Vereine stimmen für 50+1 Ein Beschluss mit Hintertürchen

Die 50+1-Regel, die die Übernahme von Vereinen durch externe Investoren verhindern soll, bleibt dem deutschen Fußball vorerst erhalten. Aber die Pläne der Gegner sind damit nicht vom Tisch.

DFL-Boss Reinhard Rauball mit Fanpapier zu 50+1
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DFL-Boss Reinhard Rauball mit Fanpapier zu 50+1


Am Ende ging es dann überraschend schnell. Statt bis in den Abend über die 50+1-Regel im deutschen Profifußball zu diskutieren, wie es ursprünglich geplant war, wurde bereits am Nachmittag sogar ein Beschluss gefasst: 18 Vertreter der anwesenden 34 deutschen Profivereine stimmten auf der Mitgliederversammlung der Deutschen Fußball-Liga DFL für die Beibehaltung der bisherigen Praxis, die den Stammvereinen eine Stimmenmehrheit in den Kapitalgesellschaften sichert und dadurch die Komplettübernahme durch externe Geldgeber verhindern soll.

Nur vier dagegen, der Rest enthielt sich oder nahm nicht an der Abstimmung teil - eine deutliche Mehrheit, die auch mit der Formulierung des Beschlussvorschlags zusammenhing.

Für "einen Prozess zur Verbesserung der Rechtssicherheit sowie weitere Überlegungen hinsichtlich geänderter Rahmenbedingungen unter Beibehaltung der 50+1-Regel" wurde in Frankfurt votiert - und auf den Punkt Rechtssicherheit konnten sich auch die Vereine beziehen, die sich im Vorfeld nicht so deutlich pro 50+1 positioniert hatten, wie es zum Beispiel der FC St. Pauli oder der FC Union Berlin getan hatten.

Kind will an seinen Plänen festhalten

"Ich denke, dass es nicht um die grundsätzliche Geschichte 50+1 ging, sondern eher wie wir weiter verfahren. Dahingehend gab es jetzt einen Konsens. Es ist wichtig, dass künftig eine Rechtssicherheit entstehen kann", sagte Otmar Schork, der sportliche Leiter des SV Sandhausen dem "Kicker" anschließend. Oliver Mintzlaff, als Boss von RB Leipzig unverdächtig, ein großer Gegner von Investoren im Fußball zu sein, interpretierte den Beschluss in seinem Sinne so: "Es ging heute nicht darum, ob 50+1 bleibt oder fällt. Selbstverständlich bleibt 50+1 Diskussionsgegenstand in Zukunft und es ist ja gut, dass wir darüber diskutieren."

Das letzte Wort scheint also noch nicht gesprochen. Diejenigen, die 50+1 am liebsten fallen sehen würden, wie Hannovers Klubboss Martin Kind, sprechen daher nicht davon, dass die Abstimmung eine Niederlage für sie sei. Kind will 96 übernehmen, ein entsprechender Antrag liegt seit Längerem in der Schublade bereit, und da bleibt er auch erst einmal. "Wir warten erst mal ab, was modifiziert wird", reagierte Kind.

Kind bleibt bei seinen Plänen: Er will eine Ausnahmegenehmigung erhalten, wie sie bereits beim VfL Wolfsburg, Bayer Leverkusen und 1899 Hoffenheim gilt. Kind beruft sich darauf, dass er - wie in der Satzung gefordert - Hannover 96 seit mehr als 20 Jahren ununterbrochen und erheblich gefördert hat.

