dich - auch wenn die Erkenntnis schmerzhaft für dich sein muss.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.