Matchwinner Hummels Alles Kopfsache

"Endlich geschafft": Mats Hummels hat nicht nur sein erstes Bundesligator für Bayern München erzielt. Sein Siegtreffer per Kopfball gegen Leverkusen hat auch die Kritik am Rekordmeister erst einmal gestoppt.

Mats Hummels und Thomas Müller
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Mats Hummels und Thomas Müller

Aus München berichtet Christoph Leischwitz


Der Gesichtsausdruck von Mats Hummels passte recht gut zur Stimmung der Bayern-Spieler am Samstagabend: "Es war jetzt kein Sieg aus der Leckerbissen-Abteilung", sagte er nach dem 2:1 über Bayer Leverkusen und gönnte sich ein Lächeln in den Mundwinkeln. Doch insgesamt wirkte der Abwehrspieler des Tabellenzweiten eher nachdenklich. Gegen Ende der Partie habe es "wirklich, wirklich, wirklich gebrannt", fand er. Man arbeite an der "Balance", aber es klappe eben noch nicht immer. Ein erkämpfter Sieg sei das gewesen, und, ja, ein bisschen Glück habe man auch gehabt.

Immerhin hatte es für den 27-jährigen Innenverteidiger im anderen Strafraum mal wieder geklappt. Bislang hatte der an sich so kopfballgefährliche Spieler mehrmals das Ziel knapp verfehlt. "Pech oder nicht gut gemacht, beides war dabei", findet er. Er hatte lediglich in der ersten Runde des DFB-Pokals bei Carl Zeiss Jena ein unwichtiges 5:0 kurz vor Schluss geköpfelt. Für die Bayern hatte er davor das letzte Mal vor seinem Wechsel nach Dortmund getroffen, am 1. Dezember 2007 - damals für die U23 beim SSV Reutlingen in der Regionalliga Süd.

Man darf also ohne Skrupel sagen, dass es für Hummels das mit Abstand wichtigste Tor für die Bayern war. Damit konnten die Bayern den Drei-Punkte-Rückstand auf RB Leipzig wahren. Und was womöglich noch wichtiger ist: Der Treffer hat einen Tag nach der emotionalen Wiederwahl von Präsident Uli Hoeneß dafür gesorgt, dass die Mannschaft nicht schon wieder pausenlos über ihre derzeitigen Schwächen sprechen muss.

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FC Bayern in der Einzelkritik: Hummels, der Matchwinner

Wobei Hummels in solchen Dingen ohnehin immer recht ehrlich ist. Es sei kein Sieg "der Klasse oder der taktischen Überlegenheit" gewesen, sondern vielmehr einer der Mentalität. Dazu passte sein Kopfballtor nach einer Ecke, unhaltbar ins untere Eck gewuchtet (56. Minute), bejubelt mit einer energischen Armbewegung und einem Urschrei. Von verwandelten Elfmetern mal abgesehen war es der erste Bundesligatreffer der Bayern nach einer Standardsituation in dieser Saison.

"Einen Konter nach dem anderen in den Sand gesetzt"

Wenn der Meister also schon nicht mit taktischen Mitteln zum Erfolg kommt, dann zumindest dank seiner Erfahrung, dank Improvisation. Das Abstaubertor von Spielmacher Thiago nach Torschuss von Philipp Lahm (30.) zeigte bereits: Diesmal waren vor allem Spieler an den Toren beteiligt, die sonst für andere Dinge zuständig sind. Für Thiago war es der zweite Saisontreffer.

Das 2:1 war dann ein komplettes Glücksprodukt. Zunächst hatte Leverkusens Wendell völlig unbedrängt mit der Brust zur Ecke geklärt. Dann erbarmte sich Joshua Kimmich, zur Eckfahne zu laufen: "Ich stand am nächsten da. Keiner der Eingeteilten ist rausgelaufen, darum habe ich sie selbst getreten", erklärte Kimmich später. Mit Flanken wie diesen, so Hummels, "habe ich persönlich immer die besten Erfahrungen gemacht. Wenn der Ball dann zehn Meter zentral vor das Tor komme, "dann hat man immer eine Chance, ihn reinzumachen". Er holte kurz Luft und fügte ein "endlich geschafft" hinzu.

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Doch auch dabei sah der WM-Torschütze nicht glücklich aus. Hummels weiß: Sein Siegtreffer war nicht die Lösung für die aktuellen Probleme. Man hat für die Lösung dieser Probleme lediglich ein wenig Zeit gewonnen. Gegen Leverkusen habe man "einen Konter nach dem anderen in den Sand gesetzt", sagte Hummels, und sich selbst wiederum damit in die Bredouille gebracht.

In der zuletzt so gescholtenen Defensive, die seit sieben Pflichtspielen nicht zu null spielen konnte, ist der Rückkehrer Hummels eigentlich noch einer der stabileren Akteure, in jedem Wortsinn. Seine Zweikampfwerte und seine Passquote sind für einen Verteidiger überdurchschnittlich, in einem Zeugnis würde stehen: Er löst viele schwierige Situationen zumeist souverän.

Außerdem war er im Gegensatz zu Jérôme Boateng, der diesmal wegen muskulärer Beschwerden fehlte, Javi Martinez, Holger Badstuber oder zuletzt auch Manuel Neuer bisher noch überhaupt nicht verletzt, er fehlte bisher lediglich einmal wegen einer Magen-Darm-Grippe.

Vor einigen Wochen, als die Stimmung für kleine Anekdoten noch besser war, hatte Hummels beiläufig erzählt, dass er eine Mannschaft für ein Onlinemanagerspiel zusammengestellt hat. Dort habe er sich auch selbst verpflichtet - es sei schon immer ein Traum von ihm gewesen, das mal zu tun. Sofern sich Hummels an diesem 12. Spieltag aufgestellt hat, wird er sich selbst in seinem Managerspiel ein paar Punkte eingebracht haben.



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ulrich.schlagwein 27.11.2016
1. Das Bayern-Glueck ist zurueck
Und wo war der Video - Beweis fuer das Handspiel des Bayern Spielers im eigenen Strafraum? Bei der Brotzeit? Geht das schon wieder los? War sogar FX2 in den USA aufgefallen
warlock2 27.11.2016
2. Bayern 2017?
Kein Meister!
Freddie-58 27.11.2016
3. Alle haben sich das gewünscht
Alles gut so! Endlich mal Spannung und die BuLi aufgemischt. Weiter so! Ein Bayern Fan
WeiteFlanke 27.11.2016
4. Aber klar doch!
Zitat von ulrich.schlagweinUnd wo war der Video - Beweis fuer das Handspiel des Bayern Spielers im eigenen Strafraum? Bei der Brotzeit? Geht das schon wieder los? War sogar FX2 in den USA aufgefallen
Na, wieder auf dem einen Auge blind unterwegs? Tritt im Strafraum gegen Lewandowskis linken Fuß, ebenso schwer für den Referee zu sehen. Kein Bewies-Video? Besser noch, Schlag von Mehmedi im Strafraum in Martinez' Gesicht. Unabsichtlich, klar, aber mitten auf dem Feld zieht das einen Freistoß für Bayern und eine gelbe Karte nach sich. Warum blieb die Pfeife stumm?
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