aha/dpa/sid



insgesamt 11 Beiträge
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immerfroh 22.03.2018
1.
Dieses 50+1 steht doch nur auf dem Papier. Wie konnte es sonst zur Übernahme des SSV Markranstädt durch den Red Bull Konzern kommen ? Solche wachsweichen Schlupflöcher wird es auch weiter geben. Mit welchem Argument will man dann dem nächsten Konzern verweigern, was Red Bull gestattet wurdel ?
carinanavis 22.03.2018
2. nicht mehr zeitgemäß
Man will den 11-Freunde-Fussball und die Traditionsvereine schützen (letztlich Hirngespinste vom Amateurfussball), doch das gibt es schon lange nicht mehr. Im Endeffekt zementiert man nur das Zurückfallen der Bundesliga hinter Premier League sowieso, aber auch hinter erstarkende Ligen wie die Ligue 1. Warum geht man nicht schlauer vor und installiert erst klare Rahmenbedingungen mit einem flexiblen System, dass allen Spielraum lässt. Für Investoren sollte es natürlich so aussehen, dass sie fast alles bestimmen können, doch dem Verein (Vorstand/Mitglieder) sollte ein Stimmrecht bei absolut essentiellen Entscheidungen bleiben. Auch sie müssen den Eindruck haben, dass noch ausreichend Kontrolle vorhanden ist. Wem schadet es, wenn ein finanzkräftiger Investor Wunschtrainer und teure/gute Spieler holt - auch gegen den Willen der "Vereinsmeier"? Allerdings könntenLeistungsvereinbarungen bzw. jährliche Qualitätsbeurteilungen so gestaltet werden, dass bei mangelnder Performance z.B. für einen Verbeleib des Trainers 80% Zustimmung erforderlich ist, im Fall, dass der Investor 75% Stimmrecht hat. Man könnte ja immer ein Stimmrecht von mindestens 10% für den Verein festschreiben und für besonders wichtige Entscheidungen eben mehr als 90% Zustimmung erforderlich machen.
true2013 22.03.2018
3. Wir sind Weltmeister - ohne Investoren
Gute Entscheidung ! Wir sind Weltmeister. Punkt. Die angeblich so tolle Liga in England- letzter Titel ? Die Bundesliga ist spannend wie eh und je, und alle Vereine mit Investoren tragen eben NICHT zur Attraktivität bei- es sind Söldnertruppen ohne deutschlandweite Fan-Base. Fußball braucht keine Flügel wie in Leipzig. @caranivaris: Ihre Managementbegriffe haben mit Volkssport nix gemein. Es schadet definitiv dem Fußball, wenn SIe Investoren holen. Da leigen Sie falsch. Oder die Fans gehen dann eben zum echten Amateurfußball zurück, dann haben Sie eben leere Stadien trotz top ManagementPerformance.......
Corona17 22.03.2018
4. 50% plus eine Stimme
...kam gleich zur Anwendung: „18 Vertreter der anwesenden 34 deutschen Profivereine stimmten auf der Mitgliederversammlung der Deutschen Fußball-Liga DFL für die Beibehaltung der bisherigen Praxis[...]“
carinanavis 22.03.2018
5. Wir sind WM
Zitat von true2013Gute Entscheidung ! Wir sind Weltmeister. Punkt. Die angeblich so tolle Liga in England- letzter Titel ? Die Bundesliga ist spannend wie eh und je, und alle Vereine mit Investoren tragen eben NICHT zur Attraktivität bei- es sind Söldnertruppen ohne deutschlandweite Fan-Base. Fußball braucht keine Flügel wie in Leipzig. @caranivaris: Ihre Managementbegriffe haben mit Volkssport nix gemein. Es schadet definitiv dem Fußball, wenn SIe Investoren holen. Da leigen Sie falsch. Oder die Fans gehen dann eben zum echten Amateurfußball zurück, dann haben Sie eben leere Stadien trotz top ManagementPerformance.......
weil die meisten Leistungsträger beim einzigen dauerhaft international konkurrenzfähigen Klub spielten, dem FCB, und sonst bei europäischen Spitzenclubs wie Real Madrid (Khedira, Özil), FC Arsenal (Mertesacker, Podolski), FC Chelsea (Schürrle), Lazio (Klose, auch lange FCB). Hinzu kamen natürlich Spieler des damals sehr starken BVB und einige Topakteure anderer Bundesligaclubs. Das hat mit einer generellen Stärke der Bundesliga nichts zu tun. Söldnertruppen? Schauen Sie doch mal auf die schwächeren Bundesligamannschaften wie Köln, Mainz, Augsburg oder andere: Sind das alles heimische Nachwuchsspieler? Mitnichten. 50% der Spieler sind Ausländer. Die Bundesliga ist kein Volkssport sondern knallhartes Profigeschäft, wenn man das nicht konsequent umsetzt zieht man halt den kürzeren in CL und EL. Die Bundesliga ist nur spannend ab Platz 2, die Meisterschaft ist dagegen seit Jahren äußerst langweilig, im Gegensatz zur Premier League. Leipzig ist derzeit die neue Hoffnung auf einen spielstarken Dauerkonkurrenten der Bayern und bräuchte noch mehr Geld um Spitzenspieler zu halten. Nicht umsonst ist es das einzige Team neben den Bayern, das noch im europäischen Wettbewerb ist Genau dasselbe Problem hat der BVB, ohne Dembele und Aubemayang verliert man nun schon gegen Red Bull Salzburg ... Ja die haben einen cleveren Investor! Am Ende wollen die Fans doch lieber Klassespieler von Weltnieveau in der Bundesliga sehen und nicht nur größtenteils amateurhafte Rumpelfussballer rein deutscher Herkunft, noch dazu geleitet von biederen taktisch und fachlich wenig fähigen Trainern zweiter Wahl.
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