DFB-Sieg gegen Portugal: Mies gespielt, aber gut geköpft

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Schön war das nicht, aber wichtig. Die deutsche Nationalmannschaft hat ihr erstes EM-Spiel gewonnen. Gegen Portugal agierte die DFB-Elf phasenweise einfallslos und langsam. Erst ein später Kopfballtreffer von Mario Gomez brachte die Rettung.

REUTERS

Hamburg - Schwache Testspiele, die peinliche Farce um nächtliche Aktivitäten von Jérôme Boateng, der verbale Ausrutscher von Co-Trainer Hans-Dieter Flick: alles vergessen, alles egal - dank Mario Gomez. Zumindest bis zur nächsten Begegnung gegen die Niederlande am Mittwoch.

Der Stürmer, erst am Spieltag anstelle von Miroslav Klose in die Startelf gerückt, erzielte den 1:0 (0:0)-Siegtreffer im Duell der deutschen Fußball-Nationalmannschaft gegen Portugal (72. Minute). Und machte so aus einem schwachen Kick immerhin noch einen gelungenen EM-Auftakt. "Ich bin froh, dass der Trainer mir das Vertrauen geschenkt hat. Ich hatte von Anfang an ein gutes Gefühl", so der Torschütze kurz nach dem Spiel. "Ich habe gedacht: Eine Chance bekommst du noch."

Bundestrainer Joachim Löw hatte nicht nur im Sturm getauscht, Mats Hummels begann anstelle von Per Mertesacker in der Innenverteidigung. Gomez und Hummels hätten "eine tolle Saison hinter sich", hatte Co-Trainer Hans-Dieter Flick kurz vor Anpfiff die Entscheidung etwas schwammig begründet. Beide Wechsel sollten sich als goldrichtig entpuppen.

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DFB-Sieg gegen Portugal: Gomez erlöst Deutschland
Doch anders als im ersten Spiel der Gruppe B - das die Niederlande gegen Dänemark dominiert, am Ende aber verloren hatten - war die Vorstellung des DFB-Teams wenig mitreißend. So mühselig sich das deutsche Spiel nach vorn entwickelte, so fulminant hatte es allerdings begonnen. Erst 1:18 Minuten waren vorüber, als Portugals Keeper Rui Patricio erstmals gefordert war. Den Kopfball von Gomez hielt er ohne große Mühe. Der nächste gelungene Angriff über Mesut Özil und Thomas Müller landete schließlich bei Lukas Podolski, dessen Direktabnahme mit dem Außenrist flog aber direkt in den Armen Patricios (9.).

Dass Portugals Superstar Cristiano Ronaldo nicht ins Spiel kam, war vor allem den Pässen geschuldet, die er bekam - oder vielmehr: nicht bekam. Die Verteidiger Pepe und Bruno Alves suchten Ronaldo mit langen Bällen, diese landeten aber entweder im Aus oder beim Gegner. Erst in der 19. Minute bekam Ronaldo mal einen Pass unter Kontrolle und legte im Fünfmeterraum quer, doch Philipp Lahm konnte klären.

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DFB-Einzelkritik: Sensation Boateng, Schwachstelle Schweinsteiger
In der 24. Minute hatten die zahlreichen deutschen Fans unter den 30.000 Zuschauern im Stadion in Lwiw schon zum Torjubel angehoben, als Gomez nach Khedira-Pass den Ball ins lange Eck geschoben hatte. Doch Schiedsrichter Stéphane Lannoy hatte Foul an Khedira gepfiffen, statt den Vorteil laufen zu lassen. Eine unglückliche Entscheidung.

Und vor allem bitter für die deutsche Mannschaft, weil das Team zwar in der ersten Halbzeit auf über 60 Prozent Ballbesitz kam und mehr als doppelt so viele Pässe wie der Gegner (255 zu 118) spielte, aber eben fast nie torgefährlich wurde. Es fehlte fast jegliches Tempo im Angriff, kaum eine Idee, kaum Mut zum Risiko. Gegen die tiefstehenden Portugiesen kam Deutschland ohne Probleme bis 30 Meter vor das Tor - aber fast nie weiter.

Gomez' Kopfball beendet die Kreativpause

So wenig im Angriff zusammenlief, die Abwehrkette Boateng-Hummels-Badstuber-Lahm stand - bei zugegeben wenig Arbeit - sicher, beteiligte sich gut an der Spieleröffnung und nahm Ronaldo souverän aus der Partie. Kurz vor der Pause allerdings stimmte die Zuordnung nach einem Standard nicht. Pepe kam nach einem Eckball unbedrängt zum Abschluss, sein Schlenzer landete an der Unterkante der Latte, sprang auf die Torlinie und zurück ins Spiel.

