DFB-Nationalspieler Götze Konkurrenz mit dem Kumpel

Mario Götze ist beim FC Bayern derzeit nur zweite Wahl, gar über eine Rückholaktion des BVB wird spekuliert. In der Nationalmannschaft ist er bisher hochgeschätzt, aber auch hier bekommt er Konkurrenz.

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Von , Berlin


Solche Worte aus dem Mund des Chefs hört man doch gerne. "Der Mario hat spürbar mehr Selbstbewusstsein. Er hat wieder seine alte Sicherheit. Das erkennt man in jedem Training an seinen Bewegungen, seiner Ausstrahlung und seiner Körpersprache", sagt Joachim Löw. Er plane gegen England (20.45 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) "von Beginn an mit dem Mario".

Die Rede ist von Mario Gomez, nicht von Mario Götze.

Von spürbar mehr Selbstbewusstsein kann bei dem aktuellen Sorgenkind der deutschen Nationalmannschaft tatsächlich nicht gesprochen werden. Mario Götze war erst verletzt und scheint danach beim FC Bayern unter Josep Guardiola nicht mehr besonders gefragt zu sein. Bei den wichtigen Spielen in Dortmund und gegen Juventus Turin beließ er den 23-Jährigen auf der Bank, als es daheim gegen Werder Bremen ging - mit Verlaub ein eher nachrangiges Spiel -, durfte er mal wieder von Beginn an ran. Der FC Bayern erzielte fünf Treffer, die Torschützen waren andere, Götze wurde nach 54 Minuten vom Platz geholt.

Es ist im Grunde ein Jammer, dass der renommierteste Vereinstrainer der Welt und der mutmaßlich beste deutsche Fußballer einfach nicht zueinander gefunden haben. Wobei Götze an sich alle Voraussetzungen mitgebracht hätte, ein Guardiola-Spieler zu werden. Klein, technisch fertig, ballsicher - und dennoch hat es nicht funktioniert. Und eine zufriedenstellende Erklärung hat an sich niemand der Beteiligten. Der Trainer lobt seinen Spieler, wie er jeden Spieler lobt. Götze hat stets betont, dass er sich in München wohl fühle und nicht an einen Vereinswechsel denke.

Rückholgerüchte entwickeln Eigendynamik

Dass in den vergangenen Tagen vermehrt Spekulationen über eine Rückkehr Götzes zu Borussia Dortmund auftauchen und diese Gerüchte eine gewisse Eigendynamik entwickelt haben, zeigt schon den Grad einer gewissen Verzweiflung an, die den Spieler und sein Umfeld umwehen. Die "Süddeutsche Zeitung" berichtete sogar von einer schon im Raum stehenden Ablösesumme: 20 Millionen Euro. In Dortmund war Götze glücklich, in Dortmund ist er nach seinem Abgang aber auch mit "Verräter"-Rufen bedacht worden.

Götze zum BVB zurück - das wäre noch vor Monaten ein schlechter Witz gewesen, eigentlich ist er es immer noch, und dennoch steht dies plötzlich im Raum. Die BVB-Fans wären sicher in der Lage, einen Rückkehrer Götze wieder liebzuhaben, aber mit offenen Armen würde er in Dortmund nicht empfangen.

"Ich habe mit Mario gesprochen, und er scheint mit seiner Situation nicht ganz zufrieden zu sein", hat sein Teamkollege Thomas Müller gesagt. Und wie man Müller kennt, war das wieder eher einer dieser Sätze von ihm, die man nicht ganz ernst zu nehmen hat. Es dürfte nämlich die Untertreibung des Jahres sein. Der Spieler, der - man kommt nicht umhin, es zu erwähnen - das Siegtor im WM-Finale erzielt hat, für den die Bayern 37 Millionen Euro ausgegeben haben, muss den Anspruch haben, auch beim FC Bayern zum Premium-Personal zu gehören.

Bei der Nationalmannschaft tut er das. Löw hat bisher nie einen Zweifel daran gelassen, dass er den Bayernspieler über die Maßen schätzt. Das berühmte Löw-Zitat bei der Einwechslung Götzes im WM-Endspiel - es ist seitdem hundertfach zitiert worden. Dass Götze wirklich besser ist als Lionel Messi - diesen Beweis ist er seitdem schuldig geblieben, und wahrscheinlich kann er ihn auch nicht erbringen, weil Messi einfach der Beste ist. Aber der Bundestrainer ist ein Götze-Fan.

