Confed-Cup in Brasilien Massenproteste ohne Einfluss auf WM-Pläne

Der Confederations Cup soll für Brasilien ein Testlauf für die WM 2014 sein, doch er läuft alles andere als spannungsfrei. Immer wieder kommt es zu Massendemonstrationen - die Fifa hält Brasilien trotzdem für einen geeigneten WM-Gastgeber.

Demonstrant in Brasilien: Protest gegen die Kosten der Fußball-WM
REUTERS

Demonstrant in Brasilien: Protest gegen die Kosten der Fußball-WM


Hamburg - Der Fußball-Weltverband Fifa hält trotz der anhaltenden Massenproteste Brasilien für einen geeigneten Gastgeber der Weltmeisterschaft im kommenden Jahr. "Es wurde weder darüber diskutiert noch in Erwägung gezogen, den Confederations Cup oder die WM abzusagen", sagte Fifa-Sprecher Pekka Odrizola am Freitag in Rio de Janeiro. Auch eine Fortsetzung der Demonstrationen, die in der Nacht zu Freitag teilweise zu bürgerkriegsähnlichen Zuständen in mehreren Städten des Landes geführt hatten, werde an dieser Haltung nichts ändern: "Wir spekulieren nicht darüber, unter welchen Umständen dieser Fall eintreten könnte."

Eine Analyse der durch die Proteste entstandenen Situation werde wie für alle Themenbereiche erst nach dem Ende des Confed-Cups erfolgen. Eine Verlegung der WM wäre für Brasilien und die Fifa ein nicht vorstellbarer Imageverlust. Letztmals hatte Kolumbien die WM-Gastgeberrolle für das Turnier 1986 wegen sozialer und ökonomischer Probleme an Mexiko abtreten müssen, allerdings mit einem zeitlichen Vorlauf von mehreren Jahren.

In einem verlesenen Statement sprach sich die Fifa gegen jede Form von Gewalt aus. Den Einsatz von Tränengas und Gummigeschossen durch die brasilianische Polizei wollten die Organisatoren aber nicht kommentieren. "Es ist nicht unsere Aufgabe, die Arbeit der Sicherheitskräfte zu bewerten", sagte Sprecher Saint-Clair Milesi. Der Schaden für den WM-Gastgeber und die Fifa ist aber schon jetzt beträchtlich. Und immer mehr Gerüchte rund um den WM-Testlauf über angeblich besorgte Teams machen die Runde.

Die Organisatoren widersprachen brasilianischen Medienberichten, dass die Mannschaft Italiens sogar mit einer Abreise vom Confederations Cup gedroht habe. "Das ist absurd. Die Italiener selbst haben diese Spekulationen zurückgewiesen", sagte Milesi.

Bestätigt wurde dagegen ein Angriff auf ein Fifa-Fahrzeug im Spielort Salvador in der Nacht zu Freitag. Der parkende Bus, in dem keine Menschen saßen, sei mit Steinen beworfen worden. Die Attacke habe sich aber gegen mehrere Fahrzeuge und nicht speziell gegen den Fifa-Bus gerichtet.

An den sportlichen Großereignissen im Land - der Fußball-WM 2014 und den Olympischen Spielen in Rio 2016 - entzündet sich der Zorn vieler Brasilianer. Sie beklagen, dass durch die massiven Investitionen die Lebenshaltungskosten der Bürger nach oben geschnellt seien. Außerdem habe die Steuerlast in den vergangenen Jahren immer weiter zugenommen, ohne dass sich dadurch Schulen, Krankenhäuser oder Straßen verbessert hätten. Eine weitere Losung der Protestbewegung lautet: "Stoppt die Korruption, verändert Brasilien!"

mib/dpa

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qewr 22.06.2013
1. Augen zu und durch!
Zitat von sysopREUTERSDer Confederations Cup soll für Brasilien ein Testlauf für die WM 2014 sein, doch er läuft alles andere als spannungsfrei. Immer wieder kommt es zu Massendemonstrationen - die Fifa hält Brasilien trotzdem für einen geeigneten WM-Gastgeber. http://www.spiegel.de/sport/fussball/massendemonstrationen-in-brasilien-ohne-einfluss-auf-wm-plaene-a-907245.html
Spanische Spieler wurden in ihrem Hotel ausgeraubt... Die Frau des brasilianischen Torhueters mit der Pistole bedroht... What's next?
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