Bayern-Torjäger Mario Gomez Nur im Strafraum ein Star

Mario Gomez trifft und trifft - zuletzt viermal in der Champions League. Eine solche Bilanz hat beim FC Bayern lange kein Stürmer mehr gehabt. Dennoch ist es ausgerechnet der Erfolg des Angreifers, der für den Rekordmeister zum Problem wird.

Bayern-Star Gomez: Im Sechzehnmeter-Raum unaufhaltsam
DPA

Bayern-Star Gomez: Im Sechzehnmeter-Raum unaufhaltsam

Von


"Tormaschine." "Gomessi." "Goal-mez." "Super-Mario." Am Tag danach hat sich die internationale Presse überschlagen. Vier Tore in einem Champions League-Spiel - was Mario Gomez am Dienstag beim 7:0 über den FC Basel veranstaltete, hat bisher noch kein anderer deutscher Fußballer in der europäischen Königsklasse geschafft.

Mario Gomez hat in den vergangenen 72 Pflichtspielen für die Bayern 72 Treffer erzielt. Eine sagenhafte Bilanz, die beim FC Bayern seit Gerd Müller keiner erreicht hat. Kein Roy Makaay, kein Claudio Pizarro, kein Luca Toni, kein Giovane Elber, kein Roland Wohlfarth. Wenn Gomez erfolgreich ist, ist der FC Bayern erfolgreich. Und da liegt das Problem.

Das Spiel der Münchner ist auf den Mittelstürmer zugeschnitten. Die beiden Stars auf den Außenbahnen, Arjen Robben und mehr noch Franck Ribéry, reißen die Räume auf, Gomez vollstreckt. Die Elf von Trainer Jupp Heynckes kann, so wie sie ihr derzeitiges Spiel anlegt, auf jeden im Team verzichten, selbst auf Bastian Schweinsteiger, selbst auf Ribéry. Nur auf Gomez nicht.

Bayern funktioniert, wenn Gomez funktioniert

Der Mittelstürmer hat mit seiner Treffsicherheit die Mannschaft in eine Art babylonische Gefangenschaft hineingeführt. Das Team ist auf die Tagesform ihres zentralen Stürmers angewiesen. Man kann darin ein Luxusproblem sehen. Schließlich trifft der 26-Jährige derzeit mit geradezu stoischer Sicherheit. Man könnte fragen, warum denn ein System ändern, das so gut funktioniert? Weil es eben nur funktioniert, wenn Gomez funktioniert. Weil es auch immer noch die anderen Gomez-Tage gibt, an denen er allerbeste Torgelegenheiten auslässt - es sind genau die Spiele, die der FC Bayern dann auch verliert. Weil es letztlich den FC Bayern von der Entwicklung zu einem modernen Laufspiel abhält.

Gomez ist der klassische Strafraumspieler, in der Bundesliga vielleicht der Letzte seiner Art. Unaufhaltsam mit seiner Wucht, seiner körperlichen Präsenz, seinem Kopfballspiel im Sechzehnmeterraum, außerhalb dagegen oft verloren wirkend. Wenn Gomez auf den Flügel ausweicht, beraubt er sich seiner Kraft, quasi seiner Kernkompetenz, dann treten seine fußballerischen Defizite zutage.

Selbst der Schalker Klaas-Jan Huntelaar, der ihm von seiner Spielweise noch am nächsten kommt, hat mittlerweile dazu gelernt und ist dabei, den Übergang zum spielenden Stürmer zu vollziehen. Der Bayern-Stürmer dagegen ist einer, der nur im Strafraum existiert. Vergleiche mit Barça-Superstar Lionel Messi, wie sie nach dem Basel-Spiel schon angestimmt wurden, verbieten sich daher.

Genau das ist der Grund, warum sich der Bayern-Star in der Nationalmannschaft schwerer tut, dort trotz all seiner Tore nicht als gesetzt gilt. Der variantenreiche Tempofußball, den Bundestrainer Joachim Löw zu spielen pflegt, kommt weit mehr dem flexibleren Miroslav Klose entgegen. Der ist zwar der Ältere der beiden, aber er ist der Modernere. Weil er sich die Bälle im Mittelfeld besorgt, weil er seinen Nebenleuten auflegt, wenn es angebracht ist, weil er spielerisch das größere Potential besitzt. Die Nationalmannschaft spielt Klose-Fußball, der FC Bayern Gomez-Fußball.

Wenn der frühere Stuttgarter beim Rekordmeister über längere Zeit ausfiele, müsste sich der FC Bayern neu erfinden, und es würde wahrscheinlich nicht zum Schaden sein. Trainer und Mannschaft wären gezwungen, das Offensivspiel umzustellen. Und die Akteure dazu hat Trainer Jupp Heynckes zur Verfügung: Wer einen Robben, einen Ribéry in den Reihen hat, dazu Thomas Müller, einen Toni Kroos, der jederzeit auf Offensivspiel umschalten kann, dazu in der Hinterhand einen Ivica Olic - der hat alle Optionen für ein unberechenbareres Angriffsspiel.

