Testspiel gegen Frankreich Englische Fans singen die Marseillaise

Die Rivalität zwischen den Nationalmannschaften von England und Frankreich rückt nach den Terroranschlägen in den Hintergrund. Beim Testspiel im Wembleystadion wollen die Gastgeber die französische Hymne anstimmen.

Wembley-Stadion: Solidarität mit Frankreich
REUTERS

Wembley-Stadion: Solidarität mit Frankreich


Es soll ein Symbol für die Verbundenheit mit Frankreich werden: Aus 90.000 Kehlen soll vor dem Länderspiel England-Frankreich die Marseillaise erklingen. Ob englische Fans oder neutrale Zuschauer, ob französische Spieler oder die Mannschaft aus dem Mutterland. Im berühmten Wembleystadion soll die Fußballwelt vier Tage nach den schrecklichen Attentaten von Paris und Saint-Denis französisch sprechen.

"Wembley öffnet seine Arme für ein Land in Trauer", titelte die "Times" am Montag. Dass das Match nach dem Schock von Paris mit mindestens 129 Toten und über 350 Verletzten überhaupt stattfindet, wertete Innenministerin Theresa May als Zeichen, dass "die Terroristen nicht gewinnen werden".

"Das Spiel wird eine ernsthafte Angelegenheit, aber eine, die zeigt, dass die Fußball-Welt vereint ist gegen solche Grausamkeiten", betonte Englands Coach Roy Hodgson. Der Text der französischen Nationalhymne soll auf den Leinwänden im Stadion für alle zum Mitsingen eingeblendet werden, teilte der englische Verband mit. "Das wird ein historischer Moment voller Emotionen", schrieb die französische Sportzeitung "L'Équipe" am Montag.

Wie der britische "Telegraph" berichtet, planen die Spieler der englischen Mannschaft zudem eine gemeinsame Aktion für ihre Kollegen aus Frankreich. Einige Spieler aus dem Team des EM-Ausrichters verdienen ihr Geld in der Premier League.

Reaktionen aus der französischen Mannschaft auf die Entscheidung, die Partie wie geplant auszutragen, gab es bislang nicht. Seit dem 2:0-Sieg gegen Deutschland äußerte sich keiner der Akteure öffentlich. "Ich verstehe die Emotionen der Spieler", sagte Frankreichs Verbandschef Noël Le Graët in einem Interview der "L'Équipe". Die Entscheidung sei aber von allen akzeptiert worden.

Was auch dadurch belegt scheint, dass selbst der persönlich unmittelbar betroffene Lassana Diarra zum Kader gehört, der am Montag die Reise nach London antrat. Eine Cousine von Diarra wurde bei den Anschlägen getötet.

cte/dpa



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insgesamt 8 Beiträge
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Seite 1
globus1 16.11.2015
1. Kann ich nachvollziehen.
Gleichzeitig sollten die Fußballstadien zukünftig stärker bewacht und kontrolliert werden als jemals zuvor. Es ist schade, dass viele zivilisierte Staaten keine durchorganisierten Armeen mehr haben. Da bleibt auch Obama nichts weiter übrig als zu sagen, dass Bodentruppen nichts bringen. Das hat aber eher etwas mit schlechter Aufgestelltheit zu tun und zwar so , wie es mit den Großprojekten in zivilisierten Staaten auch aussieht. Dekadente Führungsstrukturen. Man sollte nicht vergessen, die Terroristen können unerkannt bis Deutschland einwandern. Das ganze hat etwas mit seltener Naivität zu tun.
Sumerer 16.11.2015
2.
Fussballgroßereignisse gehören zur Völkerverständigung dazu. Dass jetzt so ein Ereignis explizit genutzt wird, ist nur mehr als verständlich.
satspiegel 16.11.2015
3. Ein echtes Zeichen!
Toll, das ist ein echtes Zeichen gegen den Terror! Das Spiel findet statt und die Fans vereinigen sich, zumindest gegen den Terror. Und das ist gut so!
ancoats 16.11.2015
4.
C'mon guys, it's a tough song, with being french and all, but you can do it! Die besten und inbrünstigsten Stadionsänger der Welt. Da wird ggf. kein Auge trocken bleiben.
ackergold 16.11.2015
5.
Ein gutes Zeichen wäre, wenn auch Deutschland und Holland anstatt den Hymnen die Marseillaise singen würden. Das hätte zumindest auch Symbolkraft in Richtung IS.
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