Auch wenn der Spielverlauf eigentlich nach der Einwechslung eines wendigen Spielers wie Marco Reus oder Mario Götze forderte - Löw blieb seiner Elf auch in Halbzeit zwei zunächst treu. Podolski und Müller wurden direkt nach Wiederanpfiff geblockt, allein, es war erneut nur ein vielversprechender Auftakt. Wieder folgte eine Kreativpause. Sie dauerte bis zur 72. Minute. An der Seitenlinie machte sich Klose bereits warm, um Gomez im Angriff abzulösen. Da flankte Khedira, ans rechte Strafraumeck vorgerückt, in den Strafraum. Gomez köpfte gegen die Laufrichtung von Torhüter Patricio und traf ins lange Eck. Fünf Minuten später verpasste Gomez nur knapp eine Hereingabe von Müller.

Portugal drehte in der Schlussphase notgedrungen auf, Hummels und Manuel Neuer retteten gegen Fábio Coentrão (83.) und Ronaldo (84.), eine verunglückte Flanke von Nani traf die Latte. In der 89. Minute warf sich erneut Neuer in letzter Sekunde in einen Schuss des eingewechselten Silvestre Varela. In der Nachspielzeit gewann Hummels fast jeden Zweikampf, Badstuber blockte den letzten Torschuss der Partie von Nani.

Deutschland - Portugal 1:0 (0:0)
1:0 Gomez (73.)
Deutschland: Neuer - Boateng, Hummels, Badstuber, Lahm - Khedira, Schweinsteiger - T. Müller (90.+4 L. Bender), Özil (87. Kroos), Podolski - Gomez (80. Klose)
Portugal: Rui Patricio - Joao Pereira, Bruno Alves, Pepe, Fábio Coentrão - Veloso - Raul Meireles (80. Varela), Moutinho - Nani, Cristiano Ronaldo - Hélder Postiga (70. Oliveira)
Schiedsrichter: Stéphane Lannoy (Frankreich)
Zuschauer (in Lwiw): 34.915
Gelbe Karten: Boateng, Badstuber - Fábio Coentrão, Hélder Postiga

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1. Bei aller Freude
hajueberlin, 09.06.2012
Zitat von sysopGetty ImagesSchön war das nicht, aber wichtig. Die deutsche Nationalmannschaft hat ihr erstes EM-Spiel gewonnen. Gegen Portugal agierte die DFB-Elf phasenweise einfallslos und langsam. Erst ein später Kopfballtreffer vom Mario Gomez brachte die Rettung. http://www.spiegel.de/sport/fussball/0,1518,837960,00.html
Aber dieser Trainer wird nie einen Titel gewinnen. Das gesamte Spiel (und häufig auch in vergangenen Spielen)über hat die Mannschaft gute bis sehr Ansätze gezeigt, aber dann häufig abgebrochen. Ich habe den Eindruck, weil sie darüber nachdenken mussten, was der Trainer für diese Situationen angeordnet hat. Man kann es mit der Kontrolle auch übertreiben. So etwas macht den Spielern Angst. Er soll ihnen mehr Freiheiten geben und gut ist. Zumal doch vorher immer wieder von Selbstvertrauen die Rede war. Sie sind doch alles gute und ehrgeizige Spieler. Wie gut Kreativität und Instinkt sind, zeigen doch viele erfolgreiche Mannschaften. Man muss ja nicht gleich in Schönheit sterben. Es darf mitunter ruhig etwas robuster werden. Dann bekommt man selbst auch weniger auf die Socken und ist in der Folge auch seltener verletzt. War so, ist so und wird auch so sein. Man muss ja nicht gleich die Knochen brechen. Oder mit den Worten meines Trainers aus der A-Jugend vor ca. 40 Jahren: "Entweder Du machst ihm AUA oder er dir."(Dies ist keine! Aufforderung zu einer Straftat, sondern soll nur die übliche fussballerische Härte beschreiben.Siehe z. B. den Spieler Pepe von den Portugiesen.)
2. am ende steht ein ergebnis
erikl 09.06.2012
gut gemacht, jungs
3. Herrlich....
derlabbecker 09.06.2012
Zitat von sysopGetty ImagesSchön war das nicht, aber wichtig. Die deutsche Nationalmannschaft hat ihr erstes EM-Spiel gewonnen. Gegen Portugal agierte die DFB-Elf phasenweise einfallslos und langsam. Erst ein später Kopfballtreffer vom Mario Gomez brachte die Rettung. http://www.spiegel.de/sport/fussball/0,1518,837960,00.html
... und Christiano Ronaldo hat mal wieder so richtig versagt. Sorry, wer an einem Boateng nicht vorbeikommt...
4. Gomez
erpo 09.06.2012
dafür ist er da.
5. gespannt
hanswurst82 09.06.2012
Ich bin mal gespannt auf die Leute, die beim Eröffnungsspiel die polnischen Fans kritisiert haben, sie seien unfair gewesen... Was sagt ihr zum Verhalten der deutschen Fans? Das war ja mal ne ganze Ecke schlimmer!
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