Von Lukas Rilke
Hamburg - Schwache Testspiele, die peinliche Farce um nächtliche Aktivitäten von Jérôme Boateng, der verbale Ausrutscher von Co-Trainer Hans-Dieter Flick: alles vergessen, alles egal - dank Mario Gomez. Zumindest bis zur nächsten Begegnung gegen die Niederlande am Mittwoch.
Der Stürmer, erst am Spieltag anstelle von Miroslav Klose in die Startelf gerückt, erzielte den 1:0 (0:0)-Siegtreffer im Duell der deutschen Fußball-Nationalmannschaft gegen Portugal (72. Minute). Und machte so aus einem schwachen Kick immerhin noch einen gelungenen EM-Auftakt. "Ich bin froh, dass der Trainer mir das Vertrauen geschenkt hat. Ich hatte von Anfang an ein gutes Gefühl", so der Torschütze kurz nach dem Spiel. "Ich habe gedacht: Eine Chance bekommst du noch."
Bundestrainer Joachim Löw hatte nicht nur im Sturm getauscht, Mats Hummels begann anstelle von Per Mertesacker in der Innenverteidigung. Gomez und Hummels hätten "eine tolle Saison hinter sich", hatte Co-Trainer Hans-Dieter Flick kurz vor Anpfiff die Entscheidung etwas schwammig begründet. Beide Wechsel sollten sich als goldrichtig entpuppen.
Dass Portugals Superstar Cristiano Ronaldo nicht ins Spiel kam, war vor allem den Pässen geschuldet, die er bekam - oder vielmehr: nicht bekam. Die Verteidiger Pepe und Bruno Alves suchten Ronaldo mit langen Bällen, diese landeten aber entweder im Aus oder beim Gegner. Erst in der 19. Minute bekam Ronaldo mal einen Pass unter Kontrolle und legte im Fünfmeterraum quer, doch Philipp Lahm konnte klären.
Und vor allem bitter für die deutsche Mannschaft, weil das Team zwar in der ersten Halbzeit auf über 60 Prozent Ballbesitz kam und mehr als doppelt so viele Pässe wie der Gegner (255 zu 118) spielte, aber eben fast nie torgefährlich wurde. Es fehlte fast jegliches Tempo im Angriff, kaum eine Idee, kaum Mut zum Risiko. Gegen die tiefstehenden Portugiesen kam Deutschland ohne Probleme bis 30 Meter vor das Tor - aber fast nie weiter.
Gomez' Kopfball beendet die Kreativpause
So wenig im Angriff zusammenlief, die Abwehrkette Boateng-Hummels-Badstuber-Lahm stand - bei zugegeben wenig Arbeit - sicher, beteiligte sich gut an der Spieleröffnung und nahm Ronaldo souverän aus der Partie. Kurz vor der Pause allerdings stimmte die Zuordnung nach einem Standard nicht. Pepe kam nach einem Eckball unbedrängt zum Abschluss, sein Schlenzer landete an der Unterkante der Latte, sprang auf die Torlinie und zurück ins Spiel.
Auch wenn der Spielverlauf eigentlich nach der Einwechslung eines wendigen Spielers wie Marco Reus oder Mario Götze forderte - Löw blieb seiner Elf auch in Halbzeit zwei zunächst treu. Podolski und Müller wurden direkt nach Wiederanpfiff geblockt, allein, es war erneut nur ein vielversprechender Auftakt. Wieder folgte eine Kreativpause. Sie dauerte bis zur 72. Minute. An der Seitenlinie machte sich Klose bereits warm, um Gomez im Angriff abzulösen. Da flankte Khedira, ans rechte Strafraumeck vorgerückt, in den Strafraum. Gomez köpfte gegen die Laufrichtung von Torhüter Patricio und traf ins lange Eck. Fünf Minuten später verpasste Gomez nur knapp eine Hereingabe von Müller.
Portugal drehte in der Schlussphase notgedrungen auf, Hummels und Manuel Neuer retteten gegen Fábio Coentrão (83.) und Ronaldo (84.), eine verunglückte Flanke von Nani traf die Latte. In der 89. Minute warf sich erneut Neuer in letzter Sekunde in einen Schuss des eingewechselten Silvestre Varela. In der Nachspielzeit gewann Hummels fast jeden Zweikampf, Badstuber blockte den letzten Torschuss der Partie von Nani.
Deutschland - Portugal 1:0 (0:0)
1:0 Gomez (73.)
Deutschland: Neuer - Boateng, Hummels, Badstuber, Lahm - Khedira, Schweinsteiger - T. Müller (90.+4 L. Bender), Özil (87. Kroos), Podolski - Gomez (80. Klose)
Portugal: Rui Patricio - Joao Pereira, Bruno Alves, Pepe, Fábio Coentrão - Veloso - Raul Meireles (80. Varela), Moutinho - Nani, Cristiano Ronaldo - Hélder Postiga (70. Oliveira)
Schiedsrichter: Stéphane Lannoy (Frankreich)
Zuschauer (in Lwiw): 34.915
Gelbe Karten: Boateng, Badstuber - Fábio Coentrão, Hélder Postiga
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