Russische Hooligans bei der EM "Ultraschnelle, ultraharte Gewalt"

Eine Gruppe von 150 russischen Hooligans soll für viele der Krawalle in Marseille verantwortlich sein - so die französische Staatsanwaltschaft. Die Täter seien sehr gut vorbereitet gewesen.

Getty Images

Die offizielle Vereinigung englischer Fußballfans (Football Supporters Federation) hat jegliche Verantwortung für die Krawalle von Marseille zurückgewiesen. Stattdessen beschuldigte sie russische Fans ebenso wie französische Ultras und Jugendbanden, die Ausschreitungen provoziert zu haben. Die Engländer hätten sich lediglich gewehrt.

Die Anschuldigungen hätten mit den wirklichen Geschehnissen nicht das Geringste zu tun, hieß es in einer Stellungnahme. Zwar seien nicht alle Fans der "Three Lions" Engel, doch sei "keiner der Vorfälle" von englischen Anhängern initiiert worden. Vorwürfe gab es auch gegen die Polizei, die "nichts getan hat, um die Lage zu beruhigen". Mit dem Einsatz von Tränengas und Wasserwerfern hätte sie auch Unschuldige getroffen.

Die Auseinandersetzungen zwischen russischen, englischen sowie französischen Fans in der Hafenstadt Marseille hatten sich im Vorfeld der Partie zwischen England und Russland über drei Tage hingezogen. Am Samstagabend im Stadion stürmten russische Hooligans dann einen Block von englischen Fans. (Hier finden Sie Hintergründe zu den Vorfällen.)

Fotostrecke

11  Bilder
EM-Spielort Marseille: Tränengas und fliegende Stühle

Frankreichs Generalstaatsanwalt Brice Robin präsentierte nun neue Ermittlungsergebnisse. Demnach sei eine große Gruppe russischer Hooligans für viele der Ausschreitungen verantwortlich gewesen, Robin spricht von 150 Personen, die für "ultraschnelle, ultraharte Gewalt" sehr gut vorbereitet gewesen sein sollen.

Auch einige Engländer waren demnach für Gewalt verantwortlich. Es habe 20 Festnahmen gegeben, sagte Robin, zehn von ihnen Russen, sechs Briten, ein Österreicher und drei Franzosen, sollen schnell vor Gericht gestellt werden. Noch am Montag soll ihnen der Prozess gemacht werden. Von den russischen Hooligans sei kein einziger gefasst worden.

Das EM-Briefing - hier in einem Schritt bestellen:

Insgesamt wurden bei den Ausschreitungen 35 Personen verletzt, gab der Staatsanwalt bekannt. Bei den meisten Verletzten soll es sich um Briten gehandelt haben. Ein Mann befinde sich weiterhin in einem kritischen, aber inzwischen stabilen Zustand. Der Engländer sei von einer Eisenstange "wahrscheinlich am Kopf" getroffen worden, hatte die Nachrichtenagentur AFP berichtet. Die Täter seien bislang nicht identifiziert.

Die Uefa hat sowohl Russland als auch England bereits mit dem EM-Ausschluss gedroht, sollten sich die Krawalle wiederholen. Kein ausgeschlossenes Szenario: Am kommenden Mittwoch spielt Russland gegen die Slowakei in Lille, einen Tag später trifft England in Lens auf Wales.

Zwischen beiden Städten liegen gerade einmal knapp 30 Kilometer.

Lesen Sie zu dem Thema auch:

Amateurvideos aus Marseille:

REUTERS

bka/sid/dpa/AP/Reuters



insgesamt 57 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
nachfrager2015 13.06.2016
1. habe ich da was überlesen?
Oder warum sehe ich hier nur "Russiche Hooligans", haben nicht auch "Deutsche Hooligans" auf Ukrainische Fans eingeprügelt. Warum nicht auch hier ein Beitrag?
d_sam 13.06.2016
2. Festnahmen
Die geringe Zahl von Festnahmen ist schon erschreckend... Und wenn die Polizei noch nicht mal Hools stoppen kann was wollten sie erst gegen Terroranschläge ausrichten?
erst nachdenken 13.06.2016
3.
Völliges Polizeiversagen und die Fans dürfen darunter leiden.
tommyblux 13.06.2016
4.
Wenn die Fanvereinigung der Russen behaupten sie haben mit den Hooligans nix zu tun, würde ihnen das niemand glauben. Tuns die Engländer, hinterfragt das niemand
MatthiasPetersbach 13.06.2016
5.
Zitat von erst nachdenkenVölliges Polizeiversagen und die Fans dürfen darunter leiden.
Nun, ich kann mir echt nicht vorstellen, wie man sowas in den Griff kriegen soll. Wenn jemand das will bzw. vorbereitet, dann sitzt der mit 20 Mann im Straßencafe und macht einen auf harmlos - und auf los geht die Prügelei los. Wie soll man da einschreiten? Die Fans leiden im übrigen nicht unter dem Polizeiversagen, sondern unter diesen Vollpfosten. Da sollte man Ursache und Wirkung nicht verwechseln.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...

© SPIEGEL ONLINE 2016
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.