Götze hat in der Nationalelf meist Leistung gezeigt

Und bislang hat der Spieler dies auf dem Platz meistens auch zurückgezahlt. Noch vor seiner Verletzung im Herbst war er es, der die wichtige Qualifikationspartie gegen Polen entschied. Er war es, der im ersten WM-Gruppenspiel gegen Portugal mit seinem Dribbling im Strafraum den Elfmeter herausholte, der die Tür zum klaren und eminent wichtigen Auftaktsieg öffnete. Die Nationalmannschaft braucht gerade, weil sie bei der Chancenauswertung ihre Schwächen hat, einen wie Götze, der wie Müller jederzeit in der Lage zum erfolgreichen Torabschluss ist.

Bei der WM war auch deswegen meistens ein Platz im Team, weil derjenige nicht dabei ist, der gemeinhin als bester Freund Götzes gilt. Dortmunds Marco Reus hat die Weltmeisterschaft auf denkbar unglückliche Weise verpasst, das Verletzungspech war über die Jahre sozusagen ein noch treuerer und zuverlässigerer Kumpel, als es Götze für ihn ist. Aber das hat sich geändert, Reus ist in der aktuellen Saison nur von kleineren Verletzungen heimgesucht worden.

Für Joachim Löw ist er damit eine Option für die Turnier-Startelf, an der er angesichts der starken Form des Dortmunders nur schlecht vorbeikommt. Es könnte ein kleiner Treppenwitz sein, dass Götze der Leidtragende davon sein wird. Reus und Götze: Das ist zwar auch denkbar, aber dann müsste ein anderer weichen. Mesut Özil, Thomas Müller - sie werden ihren Platz in der Offensive kaum hergeben müssen. Und Mario Gomez meldet nach Jahren der Abstinenz auch wieder Ansprüche an.

Reus oder Götze - sie werden zwar nicht unbedingt der Welt, aber dem Bundestrainer zeigen müssen, wer der Bessere ist.



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johnnypistolero 26.03.2016
1. die bayern...
haben schon so manchen star zur sternschnuppe werden lassen, siehe poldi...
ge1234 26.03.2016
2. Keine zufriedenstellende Erklärung?
Die Erklärung lautet, dass Guardiola aktuell im offensiven Mitteldfeld mehr als genug Spieler zur Verfügung stehen, die, trotz Götzes Klasse, momentan einfach stärker und besser sind als er.
realist4 26.03.2016
3. Ja klar doch
"... auch beim FC Bayern zum Premium-Personal zu gehören. Bei der Nationalmannschaft tut er das. Löw hat bisher nie einen Zweifel daran gelassen, dass er den Bayernspieler über die Maßen schätzt" Da frag ich mich doch, warum er bei der WM nicht gesetzt war und auch im Finale erst spät eingewechselt wurde. Saure Gurkenzeit, keine Buli, keine CL, also jeden Tag einen Artikel über Götze aus dem Finger saugen um die Seiten voll zu bekommen. FC Bayern zieht immer.
widower+2 26.03.2016
4. Luxus
Wann hatte Deutschland oder irgendeine Nationalmannschaft jemals eine derartige Auswahl an hervorragenden offensiven Mittelfeldspielern?
Sal.Paradies 26.03.2016
5. Manche Probleme möchte man haben
Ja, es ist gut möglich, dass gerade Kumpel Marco dem Mario einen Startplatz weg nimmt. Und? Also im Gegensatz zu Hr.Ahrens habe ich keinerlei Probleme mit einer solchen Konstellation, da wohl die meisten Nationaltainer der Welt gerne ein solches Luxusproblem hätten! Fast schon ein Jammer, dass Reus+Götze sich so ähnlich sind, andererseits gibt es kaum einen besseren Backup für "beide, wenn einer ausfallen sollte. So what? Und bitte nicht vergessen, dass in gewissen Spielsituationen, gerade wenn mächtig Druck nach Vorne generiert werden soll, auch mal beide "gleichzeitig" auf dem Platz stehen könnten. Reus kann beide Seiten spielen und mehr Individualität und Dribblings geht nicht. Also genau das richtige, wenn hinten Beton angerührt wird. Immerhin bin ich froh, dass Löw sich von der Situation in München nicht anstecken lässt und weiterhin auf Götze setzt. Dass jemand wie Götze mit diesem unbeschreiblichen Talent spielen muss, versteht sich von selbst. Beide, Reus+Götze sind Vollstrecker und wer gewinnen möchte, kann solche Leute nicht auf der Bank lassen, soviel ist sicher... ;-)
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