EM-Spieler Gomez und Podolski Die Süperstars

Mario Gomez und Lukas Podolski gehören zu den Erfahrenen im DFB-Team. Beide spielen in der Türkei, beide wissen noch nicht, wie oft sie bei der EM zum Einsatz kommen werden.

Mario Gomez
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Mario Gomez

Aus Ascona berichten und


Die türkische Luft und das gute türkische Essen also. Die sollen verantwortlich für den Leistungssprung sein. Das ist jedenfalls die Erklärung, die Lukas Podolski anbietet. Vor einem Jahr sind er und Mario Gomez gemeinsam aus Italien in die Süper Lig nach Istanbul gewechselt, beide kamen aus einem tiefen Leistungsloch. Ein Jahr später ist Gomez türkischer Meister mit Besiktas, Podolski ist Pokalsieger mit Galatasaray.

Was allerdings noch gar nichts darüber aussagt, welche Rolle sie in den Plänen des Bundestrainers für die bevorstehende EM spielen. Und ob sie überhaupt eine spielen.

Beide haben schon vor acht Jahren die EM-Vorbereitung im schweizerischen Ascona mitgemacht. Beide waren damals gesetzt, für Gomez wurde das Turnier zu einem Albtraum, seine kläglich vergebene Torchance gegen Österreich zum Internet-Hit. Er hat danach in der Nationalmannschaft nie wieder zum alten Stellenwert zurückgefunden, vor zwei Jahren wurde er im Vorfeld der WM sogar von Löw vorzeitig aussortiert.

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Heute sagt Gomez: "Ich fühle mich so gut wie noch nie in meiner Karriere." Er hat 26 Treffer in 33 Ligaspielen erzielt, er ist der Torschützenkönig der Süper Lig geworden, in Istanbul liegen ihm die Besiktas-Fans zu Füßen. Jetzt müsste er nur noch Joachim Löw überzeugen.

Als ein Journalist auf der Pressekonferenz nach dem Testspiel gegen die Slowakei am Sonntag Gomez in den höchsten Tönen lobte und vor allem dessen neu entdecktes Kombinationsspiel herausstrich, relativierte Löw: Gomez sei ein "Stürmer der letzten Aktion", er werde "nie der spielende Mittelstürmer werden, sondern einer, der lauert", so der Bundestrainer: "Wenn man ihm die Bälle richtig hinspielt, dann ist er gefährlich." Und überhaupt müsse man "die Laufwege bei ihm noch abstimmen und an den Details noch arbeiten".

Damit hatte Löw in der Verkleidung eines Lobes mal eben alle Kritik auf den Punkt gebracht, die Gomez seit Jahren anhängt. Der Strafraumspieler, der seine Probleme in der Rückwärtsbewegung habe, der außerhalb des Sechzehners wenig wirksam sei.

Der Torjäger muss sich das Vertrauen des Bundestrainers auch im neunten Jahr seiner Nationalmannschaftskarriere und nach 63 Länderspielen noch immer neu erarbeiten. Die ausgeprägte Abneigung Löws gegen einen klassischen Mittelstürmer trifft im Zweifelsfall ihn. Bei der EM 2012 schoss er das DFB-Team mit seinen Toren quasi im Alleingang in die K.-o.-Runde. Im Viertelfinale ließ Löw ihn dann draußen.

Gomez zeigte sich damals enttäuscht, heute sieht er das gelassener. "Diese Mannschaft zeichnet eben aus, dass sie mehrere variable Systeme spielen kann", sagt er. Und ohnehin habe er gelernt, nicht mehr so fixiert auf die Karriere zu sein: "Ich habe festgestellt, dass Pläne, die man sich macht, manchmal auch nicht aufgehen." Er wolle jetzt lieber "planlos" leben und nur noch "einfach Teil dieser Mannschaft sein". Wie groß dieser Teil sei, sei nicht mehr so wichtig.

Lukas Podolski
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Lukas Podolski

Sich das Vertrauen von Löw erkämpfen - solche Probleme hat Lukas Podolski nicht. Er hat sie nie gehabt. Der fast 31-Jährige steht vor seinem siebten Turnier, vor seinem 128. Länderspiel, er macht seine launigen Pressekonferenzsprüche wie eh und je, und durch den Ausfall von Marco Reus haben sich seine Chancen auf Einsatzzeiten im Turnier tatsächlich noch einmal erhöht.

