Matchfixing Wettpate Dan Tan wieder in Haft

Der berüchtigte Spielmanipulator Tan Seet Eng muss nach Informationen des SPIEGEL wieder ins Gefängnis. Dabei war der Wettpate erst vor wenigen Tagen entlassen worden. Ist der öffentliche Druck für die erneute Wende verantwortlich?

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Wettpate Tan Seet Eng (Ende November): Empörung über die Freilassung
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Wettpate Tan Seet Eng (Ende November): Empörung über die Freilassung


Vor knapp einer Woche verließ Tan Seet Eng, genannt Dan Tan, als freier Mann das Gefängnis. Flankiert von seinen beiden Anwälten spazierte der Wettpate aus dem Gerichtsgebäude. Der Singapurer sah nach zwei Jahren Haft abgemagert und müde aus. Eine seiner ersten Handlungen in Freiheit: Der 51-Jährige gönnte sich eine kalte Cola.

Die Freilassung Dan Tans hatte in den vergangenen Tagen große internationale Empörung ausgelöst. Interpol-Generalsekretär Ronald Noble kritisierte die Entscheidung der Singapurer Justiz per Twitter, der Fußballweltverband Fifa äußerte ebenfalls Unverständnis, mehrere einflussreiche Anti-Korruptionsexperten schrien laut auf. Die Sorge: Tan könne ohne einen Prozess abtauchen.

Möglicherweise war dieser öffentliche Druck auch ein Grund, warum Tan nach Informationen des SPIEGEL am Dienstag erneut verhaftet wurde. Seine Anwälte wirkten von der neuerlichen Polizeiaktion indes völlig überrascht, sie bestätigten auf Anfrage zwar eine Verhaftung Tans, konnten die Gründe dafür aber nicht nennen.

Frei - und dann doch wieder verhaftet

Dan Tan beschäftigt seit mehr als zwei Jahren mehrere internationale Gerichte. Sein Fall ist kompliziert. Interpol erließ am 19. Dezember 2011 einen internationalen Haftbefehl gegen ihn, den die Staatsanwaltschaft im norditalienischen Cremona erwirkt hatte. Tan wird verdächtigt, ein weltweites Wettsyndikat angeführt und in rund einem halben Duzend europäischen Ländern Fußballspiele manipuliert und zu seinen Gunsten verschoben zu haben. Allein in Italien und Ungarn soll der er über 60 Spiele fingiert haben, bis hoch in die ersten Ligen. Tan selbst bestreitet die Vorwürfe.

In Ungarn wurde er mittlerweile in Abwesenheit angeklagt. Im Oktober 2013 wurde Tan von der Singapurer Justiz nach dem Gesetz "Section 55" ins Gefängnis verfrachtet. Das Gesetz hat nur wenig mit moderner europäischer Rechtsstaatlichkeit zu tun. Es wurde 1955 während der Kolonialzeit geschaffen und richtete sich in erster Linie gegen Drogenbosse und Mafiaorganisationen.

Der Stadtstaat Singapur darf nach diesem Gesetz bis heute Menschen ohne Gerichtsprozess in Haft setzen. Einzige Bedingung: Sie stellen nach Befinden der Justiz eine Gefahr für die öffentliche Sicherheit dar. Dies schloss nun in der vergangenen Woche ein Richter im Zuge einer Haftprüfung bei Dan Tan aus. Als Begründung gab er an, dass Tans Wettbetrügereien im Ausland und nicht in Singapur stattgefunden haben.

Singapur setzte in der jüngsten Vergangenheit zunehmend auf Sportgroßereignisse wie prestigeträchtige Tennisturniere oder Formel-1-Rennen. Das Land soll zu einem asiatischen Sport-Hotspot werden. Auch dazu passte allerdings nur schwer die Tatsache, dass gleichzeitig einer der größten Sportbetrüger ungestraft in die Freiheit entlassen wurde.

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