Das System Gomez steht dagegen für das Schema F. Es ist ein erfolgreiches Schema F, ohne Zweifel. Aber es ist Fußball alter Schule. Es klingt ein wenig absurd, dies nach einem Fußballspiel zu schreiben, bei dem der Mittelstürmer vier Treffer erzielt hat, aber: Über den Spielertyp Mario Gomez wird in wenigen Jahren die Zeit hinweggegangen sein.

insgesamt 105 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
wanneeickel, 14.03.2012
1. Peinsam
Der gestrige Liveticker zum Spiel bei SPON war übrigens extremst (Superlativ) peinsam. Ich hoffe, die Putzfrau hatte nicht zu viel Mühe damit, die Hinterlassenschaft des "Kommentators" zu beseitigen, der dürfte während des Spiels aus Freude über seine Lieblingsbayern vermutlich mehrfach unter sich gelassen haben- so kam er jedenfalls rüber. Vielleicht nächstens jemanden nehmen, der keine Unterwäsche aus dem Fanshop Säbener Strasse trägt. Wie man so was machen könnte, wenn man es kann, kann er sich ja mal bei Gelegenheit bei 11Freunde abgucken... Ach, übrigens: Gomez ernsthaft mit Messi zu vergleichen (diesmal kein Vergehen von SPON) ist ungefähr so schräg wie, äh, wie, äh- sorry, mir fällt leider momentan kein ähnlich realitätsferner Vergleich ein.
das_schaaf 14.03.2012
2.
So ein Schmarren. Bin ganz gewiss kein Bayern-Fan. Aber Gomez ist ein Fußball-Gott. Und dass all das Geseiere über fußballerische Defizite Schwachsinn ist, hat er in Stuttgart mit seinem breit angelegten Aufgabenspektrum, das der dort erfüllen musste, bewiesen. Das Einzige, was er nicht kann, ist tatsächlich das Flügelspiel. Zentral kann er alles. Bälle schleppen, Bälle verteilen, vollstercken, verzögern, ablegen. Wie jeder normale Mensch hat er Formschwankungen. Aber daran krankt der FC Bayern gewiss nicht. Eher schon an seiner beschissenen Abwehr, in der allen Ernstes ein nicht verletzter van Buyten eine wichtige Option wäre. Vorne geht aber alles. Die Jungs hatten nur die Meisterschaft und das CL-Halbfinale im Geiste schon eingetütet. Jetzt sind sie aufgewacht.
ovit 14.03.2012
3.
Zitat von sysopDPAMario Gomez trifft und trifft - zuletzt viermal in der Champions League. Eine solche Bilanz hat beim FC Bayern lange kein Stürmer mehr gehabt. Dennoch ist es ausgerechnet der Erfolg des Angreifers, der für den Rekordmeister zum Problem wird. http://www.spiegel.de/sport/fussball/0,1518,821289,00.html
der autor weiß nicht nur, was in wenigen jahren sein KANN, sondern direkt was sein WIRD. wie werden denn die lottozahlen am wochenende?
chrissikmar 14.03.2012
4.
Da trifft er mal nicht -> Gigantische Krise beim FCB Trifft er -> Ist ein gigantisches Problem für den FCB Heiei. Entscheidet Euch, lieber Spiegel, doch mal, was Ihr sagen wollt. So wie viele Artikel hier schreibt ihr den einen Tag so, den anderen so. Und nach einem 7:0 in der Championsleage, und das im Achtelfinale (inzwischen ist bis auf Bayern kein deutscher Club mehr dabei), bei dem Mario 4 Tore erzielt hat, sollte doch Anlass genug sein, endlich mal einfach die sportliche Leistung zu würdigen. Und nicht die ganze Zeit rum zu weinen, weil - ganz ehrlich - das ist peinlich. Und mehr nicht.
cherea 14.03.2012
5.
Zitat von das_schaafSo ein Schmarren. Bin ganz gewiss kein Bayern-Fan. Aber Gomez ist ein Fußball-Gott. Und dass all das Geseiere über fußballerische Defizite Schwachsinn ist, hat er in Stuttgart mit seinem breit angelegten Aufgabenspektrum, das der dort erfüllen musste, bewiesen. Das Einzige, was er nicht kann, ist tatsächlich das Flügelspiel. Zentral kann er alles. Bälle schleppen, Bälle verteilen, vollstercken, verzögern, ablegen. Wie jeder normale Mensch hat er Formschwankungen. Aber daran krankt der FC Bayern gewiss nicht. Eher schon an seiner beschissenen Abwehr, in der allen Ernstes ein nicht verletzter van Buyten eine wichtige Option wäre. Vorne geht aber alles. Die Jungs hatten nur die Meisterschaft und das CL-Halbfinale im Geiste schon eingetütet. Jetzt sind sie aufgewacht.
Ich gebe Ihnen absolut recht! So ein Quatsch habe ich selten gelesen. Auch wenn SPON immer kein System bei den Bayern erkennen will, es gibt eins uns lässt Gomez vor allem so spielen. Einen der variabelsten Spieler im Sturm überhaupt, die Anfragen vor allem von englischen Clubs zeigen jetzt nicht auf, dass man ihn als Haarmodell einstellen will, weil er sonst nix drauf hat.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.