Von daher kann man es nachvollziehen, wenn er bei einem Thema tatsächlich seine gute Laune verliert. "Wer mich nur noch als Maskottchen der Nationalmannschaft beschreibt, den nenne ich respektlos", platzte es regelrecht aus ihm heraus. Er sei topfit, er habe in der Türkei eine "gute Saison mit vielen Toren und vielen Assists" hinter sich, "und der Bundestrainer weiß, was er an mir hat, auf und neben dem Platz". Zumindest bei diesem Satz würde ihm niemand widersprechen wollen.

Er werde "wieder alles geben, auf dem Platz, auf der Pressekonferenz und sonst wo", kündigte Podolski an. Ein Startelfkandidat war er in der Nationalelf seit Jahren nicht mehr, und die meisten Beobachter rechnen damit, dass Löw diesmal eher auf den jungen Schalker Leroy Sané in der Offensive setzt als auf den Routinier Podolski. Aber auch das wird den ewigen Kölner nicht umhauen. Denn er weiß: "Die Liebe zum Fußball, das ist wie die Liebe zur Familie und zur Frau: Die ist immer da." So viel Altersweisheit bringt nur mit, wer schon sechs Turniere gespielt hat.

Im Video: Podolski wehrt sich gegen "Maskottchen"-Vorwurf



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BernhardKirchen 01.06.2016
1. Was viele gar nicht wissen
Was viele gar nicht wissen: Lukas Podolski steht mit 22 Scorerpunkten auf Platz 3 der Scorerliste der abgelaufenen türkischen Saison, was sich in meinen Augen durchaus sehen lassen kann. Dabei hat Podolski zumeist die Rechtsaußenposition bekleidet, d.h. er spielte noch nicht mal auf seiner "Sahneposition": Hängende Spitze. Stattdessen liest man die letzten Tage immer wieder, dass Poldi eine vollkommen verkorkste Saison hinter sich hätte. Ein Draxler oder Schürrle haben da eine deutlich geringere Berechtigung zum Kader zu gehören.
antares56 01.06.2016
2. nur noch peinlich
Podolski wirkt nur noch peinlich! Er sollte akzeptieren dass er nur als Mannschaftsclown mitgenommen wird - er hat ja eh' genug mit Facebook, Twitter und wie der Kram heisst zu tun, vieleicht steht Özil ihm bei? Zu Gomez sage ich besser nichts.
oalos 01.06.2016
3. Aus dem Loch ins Helle
Ja nee, klar, in Italien waren beide im Leistungstief, bzw. andere waren schlichtwegs besser. In der Türkei - kennt hier jemand überhaupt noch andere Clubs mit Namen ausser Besiktas oder Galatasaray - sind sie die Stars und Gewinner. Reuss sollte sich trösten, dass er nicht dabei ist -- da kann er sich wenigstens auskurieren und ist fit für die Borussia in der nächsten Saison, ausserdem ist er nicht beim kommenden EM-Debakel dabei - ich freue mich schon auf die entgeisterten Gesichter aller Beteiligten. Hoffentlich regnet's nicht - dann gibt's eine Ausrede weniger.
leonardfeller 01.06.2016
4. Kein Maskottchen
"Wer mich nur noch als Maskottchen der Nationalmannschaft beschreibt, den nenne ich respektlos" Dann schauen wir uns doch einmal die Realität bei der WM 2014 an: Zwei Einsätze und 53 Spielminuten, aber nach dem Spiel als einer der ersten vor der Kamera, und in Berlin gejubelt, als hätte er alles allein gemacht. Als "Maskottchen" würde ich ihn aber dennoch nicht bezeichnen, denn ein solches soll Glück bringen.
Mister Stone 01.06.2016
5.
Dass beide in der Türkei Stammspieler waren, ist gut. Denn sie haben dadurch Wettkampfpraxis. In Jogis System aber wird Herr Podolski ein Fremdkörper bleiben. Intelligentes Kombinationsspiel mit taktischen Feinheiten waren nie sein Ding. Er beschrieb sich immer als Straßenfußballer. Und das war er auch. 2006 hat er mit seinem explosivem Antritt gezeigt, was ihn auszeichnete. Und heute? Würde Jogi ein System wie Gala spielen lassen, also eher tief verteidigend, dann gäbe es bei Ballgewinn die für Poldi nötigen Räume mit den langen Laufwegen. Aber die gibt es bei Jogis System nur sehr selten. Bei Gomez sehe ich da ganz andere Möglichkeiten. Der kann partizipieren und kommt auch öfter mal dem Mittelfeld entgegen. Ich sehe ihn eher in einer Startelf als Götze. Letzteren kann man auch von der Bank bringen, wie wir alle wissen.
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